Aufstiegshilfe

Im Test: Seat Ibiza 1.0 EcoTSI Style

Nach 14 Jahren Fiat Uno markierte ein Seat Ibiza 6L in meinem Autofahrerleben den bisher größten Aufstieg. Wird das Wiedersehen mit dem aktuellen Ibiza mit Dreizylinderbenziner jetzt eine Enttäuschung?

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Man verzeihe mir, wenn mein Zugang zum Test-Ibiza, einem fünftürigen 1.0 EcoTSI mit 95 PS starkem Dreizylinderbenziner in der mittleren Ausstattungslinie Style, vielleicht befremdlich leidenschaftlich ist. Denn nach 14 Jahren Fiat Uno markierte ein Seat Ibiza 1.9 TDI Sport in meinem Autofahrerleben den bisher größten Aufstieg. Klimaautomatik, beheizte Außenspiegel, brauchbares Abblendlicht, Bordcomputer – es war, als hätte ich im Lotto gewonnen.

„Triste Kiste“

Gleich nach dem Einsteigen fühle ich mich wieder zu Hause und auch daran erinnert, dass mir, der Mensch ist ja leider nie lange wirklich zufrieden, nach ein paar Jahren im eiförmigen Ibiza (intern: 6L) die etwas triste Plastiklandschaft des Cockpits ein wenig auf den Keks ging. Kollege Martin notiert auch beim aktuellen Ibiza unter der Überschrift Interieur-Gestaltung „Triste Kiste“ im Fahrtenbuch. Insbesondere die Vollplastiktürtafeln sind uns ein wenig zu nüchtern. Bei den teuren Ausstattungen Xcellence und FR klebt Seat immerhin noch einen kleinen Stofffetzen drauf. Auch an den Sitzen ließ Martin kein gutes Haar und attestierte ihnen wenig Seitenhalt und zu wenig Unterstützung im Lendenwirbelbereich. Er ist in dieser Hinsicht anspruchsvoller und sitzt dann schon schlecht, wenn ich mich noch bestens aufgehoben fühle. Der Kollege Pillau monierte zudem, dass die Sitzflächenneigung die Sitzhöhenverstellung nicht im nötigen Maße mitgeht. Die Sitze sind also nicht das Sahnestück des Ibiza, allerdings zeigte der aktuelle Ford Fiesta im Test, dass es noch erheblich schlechter geht.

Gute Ergonomie

Bedienung und Ergonomie geben ansonsten weder Rätsel auf noch Anlass für Kritik. Der aufpreispflichtige erweiterte Bordcomputer, informiert einen übersichtlich und in einem viel größerem Umfang wie etwa in einem BMW 2er. Das Infotainment-System, das als zweitgrößtes System aus Golf und Co. bekannt ist, arbeitet sehr zuverlässig und verfügt noch über zwei praktische Drehknöpfe. Allerdings könnte der zentrale Touchscreen noch ein wenig höher eingebaut sein, um noch besser im Blickfeld des Fahrers zu liegen. Beides ist im Businesspaket für die Ausstattungslinie Style zusammengefasst (490 Euro Aufpreis). Ein Blödsinn ist die Tempolimitanzeige im Zentralbildschirm. Sie ist rein datenbankbasiert, also in der Praxis unbrauchbar.

Der Dreizylinder startet per Knopfdruck, zumindest im Testwagen, denn denn der ist mit dem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem für 300 Euro ausgestattet, das ich in meiner Wunschkonfiguration umgehend als Streichposten ausweise. Und da ist es wieder dieses leicht schnarrende Motorgeräusch mit maskulinem Timbre, das Dreizylinder-Freunde als sympathisch und die Anderen als unkultiviert empfinden. Exakt, angenehm und butterweich lässt sich der Schalthebel in den ersten Gang führen und die 95 PS setzen den Ibiza ansatzlos und flott in Bewegung. Schon nach wenigen Metern wird einem klar, dass der Ibiza zum Besten gehört, was derzeit im B-Segment zu haben ist. Gut, sagen Sie, hätte man vielleicht, einen Objektiveren als einen vergangenheitsbesoffenen Uno-Traumatisierten ans Steuer lassen sollen.

„Rundes Ding“

Doch auch meine Kollegen, die von jeglicher Seat-Romantik befreit sind, waren positiv überrascht, was für ein „rundes Ding“ der eckig-kantige Klein-Katalane beim Fahren abgibt. Mit dem 95 PS starken Triebwerk kommt nur selten der Wunsch nach mehr Leistung auf. Die 175 Nm Drehmoment liegen schon bei 1500/min an.