Der unvergessene Lamborghini Miura wird 50

Herzliche Detonation!

Ein Auto, das als Ohrfeige gedacht war, der Lamborghini Miura, feiert dieses Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag. Übrig bleiben diverse Pleiten, ein Wein und die Legende des Ferruccio Lamborghini

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Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Egos ist ein geradliniger Satz. So wie dieser: „Du verstehst es vielleicht, einen Traktor zu fahren, aber einen Ferrari wirst du nie zu behandeln wissen.“ Abgefeuert von Enzo Ferrari, detoniert an Ferruccio Lamborghinis Kopf. Der Hintergrund ist so legendär wie der Satz selbst:

Lamborghini, Jahrgang 1916, war ein so begeisterter Mechaniker, dass er im Stall seiner Eltern eine Werkstatt einrichtete … und ihn wenig später bei Schweißarbeiten versehentlich niederbrannte. Er wurde daraufhin, wahrscheinlich mit einer Handvoll Backpfeifen im Gepäck, auf die Technische Lehranstalt nach Bologna geschickt. Eine Karriere, die jäh vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde. Wenn auch sonst nicht Gutes passierte, so konnte in dieser Zeit wenigstens sein mechanisches Talent reifen. Wieder in seiner Heimat angekommen, gründete er „Lamborghini Trattori“. Mit den Wracks, die der Krieg auf den Feldern zurückgelassen hatte, mobilisierte er ab 1949 die Landwirtschaft seines Heimatlandes.

Warten um zu richten

Ab 1953 baute er eigene Motoren, ein paar Jahre später hatte er 4000 Angestellte und keinerlei Zukunftssorgen mehr. Die Garage füllte sich mit diversen Maseratis, Aston Martins, Jaguars und Ferraris. Letztere waren, so will es die Legende, seine Lieblingsautos. Das einzige Problem: die Verarbeitung war letztklassig und die Kupplungen unterdimensioniert. Der passionierte Mechaniker kümmerte sich um die Probleme, pimpte die Motoren mit Weber-Vergasern und verbrachte seine Zeit fortan auf der Autobahn bei Modena. Dort wartete er auf die neuesten Ferrari-Testwagen, um sie gnadenlos zu richten.

Stolz, wie er auf sein Werk war, wollte er alle Ferrari-Kunden an diesen Verbesserungen teilhaben lassen. Also berichtete er sie „Il Commendatore“ persönlich. Enzo Ferrari platze, wie eingangs erwähnt, der Kragen ob dieser Frechheit. Auch Ferruccio Lamborghini war beleidigt bis aufs Blut und schwor, dass er bessere Sportwagen bauen könne und werde. 1963 spuckte er Ferrari den 350 GTV vor die Füße. Aus 3,5 Liter Hubraum, verteilt auf zwölf Zylinder, kitzelte der Wagen 360 PS. Sechs Weber-Doppelvergasern sei Dank. Lamborghini? Stolz. Ferrari? Theoretisch gedemütigt, praktisch aber erleichtert. Der 350 GTV war nämlich hässlich wie die Nacht dunkel. Es folgten ein paar Irrungen, Wirrungen und Evolutionsschritte, die Namen trugen wie 350 GT, 400 GT und dessen 2+2-Version. Zwar waren sie alle der Ferrari-Konkurrenz überlegen, aber nicht wirklich beliebt. Seelenlose Besserwisser. Es fehlte an Würze.