Der neue Opel Astra fährt super

Klartext: Astralwesen

Vom neuen Opel Astra habe ich nicht viel erwartet, außer dass ich mir sicher war, dass es ein gutes Alltagsauto werden würde. Jetzt fuhr ich allerdings den 200-PS-Turbo. Damit ist er gleichzeitig ein Spaßauto

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  • Clemens Gleich
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Stuttgart, 14. September 2016 – Irgendwann im vergangenen Winter saßen die Kollegen Sebastian Bauer, Axel Griesinger und ich beim Bier und diskutierten darüber, dass wir auch mal so eine Auto-Party veranstalten sollten, wie sie in so vielen Zeitschriften vor allem in den USA und dem UK jedes Jahr im Sommer stattfindet: Leute mit Nagel im Kopf treffen sich, um darüber zu streiten, welches der vielen angetragenen Autos jetzt am besten ist. Der Arbeitstitel war "says it on the tin": "Hoonigan-Sommerfest" Wie es immer so läuft, gingen unsere Pläne im Alltag unter, aber Sebastian hängte sich dann irgendwann ans Telefon und organisierte kurzfristig, fast heimlich, fast alleine ein verkleinertes Hoonfest bei sich in der Eifel. So kurzfristig konnte sich die Autoauswahl keinen szeneüblichen Themen unterwerfen, sondern es zählte Verfügbarkeit. Und so kam es, dass ich außer dem neuen Jaguar F-Type SVR auch den neuen Opel Astra fuhr und von letzterem sehr angetan nach Hause ging.

Gran Turismo Inspection

Freude über ein Produkt ist immer in erheblichem Maße eine Sache der vorangehenden Erwartungen, das stelle ich immer wieder fest. Meine Erwartungen an den Golf GTI Performance waren hoch, denn der war auf der Präsentation damals schon gut. Ich hätte allerdings vielleicht misstrauisch werden sollen, dass wir immer nur zwei Runden Rennstrecke hinter einem Beetle fuhren und danach eine Abkühlungsrunde. Das Auto zeigt, was Volkswagen kann: Kühl nach Pflichtenheft ein gutes Auto bauen. Der GTI verspricht so viel Sportkompakt, aber dann kannst das ESP nicht ganz abschalten. Die Lampe für AUS geht AN, aber laut VW regelt das Teil dann immer noch, nur eben später. "Warum sollte man das auch abstellen wollen?", fragte der VW-Techniker damals, was eindeutig zeigt, warum ein VW eben ein VW ist. Weil es Spaß machen könnte, lieber Volkswagener! Dumme Dinge tun macht manchmal Aua, aber häufig Spaß. Irgendwie, irgendwann werde ich mich als Berater nach Wolfsburg einschleusen lassen und das in die Köpfe dort hämmern – zur Not per Powerpoint.

Auf der Landstraße fuhr der GTI noch so wunderbar, dass ich ihn voll Vorfreude am nächsten Tag mit auf die Nordschleife nahm. Sebastian hatte am Tag vorher festgestellt, dass die Bremsanlage der Nordschleife nicht gewachsen ist: Nach wenigen Kilometern schon so rapide weich werdendes Pedal, dass er die Anlage langsamer fahrend abkühlen ließ, damit nichts kaputtgeht, vor allem nicht er. "Es gibt keine Pokale zu gewinnen bei den Touristenfahrten", sagt Dale Lomas (Bridge to Gantry) immer. Also auf Sicherheit. Auf meiner Fahrt ging nach etwa fünf Kilometern die Lampe "EPC" an, die nachgeschlagen heißt: E-Gas. Auch das reproduzierbar. Dann gibt dir der GTI ein Notlaufprogramm, mit dem du fürchten musst, dass dir auf der Schleife die ganzen Renault Mégane RS mit ihren funktionierenden Gaspedalen und funktionierenden Bremsen ins Heck detonieren. Wo bleibt der Sportsgeist bei Volkswagen? Vielleicht findet man ihn im Golf GTI Clubsport, mal schauen.

Astralkörper

Überhaupt gar nichts erwartete ich vom neuen Opel Astra. Sebastian hatte einen da, von dem er selber nicht sicher war, ob er überhaupt zu diesem kleinen PS-Fest passte oder einfach gesondert stattfinden sollte. Dann fuhr er ihn jedoch und schwärmte uns so die Ohren voll, dass ich sagte: "Opel zahlt dir bestimmt einen Fuffi für deine Promo, aber jetzt halt bitte Funkstille über den Astra." Als mittags die Nordschleife mal wieder gesperrt war, fuhr ich das Auto jedoch, und auch auf die Verdachtsgefahr hin, dass Opel mir auch einen Fuffi zahlt: Das Auto ist echt gut geworden.