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Mercedes: Gewinneinbruch und Sparvorhaben

2019 war für Mercedes kein gutes Jahr, trotz Absatzrekord. Nun soll heftig gespart werden, vorrangig bei Personal und Modellpalette. Daimler bleibt nichts anders übrig, denn vor dem Konzern liegen riesige Investitionen und die Abarbeitung von Altlasten.

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Mercedes will sein Angebot ausdünnen. Das Cabrio der Mercedes S-Klasse könnte davon betroffen sein.

(Bild: Mercedes)

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In Stuttgart legt Daimler am Dienstag (11. Februar 2020) die Jahresbilanz vor. Dass die nicht sonderlich gut ausfallen wird, hatte der Konzern schon angekündigt. Unter dem Strich blieben im vergangenen Jahr nur noch 2,4 Milliarden Euro übrig, wie der Konzern in Stuttgart mitteilte. 2018 war das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis noch dreimal so hoch, obwohl es auch damals schon heftig abgesackt war. Zwar konnte Daimler den Umsatz mit 172,7 Milliarden Euro noch leicht ausbauen - auch weil die Kernmarke Mercedes-Benz das Jahr erneut mit einem Absatzrekord abschloss. Ein riesiger Kostenberg frisst aber einen Großteil des Gewinns gleich wieder auf.

Kostenberg

Einem Absatzrekord im Pkw-Geschäft bei Mercedes-Benz mit rund 2,34 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr steht bei Daimler nicht nur eine nachlassende Konjunktur im Lastwagengeschäft gegenüber. Ein enormer Kostenberg drückt auf den Gewinn. Der Konzern muss Milliarden investieren, um seine Elektroautos auf die Straße zu bringen – vor allem, um die verschärften CO2-Grenzwerte einhalten und Strafzahlungen vermeiden zu können. Beim Mercedes EQC sorgten Probleme mit einem Bauteil aber dafür, dass nicht so viele Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten wie geplant.

Auch die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren kostet trotz Partnerschaften mit anderen Branchenriesen wie BMW und Bosch Milliarden. Daimler-Chef Ola Källenius hält an den Projekten fest. Besonders teure Visionen wie das „Robotaxi“, die seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit deutlich mehr Geld verschlingen werden als sie einbringen können, hat der Schwede auf der Prioritätenliste aber weit nach hinten geschoben.

Für Rückrufe und Verfahren in Zusammenhang mit dem Abgasbetrug weltweit hatte Daimler schon im vergangenen Sommer rund 1,6 Milliarden Euro auf die Seite gelegt. Erst vor knapp drei Wochen hatte der Konzern dann aber einräumen müssen, dass die Rechnung nochmal um 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro länger werden wird. Die Behörden werfen Daimler vor, in diversen Diesel-Modellen eine unzulässige Abschalteinrichtung in die Steuerung der Abgasreinigung eingebaut zu haben. Der Konzern bestreitet das, hält sich aber an die Rückrufe und hat schon bei Hunderttausenden Fahrzeugen Softwareupdates installiert.

Verschärftes Sparprogramm

Laut Handelsblatt plant Källenius deshalb, sein im November angekündigtes Sparprogramm noch zu verschärfen und beim Personal deutlich mehr als die bisher genannten 1,4 Milliarden Euro bis Ende 2022 einzusparen. Bis zu 15.000 Stellen sollten weltweit gestrichen werden. Bislang war immer von mindestens 10.000 die Rede gewesen. Allerdings hatte Daimler selbst diese Zahl nie genannt, sondern nur einmal von einer „niedrigen fünfstelligen Zahl“ gesprochen. Auch die neue Zahl wollten weder der Konzern noch der Betriebsrat kommentieren.

Außer den Personalkosten will Källenius auch die Materialkosten deutlich senken und zudem die Investitionen deckeln, die Modellpalette ausdünnen und sich in den einzelnen Segmenten stärker auf die Fahrzeuge mit den höchsten Gewinnspannen konzentrieren. Laut Handelsblatt ist das Aus für einige Modelle, unter anderem das Cabrio der S-Klasse, bereits beschlossen. Das Ende der X-Klasse, eines erst 2017 auf den Markt gebrachten, aber hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Pick-up-Modells, steht schon fest.

Zudem hat sich der Vorstandschef den Analysten und Branchenexperten Max Warburton als Berater an die Seite geholt. „Ich habe ihn beauftragt, Wege zu finden, um unseren Fokus zu schärfen, unsere Entscheidungsfindung zu beschleunigen, unsere Strategie zur Elektrifizierung zu beschleunigen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, sagte Källenius. Der Brite soll im März 2020 bei Daimler beginnen.

Erfahrungen beim Sparen

Mehrfach hatte Källenius die Erwartungen in den Monaten seit seinem Amtsantritt nach unten korrigiert und zudem im November 2019 ein Sparpaket auf den Weg gebracht. Der Konzern hat mit riesigen Sparpaketen schon Erfahrungen sammeln können. Anfang der 2000er-Jahre musste Daimler die unglückliche Fusion mit Chrysler heilen. Auf die Sparanstrengungen folgten Qualitätsprobleme bei der Kernmarke Mercedes, dessen Beseitigung den Konzern lange beschäftigten. Ab der 2007 vorgestellten C-Klasse (W204) ging es qualitativ wieder aufwärts. Bei Daimler wird man sich hoffentlich gut überlegen, ob man diesen beschwerlichen Weg nochmals beschreiten will.

(dpa) / (mfz)