Die DUH misst, Opel misst, doch der Staat kann nicht schlichten

Wozu noch Staat?

Die Deutsche Umwelthilfe um Jürgen Resch maß bei einem Opel Zafira im NEFZ stark erhöhte NOx-Werte, wenn auf dem Prüfstand vier statt zwei Räder gedreht wurden. Opel bestreitet. Wo sind staatliche Messungen?

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(Bild: DUH)

Von
  • Clemens Gleich
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Die "Deutsche Umwelthilfe" (DUH) um Jürgen Resch hat einen Opel Zafira mit dem 1,6-Liter-Euro-6-Diesel auf dem Prüfstand vermessen und veröffentlichte Ergebnisse, in denen im Vierradbetrieb die Schadstoffe deutlich höher liegen als im Zweiradbetrieb. Opel hielt schnell dagegen und maß mit dem TÜV zusammen, dass alles normal ist. Dazwischen stehen alle Beobachter mit Fragezeichen über den Köpfen. Denn was fehlt, ist ein Staat, der nicht nur dumm daherlabert, sondern die ihm zugemessene Macht ausübt und schlichtet – mit einer unabhängig eigenen Messung.

Denn die DUH ist keine Institution, die man pauschal den Guten (tm) zuschreiben möchte. Jürgen Resch ist ein Querulant im Wortsinn, also jemand, der deutsche Gerichte belastet, damit es ein Verfahren gibt, denn gibt es ein Verfahren, gibt es meistens auch eine Nachricht in der nach jedem Bröckchen schnappenden KFZ-Presse. Aber bei allen Vorbehalten, die ich gegen ihn hege: Herr Resch hat das Richtige getan und ein normales Auto einmal protokolliert im NEFZ nachgemessen. Dafür gebührt ihm ein "Danke", das ich ihm gerne gab. Die Ergebnisse der Messungen (auf der DUH-Meldungsseite ganz unten als PDF-Links) sehen in der Tat merkwürdig aus. Herr Resch hat mittlerweile weiter nachgeforscht, ob die Werte des Zafira am ungewöhnlich niedrigen Adblue-Verbrauch liegen, den ihm Fahrer dieses Modells mitteilten.

Die DUH bat Opel um einen Kommentar, der natürlich entrüstet ausfiel: SELBSTVERSTÄNDLICH alles falsch. Es irritiert mich ein bisschen, dass Opel immer schreibt "die von GM entwickelte Software", weil das ein verbales Hedging für den GAU sein könnte: Das haben alles die Amis gemacht, wir wussten doch von nichts! Wir kennen das in umgekehrter Richtung von Volkswagen USA, die alles auf Wolfsburg schoben. Schnell folgte noch eine kurze Meldung, in der Opel "zusammen mit dem TÜV Hessen" auf einem Vierrollenprüfstand einen Zafira nachmaß: alles okay.