Digital zum Schein

Führerschein: Digitale Theorieausbildung

Immer mehr Fahrschüler fallen bei der Prüfung durch. Ein Start-up will den Führerscheinerwerb nun digitalisieren. Damit soll der „Lappen“ nicht nur einfacher zu erwerben sein. Auch die Kosten sollen um fast die Hälfte sinken. Kritik kommt von den Fahrlehrer-Verbänden

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Bei der Führerscheinprüfung scheitert in Deutschland rund ein Drittel der Schüler. Das Start-up Odokar aus Berlin will die Fahrausbildung jetzt digitalisieren. Damit soll der „Lappen“ nicht nur einfacher zu erwerben sein, sondern auch um fast die Hälfte billiger werden.

Interaktive Lernplattform

Geht es nach Odokar, soll der Theorie-Teil künftig online absolviert werden und nicht mehr in Form des klassischen Frontalunterrichts in der Fahrschule. „Der Klassenraum soll zur Interaktion zwischen einem Fahrlehrer und den Schülern dienen“, sagt Benjamin Riesser von Odokar. Aktuell werde der Unterricht aber einfach heruntergelesen. „Schüler haben keine Lust dazusitzen.“ Letztlich würden sie den Stoff zu Hause auswendig lernen. Mit „modernen Online-Tools“ will Odokar diesen Prozess vereinfachen und das Lernen attraktiver machen. Die Theorie – bundeseinheitlich sind beim Pkw-Führerschein 14 Doppelstunden Theorie und 12 Ausbildungsfahrten vorgeschrieben – soll künftig über eine interaktive Lernplattform gebüffelt werden. Auch beantragt werden soll der digitale Führerschein online. „Wir sind gegen jeden unnötigen Papierkram“, heißt es bei Odokar.

Tatsächlich haben immer mehr junge Deutsche Probleme mit dem Erwerb des Führerscheins. Bei der Theorieprüfung fiel laut Kraftfahrtbundesamt 2017 jeder dritte Schüler durch. Auch bei 28 Prozent der Praxisprüfungen versagten die Führerscheinanwärter. Beim Konzept von Odokar können Fahrschüler zu Hause auf Theorieunterricht und Fragenkatalog zugreifen. Zur Fahrschule müssen sie zum Lernen nicht mehr kommen. Eine Fahrstunde mit einem qualifizierten Fahrlehrer wird per Mausklick gebucht. So werde der neue digitale Führerschein mit 30 Fahrstunden für weniger als 1100 Euro zu haben sein, wirbt Odokar, also 40 Prozent günstiger als der deutsche Durchschnittsführerschein für knapp 2000 Euro liege.

Online sicherer?

Im Nachbarland Frankreich scheint das Konzept von Odokar Erfolg zu haben. Dort ist der digitale Erwerb des Führerscheins seit 2015 erlaubt. Seitdem bietet die Muttergesellschaft Ornikar dort ihre Dienste an und hat angeblich einen Marktanteil von ca. 20 Prozent errungen. Seit 2016 sinkt in Frankreich die Zahl der Verkehrsunfälle mit Toten und Schwerverletzten. Ornikar wertet dies als Indiz dafür, dass die Straßen sicherer würden – auch wegen der verbesserten Ausbildung junger Autofahrer. Belegt ist ein solcher Zusammenhang allerdings nicht.