Fremdselbstzünder

Mazda baut ab 2019 Benziner mit Kompressionszündung

Vielleicht nicht zufällig erinnert Mazda heute, zum Höhepunkt der sogenannten Dieselkrise daran, dass man weiterhin das Projekt eines Verbrennungsmotors mit homogener Ladung verfolgt. Der Motor wird Selbst- und Fremdzündung kombinieren. Zum Serienanlauf hat sich Mazda nun auf 2019 festgelegt

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Mazda baut ab 2019 Benziner mit Kompressionszündung 9 Bilder
Von
  • Florian Pillau
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Vielleicht nicht zufällig erinnert Mazda heute, zum Höhepunkt der sogenannten Dieselkrise daran, dass man weiterhin das Projekt eines Verbrennungsmotors mit homogener Ladung verfolgt. Immerhin ein technisches Detail scheint nun festzustehen – der Motor wird Selbst- und Fremdzündung kombinieren. Zum Serienanlauf hat sich Mazda nun auf 2019 festgelegt. Darüber hinaus hält man sich weiterhin ziemlich bedeckt.

Nach dem Abgasbetrug durch die Volkswagen AG und die sich langsam bis in ihre eigenen Marken und andere Hersteller durchfressenden Folgen geschieht Eigenartiges: In so gut wie allen Zeitungen und Magazinen liest man, dass der Dieselmotor nicht mehr zeitgemäß sei. „Dieselkrise“ allerorten, als läge es an Brennverfahren oder Abgasentgiftung statt an einer betrügerisch gestalteten Motorsteuerung und in krimineller Weise auf das billigste Minimum reduzierten Abgasnachbehandlung. Dabei ist klar, dass man schon vor zehn oder 15 Jahren die Motoren so hätte entwickeln können, dass sie die strengen (aber leider nicht streng genug kontrollierten) gesetzlichen Vorgaben weit hätten unterbieten können.

Ottomotoren sind in der Produktion zwar günstiger, eignen sich aber um runde 15 Prozent schlechter bei der Erfüllung der Verbrauchsvorgaben (gemessen im CO2-Ausstoß). Das wäre an sich kein Problem, wenn man mehr Autos mit weniger Leistung verkaufen würde. Doch hat es die Industrie über Jahre vorgezogen, die Konsumenten zu immer mehr Leistung in immer schwereren Autos zu erziehen, weil man damit leichter Geld verdienen kann.

Volvos netter Marketing-Versuch

Bis zu einer flächendeckenden und weniger umweltschädlichen Elektromobilität ist es trotz aller von den Medien geschürten Euphorie aber noch viel zu weit als dass wir mit den bestehenden Motoren weitermachen könnten. Wir müssen sie sogar noch weiterentwickeln. Der „Ausstieg“ aus der Dieselmotorenentwicklung, den Volvo kürzlich verkündet hat, muss man als netten Marketing-Versuch einordnen. Volvos Selbstzünder sind brandneu und damit eine prima Basis für rund zwanzig weitere Jahre. Während dieser Zeit wird Volvo sie allerdings sehr grundlegend den kommenden Gegebenheiten anpassen müssen. Das beginnt bereits übermorgen mit weiteren Vorschriften durch die aktuelle Abgasnorm.

Warum machen die Hersteller das? Weil sie durch die mit der Politik abgesprochenen Normen, einem Schauspiel zur Beruhigung des Publikums, preisgünstige Übergangszeiten zur Anpassung ihrer Produkte bekommen. Tatsächlich ist der so gut wie schadstofffreie Dieselmotor bereits heute darstellbar. Nur eben zu teuer für Konzerne, die vor allem dem Shareholder-Value verpflichtet sind.

Mazda schlägt schon länger einen Weg vor, der angesichts dieser Misere geradezu verführerisch einfach erscheint. Wie ein Ausweg, wie Licht am Horizont. Mit einem homogenen Brennverfahren könnte man den Verbrauchsvorteil eines Dieselmotors erreichen. Gleichzeitig könnte man aber größtenteils auf die teure und komplizierte Abgasnachbehandlung verzichten.

Offenbar ist Mazda nun zwar ein weiterer Schritt auf diesem Weg gelungen, das allein ist elektrisierend genug. Allerdings – und das kühlt die Euphorie wieder ab – ist in der heutigen Pressemitteilung weiterhin von Otto- und Dieselmotoren die Rede. Darin angekündigt wird die Einführung einer neuen Motorengeneration namens Skyactiv-X für 2019. Dabei handelt es sich um den „weltweit ersten Serien-Benzinmotor, der wie ein Dieselmotor mit Luftüberschuss und Kompressionszündung arbeitet“. Viel Luft lässt dann gleich noch der folgende Satz raus: „Darüber hinaus wird Mazda den Dieselmotor weiterentwickeln (nächste Generation Skyactiv-D ab 2020)“. Dass „ab 2019 stufenweise teil- oder vollelektrische Fahrzeuge“ folgen sollen, nimmt man schon nicht mehr wahr, denn das hat ja nun jeder Hersteller spätestens unter dem Druck der öffentlichen Erwartung angekündigt.

Diesel-Selbstzünder neben Otto-Selbstzünder?

Dass nun bald Skyactiv-X und die nächste Generation Skyactiv-D nebeneinander produziert werden sollen, ist ein Hinweis darauf, dass es Mazda noch nicht gelungen ist, das Ideal des homogenen Brennverfahrens zu erreichen. Dann hätte man nämlich einen Motor „jenseits von Otto und Diesel“ und bräuchte nicht weiterhin zwei verschiedene Prinzipien. Nun könnte der Einwand kommen, dass wir nun mal eine Infrastruktur haben, die zwei auf die traditionellen Brennverfahren zugeschnittene Kraftstoffe anbietet. Möglicherweise laufen tatsächlich bereits theoretisch serientaugliche HCCI-Motoren bei Mazda – doch wenn, dann wären sie wohl noch auf einen synthetischen Kraftstoff angewiesen, der so noch nicht an den Zapfstellen ausgeschenkt wird. Theoretisch soll das Brennverfahren aber mit beiden Kraftstoffen funktionieren. Vielleicht werden wir uns auf einige Jahre mit Diesel- und Benzin-HCCI einstellen müssen.