Mit dem Strom

Klartext: Strom muss billiger werden

Für Verkehrs- und Energiewende wird überall gefördert, nur an den hohen Haushaltsstrompreisen dreht die Regierung nichts. Vielleicht wäre zumindest eine Ausnahme auf Fahr- und Heizstrom drin?

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Gerade fahre ich einen Audi Q5 55 TFSI e (Test folgt). Er kombiniert einen Reihenvierzylinder mit einem E-Motor, damit Flottenkunden weniger geldwerten Vorteil versteuern müssen (Volksmund: „0,5-Prozent-Regel“). Es gibt keinen anderen Grund, dass er das tut, denn er verbraucht trotz sehr milder Wintertemperaturen so viel Strom, dass es billiger ist, nur Benzin hineinzuschütten. Nun sind viele aktuelle Plugin-Hybride nicht besonders sinnvoll, doch sie zeigen ein Problem, das den Umstieg auf reine Elektroautos erschwert: Der Strom ist teuer in Deutschland.

Strom ist super, denn er ist flexibel. Wenn die Pläne der Regierung in Richtung Klimaschutz aufgehen sollen, ist Strom unser bester Freund. Wir können uns daheim mit Solarpanelen auf dem Dach an der Stromerzeugung beteiligen oder ihn zuhause in Batterien speichern. Gemeinden können Windparks genehmigen. Wenn doch jemand Fusionsenergie fertig entwickelt, können wir die als Strom ins Netz einspeisen. Und gerade beim Hoffnungsträger Strom schießt sich Deutschland am liebsten und häufigsten mit automatischen Schrotgewehren in die Füße, bis alles Brauchbare daran verschwunden ist.

Wirtschaft und Staat

Die Energiekonzerne sagen natürlich immer, dass sie nicht billiger liefern können. Sagen wir es so: Sie könnten das durchaus, sie haben nur kein Interesse daran. Im Gegenteil werfen Verbraucherschützer aktuell den Stromkonzernen vor, dass sie jetzt gerade die Strompreise erhöhen, wenn die Aufmerksamkeit sinkt, die sich ja am Jahreswechsel sammelt. Sie erhöhen ihre Preise zudem über die Erhöhung der Stromabgaben hinaus, es ist also eine Preiserhöhung mit Gewinnmargenerhöhung. Sie könnten durchaus anders vorgehen. In Dänemark und Portugal liegen die Abgaben auf Haushaltsstrom noch höher als in Deutschland. Dennoch liegen die Endkundenpreise pro kWh dort marginal niedriger. Und Portugal ist jetzt nicht wesentlich weniger korrupt als Deutschland.

Der größte Anteil am Strom liegt dennoch in staatlichen Abgaben. Das Gute daran: Staatliche Abgaben hat der Staat unter seiner Kontrolle. Er kann hier also sehr einfach fördern, wenn er will. 51 Prozent des Endkundenpreises machen Steuern und Abgaben aus. Der größte Posten: die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage) mit 6,756 ct/kWh (hat sich dieses Jahr erhöht). Dazu kommen in wesentlich niedrigerem Umfang Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Offshore-Anlagen-Versicherung, abschaltbare Lasten und Großkundenförderung.

Wer wenig hat, zahlt viel

Praktisch alle diese Dinge sind eine Umverteilung von unten nach oben. Privathaushalte zahlen Geld in Richtung Großindustrie und Kraftwerksbetreiber, um sie zum Bau entsprechend gewollter Anlagen anzuregen. Ein Stück weit sind solche unsozialen Effekte schwer zu vermeiden, wenn private Investitionen angeregt werden sollen. So krass wie bei uns ist es aber nicht überall. Zur Erinnerung: Industrieabnehmer mit einem Verbrauch von 2 bis 20 Millionen kWh / Jahr zahlen aktuell 15,6 Cent / kWh, privilegierte Größtabnehmer können übers Jahr auf unter 5 Cent kommen. Diese Preise sind in den vergangenen 7 Jahren um rund 25 Prozent gefallen, während die Haushaltsstrompreise um rund 40 Prozent gestiegen sind (Datenstand Bundesnetzagentur 2019).

Großabnehmer-Strompreise zeigen, wie einfach es politisch wäre, diese Umlagen zu reduzieren oder wegzulassen. Nun ist mir schon klar, dass Vattenfall mehr Lobby hat als die Bevölkerung, sonst wären wir ja nicht in dieser merkwürdigen Lage. Aber ein Kompromiss wäre doch schön: Der Staat könnte auf einzelne Elemente wie Fahrstrom und Heizstrom die Abgaben dramatisch reduzieren oder streichen, um diese Abnehmer zu fördern. Den Fahrstrom haben wir hier schon oft ausgiebig diskutiert. Beim Heizstrom denken Viele immer noch an alte Nachtspeicheröfen, Asbestklumpen horrender Ineffizienz, die allein durch ihren Namen den Wert deiner Immobilie in Grund und Boden bohren.

Wärmepumpen, Infrarotpanels, Umsatzsteuer

Das entspricht jedoch nicht der Neubau-Realität der vergangenen Jahre. Viele neue Häuser wurden mit Wärmepumpen als Heizung ausgerüstet, also einer Elektro-Heizung. Ökostrom drauf, fertig ist die gute Bilanz. Wenn alte Asbestklumpen modernisiert werden sollen, prüfen Gebrauchthauskäufer häufig auch Infrarotheizungen. Wer sie nicht kennt: Das sind elektrische Flächenheizungen, deren Strahlwärme dafür sorgen soll, dass man netto weniger Konvektionsheizung braucht.

Um das zu erreichen, müssen die Strahler schlau positioniert und fein geregelt werden, sodass die theoretisch besseren Verbrauchswerte in der Praxis meistens nicht wie erhofft erreicht werden, aber trotz des Verbrauchs: CO2-flexibel sind auch diese Stromheizungen. Hier bieten Energiekonzerne sogar häufig noch Heizstromtarife an, die zumindest rund 10 Cent günstiger liegen als der Haushaltsstrom (getrennter Zähler erforderlich). Es geht also offenbar.