Großstadtgeflüster

Fahrbericht: VW e-Up

Der e-Up ist ein Auto für die Großstadt - agil und mit kleinem Radius. Weil batterieelektrische Autos vom Antrieb her eher langweilig sind, haben wir uns in diesem Test auf das Laden in der Stadt fokussiert. Überraschend, wie leicht die verbesserte (DC-)Infrastruktur den Alltag macht

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(Bild: Christoph M. Schwarzer)

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Abschalten! Was Peter Lustig zum Schluss seiner Kindersendung „Löwenzahn“ geraten hat, empfehle ich für das künstliche Fahrgeräusch des VW e-Up: Der e-Sound (155 Euro Aufpreis) erinnert an das Dreizylindertrommeln der konventionellen Up-Modelle, und zu laut ist er außen auch. Nach der Deaktivierung aber ist Stille. Jetzt ist der batterieelektrische Kleinwagen in seinem Element. Der e-Up ist praktisch und agil, ein typisches Auto für die kurze Überlandstrecke oder das Gewirr der Großstadt.

An den viel befahrenen Straßen der Metropolen verursachen Autos am meisten gesundheitsschädliche Abgase. Bezogen auf Hamburg bedeutet das: Ja, was die Containerriesen im Hafen in die Luft blasen, ist viel schlimmer. An der Stresemannstraße und anderen Messpunkten ist es trotzdem der Pkw-Verkehr, der die Anwohner unmittelbar mit Stickoxiden, Feinstpartikeln und Lärm belastet. Das batterieelektrische Auto könnte die Emissionen verringern. Offen bleibt die Frage, wie die Menschen in den Mehrfamilienhäusern laden können – mit dem Kabel vom Balkon?

So viel vorweg: Die Ladestrategie beim VW e-Up (AC langsam, DC schnell) hat mich im Vorfeld skeptisch gemacht. In der Lebenswirklichkeit erwies sie sich als Joker.

Urbane Ladesituation bessert sich

Vor drei Jahren gab es in Hamburg ein paar Wechselstrom-Ladesäulen. Ich brauchte zur Identifikation eine spezielle RFID-Karte, und in dicht besiedelten Wohngebieten waren die Plätze davor meistens zugeparkt – von Autos mit Verbrennungsmotor. Die Polizei konnte ein Ticket unter den Scheibenwischer klemmen. Eine Zwangsräumung war wegen unklarer Rechtsfragen noch nicht durchsetzbar.

Die Situation hat sich radikal geändert. Inzwischen gibt es statt einer drei AC-Säulen im Umkreis von einem Kilometer. Ich kann den Strom niederschwellig per SMS oder mit einem RFID-Chip von überregionalen Anbietern wie The New Motion freischalten. Die Polizei Hamburg schleppt Falschparker unaufgefordert und konsequent ab.

An der Wechselstrom-Säule ist der e-Up leider ein so genannter Schnarchlader. Mit 3,7 kW Leistung dauert die Vollladung sechs Stunden. Und die Parkdauer auf den Ladeplätzen ist mit Rücksicht auf andere BEV-Fahrer auf maximal zwei Stunden begrenzt. Bei einem winterlichen Verbrauch von 18,9 kWh auf 100 Kilometer hätte ich also jeweils nur Strom für rund 40 Kilometer speichern können – wenn nicht neuerdings in fußläufiger Entfernung eine DC-Säule errichtet worden wäre. Wunderbar.

AC oder DC?

Im Rahmen des gerade von der EU-Kommission genehmigten Förderprogramms des Bundesverkehrsministeriums wird Hamburg mindestens 66 weitere davon bekommen. Deutschlandweit werden es 5000 sein. Und hier erinnert (nicht gleicht) das Laden des VW e-Up fast dem Tanken von Benzin.