Ausschlussverfahren

Motorrad des Jahres 2019

2019 neigt sich dem Ende zu und ich blicke auf die Vorstellungen und -tests bei heise Autos zurück. Mein persönliches „Motorrad des Jahres“ zu küren fällt mir nicht leicht. Dabei spielen neben den Fakten auch viele subjektive Eindrücke eine Rolle. Über das Jahr gabe einige Favoritinnen, „die eine“ fand ich erst im Herbst

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Inhaltsverzeichnis

2019 neigt sich dem Ende zu und ich stelle rückblickend fest, dass viele schöne und interessante Motorräder bei heise Autos vorgestellt wurden. Wir haben einige neue Modelle auf Motor und Fahrwerk getestet, tausende Kilometer abgespult, sie über Landstraßen chauffiert, über Autobahnen gescheucht und durch Innenstädte gequält. Natürlich wollten wir nicht nur die PS-Boliden und die hyperteuren Bikes vorstellen, sondern auch die günstigen Einsteigerbikes, ansprechende Modelle aus der Mittelklasse und ausgesprochene Spaßmacher. Wenn ich nun mein persönliches „Motorrad des Jahres“ küren sollte, fällt mir das nicht leicht. Bei der Beurteilung eines Motorrads spielen neben den harten Fakten eben auch viele subjektive Eindrücke eine entscheidende Rolle. Über das Jahr schwankte ich ständig, was die Favoritin anging und fand sie erst im Herbst.

Die Meiste

Ich hätte mir die Wahl zum Motorrad des Jahres natürlich einfach machen können: Dann gewinnt das meistverkaufte Motorrad, das wäre sozusagen die demokratische Mehrheitsentscheidung. Damit hätte die neue BMW R 1250 GS (Test) mit Riesenvorsprung gewonnen und die große Reiseenduro mit dem Boxermotor wäre mal wieder allen enteilt. Ich habe sie im Frühjahr getestet und kann der beliebten Bayerin attestieren, in der Summe ihrer Eigenschaften eigentlich unschlagbar zu sein. Das ist das Geheimnis ihres Erfolgs. Zumal sie jetzt über eine variable Ventilsteuerung verfügt, die ihr noch mehr Power verleiht (was nicht nötig gewesen wäre) und eine noch weichere Gasannahme zulässt. Die GS nähert sich der Perfektion, doch genau das macht sie auch fast schon ein bisschen langweilig. Ihr größter Fehler ist aber ausgerechnet ihre Beliebtheit: Sie steht an jeder Straßenecke und tummelt sich zu Tausenden auf den Landstraßen. Im Sommer gibt es Alpenpässen, wo die Verkehrsdichte fast 100 Prozent BMW GS annimmt. Wer etwas Besonderes will, sollte also auf keinen Fall zur Boxer-Enduro greifen. Damit kommt sie für meine persönliche Wahl zum Motorrad des Jahres schon mal nicht in Frage.

Die Stärkste

Oder ich könnten das stärkste dieses Jahr von mir gefahrene Motorrad küren, das wäre eindeutig die Ducati Panigale V4 S (Test) mit sagenhaften 214 PS und der Beschleunigung einer Bodenrakete. Mit einem zum Niederknien schönen Design, wie es wahrscheinlich nur Italiener zeichnen können. Ein semi-aktives Öhlins-Fahrwerk und Brembo-Stylema-Bremsen ließen keine Wünsche offen. Zudem erwies sich ihr 1103-Kubikzentimeter-V4-Motor als verblüffend manierlich – was man von der Vorgängerin mit dem V2 wirklich nicht behaupten konnte.

Die Panigale V4 S ließ sich entspannt im vierten Gang durch die City dirigieren, ohne dass der Motor ruckelte und bockte. Doch, wehe, wenn der Gasgriff aufgedreht wurde! Die Ducati beamte sich in einem Wimpernschlag über die Tempo-100-Marke, raste und röhrte wie ein wütender Stier immer weiter und erst bei 299 hörte der Tacho auf mitzuzählen. Ein Erlebnis, das man nicht mehr vergisst.