Interview mit Google-Car-Entwickler Chris Urmson

Wird Google zum Autobauer?

Sein kleines Roboterauto schickte Google nicht zur IAA nach Frankfurt [--] aber Projektchef Chris Urmson. Er sprach mit der Deutschen Presse-Agentur unter anderem über die Entscheidung, ganz auf Lenkrad und Pedale zu verzichten, und warum Google nicht selbst zum Hersteller werden wolle

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Frankfurt am Main, 18. September 2015 – Sein kleines Roboterauto schickte Google nicht zur IAA nach Frankfurt – aber Projektchef Chris Urmson. Er sprach mit der Deutschen Presse-Agentur unter anderem über die Entscheidung, ganz auf Lenkrad und Pedale zu verzichten, und warum Google nicht selbst zum Hersteller werden wolle. Urmson leitet seit 2009 Googles Projekt zur Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge. Der Computeringenieur machte sich zuvor einen Namen im Roboterwagen-Team der Universität Carnegie Mellon. Wenn demnächst der Automanager John Krafcik als CEO die Führung des Google-Projekts übernimmt, soll Urmson weiter die Entwicklung leiten. Andrej Sokolow führte das Interview.

Frage: Herr Urmson, Sie betonen häufig, Google wolle kein Autobauer werden, sondern Fahrzeuge in Kooperation mit der Autoindustrie entwickeln. Was sollte man sich darunter vorstellen: Ein kompletter Bauplan, nach dem die Hersteller fertige Wagen produzieren können – oder könnten Sie auch einzelne Funktionen vermarkten, wie etwa Auswertung von Sensor-Daten?

Antwort: Wir sind noch dabei, es herauszufinden. Wir wissen, dass es Unternehmen gibt, die seit 100 Jahren Autos bauen. Es wäre dumm von uns, wenn wir versuchen würden, sie zu kopieren. Diese Firmen machen einen großartigen Job, sie kennen ihre Kunden. Und ich denke, dass es für uns der richtige Weg ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten – um festzulegen, wie die Autos sein sollten und die nächste Phase der Mobilität einzuläuten.

Frage: Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte vor kurzem, für ihn sei denkbar, dass man in Gemeinschaftsunternehmen mit Tech-Firmen wie Google Fahrzeuge entwickelt, die von der Autobranche dann gebaut werden. Wäre das für Sie ein attraktives Modell?

Antwort: Daimler ist eine großartige Firma und Mercedes war schon immer an vorderster Front bei Fahrassistenzsystemen. Eine Partnerschaft mit ihnen wäre für uns sehr interessant. Wie genau dabei die Struktur sein könnte, darüber müsste man an einem gewissen Punkt reden.

Kein neues Verkehrskonzept

Frage: Sollte man davon ausgehen, dass Google eigentlich kein einzelnes selbstfahrendes Auto entwickeln, sondern eher ein ganzes automatisiertes neues Verkehrskonzept für Städte?

Antwort: Ich denke, heute trifft das so nicht zu. Wir sehen, dass die Technologie – wenn sie erst einmal robust funktioniert – ein enormes Potenzial für neue Formen von Mobilität hat. Gerade bei uns in den USA ist der öffentliche Personen-Nahverkehr nicht so, wie er sein sollte. Aber wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem wir ein neues Verkehrs-System entwickeln.