Weniger und mehr

Neuvorstellung BMW F 900 XR

Ein kleinerer Ableger nach dem Vorbild der BMW S 1000 XR verspricht bessere Fahrbarkeit zu einem günstigeren Preis. Mit dem bewährten, auf 900 ccm vergrößerten Reihen-Zweizylinder soll sie nun in der Leistung mit ihrem Umfeld mithalten können.

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(Bild: BMW)

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Die BMW S 1000 XR verkauft sich seit Jahren erstaunlich gut. Das Konzept besteht aus der Verbindung des bärenstarken Vierzylindermotors aus dem Superbike S 1000 RR mit dem Fahrwerk eines Sporttourers und der Optik einer Reiseenduro. Dafür sind 165 PS eigentlich zu viel, die Abstammung von einem reinen Sportmotor mit einer Maximalleistung erst bei 11.000/min war auch in der XR jederzeit zu spüren. Mehr Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen statt der hohen Leistungsspitze hätte der Fahrbarkeit gedient. So soll es nun die F 900 XR können.

Eigentlich eine moderne Supermoto

Die Marketingabteilung von BMW bezeichnet sie als Adventure Sport, was die Sache aber nicht wirklich trifft. Im Gegensatz zu einer GS hat sie keinerlei Ambitionen auf Gelände. Das wollten die Entwickler auch gar nicht, denn sie versahen die F 900 XR mit zwei 17-Zoll-Gussfelgen und Straßenreifen. Die Räder sind identisch mit dem Schwestermodell F 900 R, einem Naked Bike. Doch die XR verfügt über etwas mehr Federwege, vorne sind es 170 und hinten 172 Millimeter. Damit ist sie eigentlich eine moderne Interpretation einer Supermoto.

Der Motor ist weitestgehend mit dem der F 850 GS und F 750 GS (Test) identisch, kommt aber mit zwei Millimeter mehr Bohrung auf 895 Kubikzentimeter. Mit den Schmiedekolben steigt die Verdichtung auf 13,1:1. Das wassergekühlte Aggregat bringt es auf 105 PS bei 8500/min und 92 Nm bei 6500/min. Mit dem 270-Grad-Hubzapfenversatz erinnert der Klang des Reihenzweizylinders ein wenig an einen V2, zwei Ausgleichswellen kämpfen gegen Vibrationen. Bei einem angegebenen Spritverbrauch von 4,2 Liter auf 100 Kilometer ergibt sich für die F 900 XR eine theoretische Reichweite von 370 Kilometern.

Die Leistung sollte genügen

Die 105 PS der F 900 XR entsprechen der Leistung der ersten R 1200 GS von 2004, auch wenn sie in Deutschland meist in der gedrosselten 98-PS-Version zugelassen wurde. Damals empfand man die Boxer-Enduro als kräftig, und so dürfte die Leistung heute in der deutlich leichteren F 900 XR wohl auch ausreichen. Die 900er wiegt laut BMW leer 219 kg und soll von null auf hundert in 3,6 Sekunden spurten. Als Höchstgeschwindigkeit wird „über 200 km/h“ angegeben – es werden vermutlich rund 220 km/h sein. Die F 900 XR wird es auch in einer 95-PS-Version geben, damit sie für Führerscheinneulinge auf 48 PS gedrosselt werden darf. Allerdings wird man diese Version später nicht auf die vollen 105 PS entdrosseln können.

Da stellt sich die Frage, warum BMW überhaupt den Aufwand mit einer Hubraumerhöhung betrieben hat, denn die Enduro F 850 GS ist gerade zwei Jahre alt und leistet auch 95 PS. Die Antwort steht bei der Konkurrenz im Schaufenster. Während in der Mittelklasse etliche Reiseenduros wegen des Stufenführerscheins 95 PS haben, sind Naked Bikes und Sporttourer wie die KTM 790 Duke und Yamaha 900 Tracer mit deutlich über 100 PS unterwegs. BMW wollte den Rivalen auf Augenhöhe begegnen und entschloss sich, der F 900 R und der F 900 XR mehr Power zu geben.