Adel verpflichtet

KTM 390 Duke Langstreckentest

Die kleine KTM 390 Duke hält sich seit ihrem Erscheinen 2013 erfolgreich unter den beliebtesten Bikes. Letztes Jahr war sie sogar die meistverkaufte KTM. Was macht das einzylindrige Naked Bike so beliebt? Wir haben die österreichisch-indische Koproduktion einem Langzeit-Test unterzogen

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Köln, 18. Juli 2016 – In den Top 20 der deutschen Motorradzulassungen drängeln sich ausschließlich große Hubräumen zwischen 650 und 1200 Kubikzentimeter – mit einer Ausnahme: Die kleine KTM 390 mit dem fürstlichen Beinamen „Duke” hält sich seit ihrem Erscheinen 2013 erfolgreich unter den beliebtesten Bikes. Letztes Jahr war sie sogar die meistverkaufte KTM. Was ist dran an dem einzylindrigen Naked Bike, dass es den Händlern so aus den Fingern gerissen wird? Wir haben die österreichisch-indische Koproduktion einem Langzeit-Test unterzogen.

Ihre Existenz verdankt die 390 Duke der globalen Weitsicht des KTM-Bosses Stefan Pierer. Er wollte unbedingt auf die riesigen asiatischen Märkte expandieren und das ging am besten durch ein Joint-Venture vor Ort. Den richtigen Partner fand er im indischen Bajaj-Konzern, der pro Jahr über drei Millionen Motorräder produziert. Der Deal war so einfach wie clever: KTM konstruiert die Motorräder und Bajaj baut sie günstig in Indien. Heraus kamen zunächst die 125 Duke und 200 Duke. Erst ein Jahr danach wurde die – für asiatische Verhältnisse – hubraumstarke 390er hinterher geschoben. Der Antrieb ist kein aufgebohrter 200er-Motor, sondern wurde neu entwickelt und verfügt über einen geschmiedeten Kolben und mit Nikasil beschichteten Zylinder. Wie wichtig die 390 Duke für KTM ist, belegt die Tatsache, dass sie in sage und schreibe 76 Ländern angeboten wird und nicht nur in Asien großer Beliebtheit erfreut.

Erster Kontakt

Meine erste Kontaktaufnahme mit der KTM 390 Duke verläuft etwas zwiespältig. Das Design erscheint zwar frisch, dynamisch und integriert sich ganz in die eher kantige KTM-Linie, aber die Duke wirkt klein, fast schon filigran. Die Farbgebung in schwarz-weiß-orange passt zum Erscheinungsbild, der Gitterrohrahmen und die Felgen sind in der knalligen Markenfarbe lackiert. Ihre Sitzhöhe fällt mit 800 Millimeter recht niedrig aus, was natürlich Kurzgewachsene freut, unter Kerlen mit Gardemaß und ordentlich Speck auf den Rippen schrumpft die Duke jedoch auf Spielzeuggröße. Man hat eben auch im Hinblick auf die Maße asiatischer Kunden konstruiert.

Wer jetzt Bedenken hinsichtlich der Qualität hat, weil die Duke in Südostasien gefertigt wird: Die japanischen Hersteller haben schon seit Jahrzehnten Fabriken dort, BMW lässt in China fertigen, Triumph in Thailand und sogar Harley-Davidson in Indien. Außerdem werden alle Dukes, die nach Europa kommen, im Stammwerk Mattighofen einer Kontrolle unterzogen. Die Schweißnähte und Verarbeitung der kleinen KTM sind absolut zufriedenstellend. Alles ist ordentlich verschraubt, passgenau und nichts wackelt. Dass die Aufkleber nicht überlackiert sind, stört höchstens Erbsenzähler.