Moto Morini baut sein Programm aus

Die Bezeichnung Scrambler passt

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Die Resonanz auf der EICMA und im Internet war durchweg positiv und, auch wenn Moto Morini noch keinen Preis für die Seiemmezzo genannt hat, könnte sie sich gut verkaufen, vorausgesetzt sie siedeln den Preis nicht zu hoch an.

Eine Basis, zwei unterschiedliche Modelle

Das zweite heiße Eisen in der Mittelklasse nennt Moto Morini X-Cape, ein kleines Wortspiel mit „escape“ wie „entkomme dem Alltag“. Die Reiseenduro scheint auf den ersten Blick kaum etwas mit der Seiemmezzo zu tun zu haben, und doch sind Motor, Rahmen, Auspuff, Schwinge, Felgen und Reifen identisch. Sie wirkt deshalb so anders, weil sie eine hoch aufragende Verkleidung bekam, einen großen Tank und eine breite Sitzbank mit soliden Haltegriffen für den Sozius. Tatsächlich vermutet man bei der X-Cape auch mehr Hubraum als 650 Kubikzentimeter wie seit über einem Jahrzehnt sehr erfolgreiche Suzuki V-Strom 650.

Längere Federwege für die Enduro

Natürlich sind die Federwege an der X-Cape länger als an der Seiemmezzo, vorn 160 statt 135 Millimeter und hinten 135 statt 125 Millimeter. Das ist für eine Enduro zwar immer noch nicht viel, aber dafür ist die Upside-down-Gabel voll einstellbar, das hintere Federbein in der Vorspannung und Zugstufe. In der Fahrwerksgeometrie differiert sie leicht im Vergleich zur Seiemmezzo: Der Lenkkopfwinkel steht mit 64,5 Grad um ein Grad steiler, der Nachlauf ist mit 120 Millimeter um zehn und der Radstand mit 1480 Millimeter um zwei Zentimeter länger. Über das Gewicht der X-Cape schweigt sich Moto Morini aus, es werden aber vermutlich um die 210 Kilogramm sein. Ihre Ausstattung ist zeitgemäß mit LED-Beleuchtung rundum, farbigem TFT-Display, manuell einstellbarem Windschild und aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit verschiedenen Fahrmodi, wobei letzteres vom Hersteller noch nicht bestätigt wurde. Mit einem Produktionsstart der beiden Mittelklasse-Motorräder ist wohl erst Ende 2020 zu rechnen.

Der neue Star von Moto Morini

Der eigentliche Star es Moto Morini-Stands auf der EICMA war die Super Scrambler 1200. Sie greift auf den seit 2006 gebauten und stetig weiterentwickelten V2 zurück. Damals machte der Corsaro 1200 mit satten 140 PS und 123 Nm mächtig Dampf. Allerdings war die Corsaro für ihre schlagartig einsetzende und schwierig zu dosierende Gasannahme berüchtigt, was sich auch bei der später folgenden Einspritz-Version nicht änderte. Erst als die Leistung für die Corsaro 1200 ZT und Milano 1200 auf 116 PS zurückgenommen wurde, stellte sich Besserung ein. Nun ermöglichen ihre immer noch satten 108 Nm Drehmoment eine schaltfaule und entspannte Fahrweise. Es gab zwar bis 2016 schon mal eine Scrambler 1200 von Moto Morini, die aber mit dem neuen Modell nur noch den Namen und den überarbeiteten V2-Motor gemeinsam hat.

Immerhin kein Etikettenschwindel

Die Super Scrambler 1200 basiert auf der Milano 1200 und variiert das Thema zumindest optisch in Richtung Gelände. Sie bekam Drahtspeichenfelgen, Enduroreifen, eine gelochte Blende unterhalb der Sitzbank und zwei über dem Doppel-Endschalldämpfer. Ein höherer und breiterer Lenker sowie ein winziges Windschild zieren die Front oberhalb des runden LED-Scheinwerfers.

Die Federwege wurden jedoch nicht verlängert, womit sie auch nicht geländetauglicher als die Milano sein dürfte. Zumindest ist das kein Etikettenschwindel, denn Morini nennt sie nicht Enduro sondern Scrambler. Diese Vorläufer der Enduros in den 60er-Jahren waren ursprünglich auch nicht mehr als auf andere Reifen umgerüstete Straßenmaschinen mit hochgelegtem Auspuff.

Moto Morini gibt nur 202 Kilogramm Leergewicht an, was in Anbetracht der angeblichen 208 kg der Milano 1200 unwahrscheinlich klingt – die Scrambler-Variante müsste schon wegen der Drahtspeichenfelgen mehr wiegen als die Gussfelgen-Version. Für die Super Scrambler 1200 ruft Moto Morini 15.300 Euro auf. Ein ambitionierter Preis, wenn man bedenkt, dass es die nicht minder schöne Triumph Scrambler 1200 XC (Test) schon für 13.550 Euro gibt.