Klartext: Die letzte Konsequenz

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Wahrscheinlich erlebe ich gerade dasselbe wie ein Interessent einer Renault Katja: Mir gefällt das in seiner ganzen Absurdität. Es sei Kunst. Es fährt auch nicht anders als die Erinnerung an einen Integra. Den Zweizylinder liebe ich, er klingt interessant und man kann ihn unter 3 Liter Verbrauch bringen. Das Doppelkupplungsgetriebe wird toll, wenn du dich darauf einlässst. Es lernt auch deine Schaltwünsche, gegeben per Wippeneingriff. Seine Geländeeignung entspricht der von Katjas Nischengenossen: Man kann dieselben Wege fahren wie mit jedem anderen Straßenfahrzeug auch, wird aber vielleicht häufiger dazu motiviert.

Arschbackenwackeln im Spessart

Die Motivation trieb mich einige der wenigen nicht verbotenen Waldwege des Spessarts entlang. Auf nassen Blättern über matschigem Erdreich zeigt der Roller das, was sich jeder denken kann: Das mit dem losen Untergrund gehört eher zur Präsentation des Fahrzeugs als seinen tatsächlichen Stärken. Ich zweifle, ob das Hinterteil der Holden des Signore Lucchesi die Schläge der X-ADV-Schwinge auf die Backen goutiert hätte. So weit wurde die Geschichte nicht erzählt. Vielleicht hat sie ein trauriges Ende: Danieles Idee für die Liebste – abgelehnt! Händewedeln! Wehgeschrei!

Nichts an der Geometrie passt irgendwie dazu, den Klotz von 240 kg im Glitsch zu fangen. Die Basis unten ist zu breit. Die Sitzposition zu passiv. Der Durchstieg hilft vielleicht sehr schlanken, beweglichen Personen beim Schieben aus einem Loch, in das er sich mit der nicht abschaltbaren oder einstellbaren Traktionskontrolle gegraben hat. Es gibt weit hinten sitzende Fußrasten zum im Stehen fahren als Zubehör (ohne steht es sich eher anstrengend-wackelig). Aber der Geländeroller bleibt einer, weil er es sein will; nicht, weil er diese Aufgabe irgendwie besonders gut könnte. Jeder alte Honda Super Cub (75 kg) hängt den X-ADV auf jeder etwas schwierigeren Piste jederzeit ab.

Das soll alles keine Kritik sein, sondern seine Empfehlung. Die typische Reiseenduro nimmt sich fürchterlich ernst. Hier! Schau meine Koffersysteme! Erzittere vor meinen Sturzbügeln, die mein 30-Liter-Fass schützen! Ich fahre an einem Tag durch Afrika und nachts zurück. Ich brauche nur eine Autobahn. Hondas X-ADV dagegen ist eine derart alberne Kreatur, dass man sie lieben muss. Sie nimmt (Absicht oder nicht) jeden Ernst aus dem sonst so bieder präsentierten Thema und gibt ihm einen lebensfrohen Kunst-Aspekt. Ich betrachte sie wie ein Katzen-mit-Gurken-Video auf Youtube und küre sie daher – all things considered – zur besten Reiseenduro des Jahres 2017. Wenn ich wieder einen Reiseenduro-Vergleich machen sollte: Sie sei mein Favorit. Und wenn ich wieder zum Fasching gehe auch.