Induktives Laden während der Fahrt

Ein wanderndes Feld

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen wollen den Autoverkehr mit Strom versorgen - während der Fahrt. Denken Sie jetzt aber nicht an eine Slotcarbahn, denn Stromschienen oder Oberleitungen soll es dabei nicht geben

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 40 Beiträge
7 Bilder
Von
Inhaltsverzeichnis

Bremen, 13. Mai 2015 – Wer Halluzinationen hat, sollte zum Arzt gehen. Wer dagegen Visionen hat, sollte sie auf Machbarkeit prüfen. In dieser Rolle sind die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen: Unter Leitung von Professor Matthias Busse haben sie einen seltenen Artega vom Verbrennungsmotor befreit, stattdessen zwei radnahe, je 156 Kilowatt starke Elektromotoren eingebaut und eine 80 Zentimeter breite und zwei Meter lange Ladeplatte („Pickup“) unters Auto geschraubt. Damit soll der Frecco i getaufte Sportwagen berührungslos Strom aufnehmen können – aber nicht im Stand, sondern während der Fahrt.

Bevor wir die Frage beantworten, wozu das überhaupt sinnvoll ist, wenden wir uns zuerst dem Fahrzeug zu. Die elektrische Energie speichert der Frecco i in einer 37,6 Kilowattstunden fassenden Batterie von Akasol. In diesem Versuch wurde die Ladeleistung nicht auf das maximal Denkbare, sondern auf das Vernünftige ausgelegt: 30 Kilowatt sind genug, um unter den meisten Bedingungen ein Plus in den Akku zu bringen. Bei 130 km/h etwa reichen zwischen zehn und 15 Kilowatt, um die Geschwindigkeit zu halten. Ach ja, und bei Bedarf kann der rund 1,5 Tonnen schwere Ex-Artega auch mit einem Kabel und 3,3 Kilowatt Leistung geladen werden.

Erstaunlich hoher Wirkungsgrad

Beim Aufbau der 25 Meter langen Teststrecke bei der Intis GmbH (Lathen, Emsland) half das Bauunternehmen Max Bögl. Es soll schließlich bei allen Komponenten die Anwendungsnähe demonstriert werden, also hier die Vereinbarkeit mit dem konventionellen Straßenbau. In etwa zehn Zentimeter Tiefe und auf einer Breite von einem Meter wurde die Primärspule eingelassen, die über ein Magnetfeld Strom in das darüber fahrende Auto induziert. Dabei wird mit einer Frequenz von 35 Kilohertz gearbeitet. Der Wirkungsgrad ist hoch und liegt – gemessen von der Einspeisung in die Spule bis zur Batterie und somit inklusive diverser Umwandlungen – bei rund 90 Prozent.