ICCT-Studie: Hohe Abweichnung beim Verbrauch

Der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen in Europa liegt einer Untersuchung zufolge höher als von den Herstellern angegeben. Dies ist das Ergebnis der diesjährigen Studie des ICCT. Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht

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(Bild: Aral)

Von
  • Martin Franz

Die Abweichungen zwischen den Angaben der Hersteller und dem durchschnittlichen Realverbrauch liegen aktuell im Schnitt bei 42 Prozent - wie im Vorjahr.

(Bild: Aral)

Der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen in Europa liegt einer Untersuchung zufolge noch immer deutlich höher als von den Herstellern angegeben. Dies ist das Ergebnis der diesjährigen Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT), die den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Ausgaben vom 6. November 2017) vorliegt. Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht: Schon seit 2013 macht die ICCT in Studien diese Abweichungen öffentlich.

Aus den aktuellen Ergebnissen der 2017er-Studie geht hervor, dass die Abweichung gegenüber dem Vorjahr nicht weiter gestiegen ist. Noch immer liegt sie bei durchschnittlichen 42 Prozent. Als Basis diente der alte NEFZ. Der höhere Verbrauch bedeutet nicht nur Mehrkosten für die Autofahrer, sondern auch eine stärkere Belastung der Umwelt etwa durch CO2-Ausstoß. Die EU hat bereits strenge CO2-Grenzwerte ab dem Jahr 2021 festgesetzt, die nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft MSCI kaum ein Autohersteller einhalten können wird.

„Die Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichen Verbrauch ist dabei so groß wie noch nie. Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa 15 Prozent“, wurde der ICCT-Geschäftsführer in Europa, Peter Mock, zitiert. Die ICCT ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die vor zwei Jahren den Diesel-Skandal in den USA mit aufgedeckt hat.

Als die Studie im Jahr 2013 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lag die Diskrepanz noch bei etwa 25 Prozent. Ein Grund für die hohe Diskrepanz liege darin, dass der Kraftstoffverbrauch von Pkw für die Herstellerangaben in Testlaboren und nicht im realen Fahrbetrieb ermittelt werden. Dieser Umstand ist allerdings nicht ganz einfach zu beheben, denn seit 2009 wird die Kfz-Steuer in Deutschland anhand des Verbrauchs ermittelt. Die Daten müssen also vergleichbar sein, was bei einem Betrieb auf der Straße schwierig ist, denn dort spielen Dinge wie die Verkehrsdichte, Topografie und Wetter eine entscheidende Rolle.

Seit September 2017 würden aber für neue Fahrzeugtypen strengere Richtlinien bei den Testverfahren gelten. Die ICCT-Forscher erwarten, dass dies die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Verbrauchswerten etwa halbieren könnten. Es wäre auch wichtig, „dass endlich europaweit Sanktionsmöglichkeiten eingeführt werden, um Autohersteller bei Tricksereien und Falschangaben bestrafen zu können“, sagte Mock. „Sonst ändert sich nichts.“ Die ICCT vertritt schon länger die Ansicht, dass strengere Verbrauchsziele für die Autoindustrie technisch wie finanziell zumutbar sind.

(mit Material der dpa) (mfz)