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Lifestyle aus China

Lynk & Co stellt erstes Modell 01 auf Volvo V40-Basis vor

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Der chinesische Automobilproduzent Geely stellt ein Mittelklasse-SUV vor, das nach China auch Europa erobern soll. Das Fahrzeug basiert auf der Technik des Volvo V40, zeigt in etwa die Proportionen des Porsche Macan, sonst aber sehr eigenständige Design-Merkmale

Göteborg, 26. Oktober 2016 – Der chinesische Automobilproduzent Geely stellt ein Mittelklasse-SUV vor, das nach China auch Europa erobern soll. Es zeigt in etwa die Proportionen des Porsche Macan, sonst aber sehr eigenständige Design-Merkmale. Das Interieur dominieren große TFT-Bildschirme nach Vorbild des Tesla S. Antriebsstrang und Fahrwerk stammen von Volvo, die modernen Fahrerassistenzsysteme von der Zulieferindustrie.

Die neue Marke „Lynk & Co“ soll Weltautos hervorbringen, die den etablierten Autoherstellern das Wasser abgraben sollen, sagt Alain Visser, Vizepräsident der neuen Marke stellvertretend für seine Mitarbeiter, die überwiegend von Volvo, Saab und GM stammen. Sie seien von der Verve der Silikon Valley Generation inspiriert und von der Dynamik chinesischer Veränderungsprozesse. Zudem seien sie dem deutschen Präzisionsanspruch und schwedische Sicherheitsempfinden verpflichtet. Große Worte.

Das moderne Hauptquartier der Geely Holding steht in der chinesischen Millionenstadt Hangzhou, etwa 2,5 Autostunden südlich von Shanghai. Die Marke begann 1986 Kühlschränke und Motorräder zu bauen und produziert heute jährlich mehr als zwei Millionen Autos für automobile Einsteiger. 2013 kaufte die chinesische Holding die Mehrheit am legendären britischen Unternehmen „London Taxi Company“, das die berühmten black cabs herstellt. 2010 hatte Geely den schwedischen Autohersteller Volvo übernommen und zu neuem, wachsendem Erfolg geführt. Hier dockt Lynk & Co nun an.

Auf Volvo-Basis

Noch ist Lynk & Co eine virtuelle Marke. Ihre Produkte werden am Volvo-Standort in Göteborg bei China Euro Vehicle Technology, kurz CEVT, entwickelt, das der ehemalige Saab-Entwicklungschef Mats Fägerhag leitet. Das Labor gründeten die Chinesen 2012 für markenübergreifende Automobil-Entwicklungen. Sein erstes großes Project ist die skalierbare und modulare Plattform CMA (Compact Modular Architecture) für die automobilen C- und D-Segmente. Volvo nutzt sie mit den V40 und XC40 der nächsten Modellgeneration, Lynk & Co nun zunächst für das Modell 01, dem weitere Derivate folgen sollen.


Während das Modell 01 ab Ende 2017 zunächst nur für China gefertigt werden soll, müssen sich europäische Interessenten bis 2018 gedulden. Das SUV wird vorerst nur als Fronttriebler mit Vierzylinder-Ottomotoren (110 kW/150 PS und 144 kW/197 PS) angeboten. Für Europa sei ein Diesel geplant, sowie ein Plug-in Hybrid aus dem von Volvo bekannten 1,5-l-Dreizylinder-Turbo-Benzinmotor mit 138 kW/180 PS und einem 88 PS/65 kW starken Elektromotor. Die im Mitteltunnel verbauten Akkus speichern bis zu 9,7 kWh Strom, der rein elektrisches Fahren bis zu 50 Kilometern erlaubt. Beide Motoren wirken auf ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, wodurch auch im E-Modus bis zu vier Übersetzungen zur Effizienzsteigerung genutzt werden können. Eine rein elektrisch getriebene Version soll später kommen, heißt es.

Die Hardware soll Volvo entwickeln

Die Antriebskompetenz bleibe bei Volvo, den Markenkern von Lynk & Co sieht Mats Fägerhag mehr im Bereich der Konnektivität. So soll der 10 Zoll große Infotainment-Bildschirm in der Mittelkonsole so umfassend individualisiert werden können wie ein Smartphone. Bereits das Model 01 werde mit Passagieren und deren Zuhause total vernetzt sein. Zudem soll jeder Lynk & Co app-gesteuert nach dem Carsharing-Prinzip von mehreren Nutzern gefahren werden können. Lynk & Co will seine Fahrzeuge auch C2C vernetzen, um sie Information zum Verkehrsgeschehen austauschen lassen zu können.

Zudem werde die neue Marke innovative Vertriebswege beschreiten. Es gebe nur noch Service-Stützpunkte zur Kundenbetreuung, wo die Autos auch angefasst werden können. Doch gekauft werden sollen die Autos über das Internet. Schon Ende nächsten Jahres werden die Chinesen über die Internet-Plattform Alibaba diese Möglichkeit bekommen, gewartet wird ihr Lynk & Co dann in Volvo-Werkstätten. Mitarbeitern holen ihn bei Kunden ab und bringen ihn wieder zurück. Es gibt vier Ausstattungslinien – basta. „Unsere Autos sind voll ausgestattet“, kündigt Alain Visser an und verspricht Preise unterhalb von Volvo sowie eine umfassende Produkt-Garantie.


Gebaut werden soll das jetzt in Göteborg vorgestellte SUV in China, irgendwo an der Ostküste, wie es heißt. Was den Schluss nahelegt, dass Lynk & Co als chinesische Marke firmiert. Dem widerspricht Chefdesigner Peter Horbury: „Wir sind eine nordeuropäische Marke. Unsere Markenidentität wächst in den Studios Shanghai, Los Angeles, Barcelona und Göteborg.“

„Wir sind eine nordeuropäische Marke“

Braucht die Welt eine neue Automobilmarke? Die Frage verneint sogar Geely-Präsident An Conghui, weist aber umgehend daraufhin, dass Lynk & Co keine Autos im traditionellen Sinne anbiete, sondern für eine neue Mobilitätsform stehe. Ob das ein Modell für den gesättigten europäischen Automobilmarkt sein kann, bleibt fraglich. Eher wohl im preissensiblen Nordamerika und den Schwellenländern. Vieles wird vom Erfolg im wachsenden Markt Chinas abhängen, wo neue Automobilmarken besonders heftig strampeln, wie Qoros und Borgward aktuell zeigen.


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