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Fahrbericht: Vespa Elettrica

Der italienische Piaggio-Konzern hat mit der Vespa Elettrica eine neue Baureihe lanciert: Erstmals gibt es den legendären Motorroller, schon vor fast 75 Jahren erfunden und in zahllosen Entwicklungsschritten zur Design-Ikone perfektioniert, mit batterieelektrischem Antrieb.

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Der italienische Piaggio-Konzern hat mit der Vespa Elettrica eine neue Baureihe lanciert: Erstmals gibt es den legendären Motorroller, schon vor fast 75 Jahren erfunden und in zahllosen Entwicklungsschritten zur Design-Ikone perfektioniert, mit batterieelektrischem Antrieb. Dieser ermöglicht – stark abhängig von der Zahl der Stopps bzw. der auf diese folgenden Beschleunigungsvorgänge – eine Fahrtdauer von gut drei Stunden.

Macht Spaß

Das ist für ein Stadtfahrzeug, das an jeder nicht weiter als zwei Meter entfernten Haushaltssteckdose geladen werden kann, absolut ausreichend. Doch nicht nur das: Das Fahren auch dieser Vespa macht Spaß, und zwar nicht nur, weil es einfach von der Hand geht, sondern weil die Elettrica ein Gefühl der Gediegenheit vermittelt. Zum Glück für Piaggio, möchte man hinzufügen, denn mit mindestens 6390 Euro ist das schicke Zweirad kein billiger Kauf.

Auch wenn in China schon seit Jahren die Elektroroller in Millionenauflage herumfahren, so sind elektrisch angetriebene Klein-Scooter in Mitteleuropa noch selten im Verkehr. Piaggio ist denn auch der erste etablierte Zweiradhersteller, der sich in dieses Segment wagt. Schon länger aktiv ist zwar BMW mit seinem C Evolution, doch rangiert dieser mächtige E-Scooter zwei Klassen höher, auch im Preis. Die Vespa Elettrica soll nun also den Türöffner spielen für den Piaggio-Konzern, damit in ihrem Kielwasser demnächst auch einfacher gemachte und damit preisgünstigere Elektrorollerchen die Kassen des Konzerns füllen.

Aus technischer Sicht gibt es keinen Grund, die Vespa Elettrica nicht zu kaufen: Sie fährt so gut wie jede aktuelle Vespa, federt anständig, rollt sicher um jede Kurve und bremst souverän. Auch schlechtere Straßen absolviert sie, ohne dass ihrem Fahrer die Plomben aus den Zähnen fallen. Die runden Chrom-Spiegel ermöglichen beste Rücksicht.

Vernetzt

Das bunte TFT-Display offenbart, bestens ablesbar, alles Wissenswerte. Dass es auch des Fahrers Smartphone einzubinden vermag, garantiert MIA, die Multimedia-Plattform der Italiener. Wie sehr sich solche Anlagen und das Bestreben um mehr Aufmerksamkeit und damit ein Plus an Sicherheit im Straßenverkehr vertragen, lassen sei hier mal dahingestellt. Der Stauraum unterm Sitz ist groß genug für einen Jethelm, das Handschuhfach für ein paar Fingerlinge und das Smartphone, solange es dort lädt, denn eine USB-Buchse ist praktischerweise vorhanden. Auch Schalter und Hebel sind durchdacht platziert und lassen sich gut bedienen.

Zur schicken Schale – es gibt lediglich eine silbermetallicfarbene Einheitslackierung – addiert sich eine hochwertige LED-Beleuchtung, und zwar vorne wie hinten. Als Kontrast zum gediegen wirkenden Silber fungieren serienmäßig ein kräftiges Blau und ein nicht weniger intensives Gelb. Letztgenannte Farbe für Felgenhörner, Frontschild und Keder am Sitz ist der Elettrica 70 vorbehalten, das Blau der langsameren Vespa. Beide tragen zudem noch einen entsprechenden Farbtupfer auf ihrer Krawatte genannten Mittelbahn der Frontverkleidung.

Souverän

Ausgezeichnet gelöst haben die Entwickler den Punkt der Leistungsabforderung beim „Gasgeben“; die Kraftentfaltung erfolgt spontan, aber vollkommen gleichmäßig und ohne Ruckeln. Man kann durchaus, einen guten Gleichgewichtssinn mal vorausgesetzt, konstant mit Tempo 3 vor sich hin zuckeln, ohne dass der Antrieb irgendwie muckt. Die Beschleunigung erfolgt souverän und gleichmäßig, bis der Digitaltacho bei der Zahl 49 einfriert – schneller läuft die blaue Vespa nicht. Geht es bergauf, sinkt das Tempo. Aber immerhin macht die Vespa nicht wirklich schlapp: Das Steigvermögen geben die Italiener im Solobetrieb mit 30 Prozent an, im Soziusbetrieb mit immerhin noch 20 Prozent. Damit ist eine Vespa Elettrica auch in Stuttgart einsetzbar; die Mehrzahl der billigen Chinesen-Roller schafft das nicht.

Spaßfrei im Eco-Modus

80 Kilometer Reichweite (bei allerdings null Stopps) gibt Piaggio fürs Fahren im Power-Modus (45 km/h) für die blaue Version an, genauso viel wie für die gelbe Version. Beide Akkus sind gleich groß und mit 25 Kilogramm auch gleich schwer. Beide sind auch gleich stark (3,6 kW/4,9 PS). Die 20 km/h mehr resultieren aus geänderter Steuerungs-Software und einer geringfügig verlängerten Übersetzung. 100 Kilometer weit soll kommen, wer sich auf den Eco-Modus (30 bzw. 45 km/) beschränkt. Diese Fahrweise ist garantiert spaßfrei und gefährlich dazu, also ohne Vorteile. Denn der gebotene Radius ist angesichts der niedrigen Geschwindigkeiten der E-Vespa groß genug, die möglichen Fahrzeiten bis zum Nachladen reichen höchstens für Masochisten nicht aus.