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Vorn in the USA

Neuvorstellung des Toyota Camry

Würden die USA nicht mehrheitlich Pick Ups fahren, die hier alle nur Trucks nennen, wäre der Toyota Camry die unangefochtene Nummer eins. Doch auch so langt es immer noch zu Platz vier der Verkaufsstatistik – gleich hinter den Pritschenwagen für die Landbevölkerung [1]. Mit beidem, dem Hang zu ruralen Arbeitsgeräten und der beständigen Neigung zum Toyota Camry erweist sich der Amerikaner als Pragmatiker: Langeweile oder dröges Design hält ihn nicht von diesen Präferenzen ab, Hauptsache das Auto funktioniert und hält.

2016 verkaufte Toyota in den USA 388.616 Camry. Damit wurde der Wagen einmal mehr zur meistverkauften Limousine der USA. Einst war der Toyota Camry strahlender Stern der amerikanischen Mittelklasse. Seine Sechszylinder hatten einen Ruf wie Donnerhall. Der Camry war dem Amerikaner das, was in unseren Breiten ein VW Golf oder klassenmäßig gesehen ein Passat ist: ein wegen breitestmöglich angelegter Konsensfähigkeit alles andere als begeisterndes Auto ohne echte Schwächen.

Der Hybridantrieb dominiert

In den letzten zehn Jahren gehörte das Mittelklassemodell durchgängig zu den meistverkauften Autos der Vereinigten Staaten und war 15 der letzten 17 Jahre die meistverkaufte Limousine. Doch die Zeiten, in denen der Toyota Camry insbesondere durch seinen ausgewogenen Sechszylinder von sich reden machte, sind vorbei. Der 3,5 Liter große Sechszylinder ist zwar noch erhältlich, doch längst gibt der Hybridantrieb den Ton an.

Im Vergleich zum Vorjahr verlor der Toyota Camry 2017 knapp zehn Prozent seiner Verkäufe. Ein Grund, weshalb Toyota Marktanteil in den USA von 14,3 auf 14 Prozent fiel. Mittlerweile scheinen die Toyota-Verantwortlichen erkannt zu haben, auch mit dem Bestseller etwas mehr riskieren zu müssen. Schließlich liegt das Durchschnittsalter der Camry-Fahrer bei 64 Jahren und 52 Prozent der Toyota-Modelle in den USA sind mittlerweile SUV.

Mit dem Design des neuen Modells hat sich Toyota schon einmal etwas mehr vorgenommen. Mutig ist anders und es gibt keine Spur von Extravaganz – doch so langweilig wie bisher ist der neue Camry nun auch nicht mehr. Die übermächtige Kühlermaske könnte aus einem Science-Fiction stammen und gerade die Proportion der konturierten Seitenlinie und dem sportlichen Heck wirken deutlich ansehnlicher als bisher. Dabei schwingt die C-Säule wie bei einem Coupé weich nach hinten aus.


Das Platzangebot des 4,85 langen Fronttrieblers ist größer als das des Vorgängers. Der Radstand wurde um fünf Zentimeter auf 2,82 Meter verlängert, was insbesondere den Passagieren im Fond zugutekommt. Das Motorenangebot wurde überarbeitet, doch Turbomotoren sucht man im neuen Toyota Camry weiterhin vergeblich. Neben dem 3,5-Liter-V6 als Topmodell gibt es einen 2,5 Liter großen Saugmotor und die besonders begehrte Hybridvariante, die jedoch auch weiterhin auf ein Plug-In-Modul verzichtet. Beim aktuellen Toyota Camry, der noch bis Sommer 2017 verkauft wird, lag die Systemleistung bei 200 PS, die Leistungsdaten des kommenden Modells wurden noch nicht veröffentlicht.

Verwandt mit dem Crown

Während die beiden Benziner mit einer Achtgangautomatik kombiniert sind, setzt der Camry Hybrid [2] unverändert auf ein stufenloses CVT-Getriebe, das sechs Schaltstufen imitieren kann. Über die Leistung der Motoren werden – wie im Falle der Hybridvariante – noch keine genauen Infos weitergegeben. Sollte der Camry die aktuellen Antriebsmodule des technisch verwandten japanischen Crown erhalten, bekommt er mit dem 3,5 Liter großen V6-Ottomotor über 308 und dem 2,5 Liter großen Vierzylinder über 206 PS. Der zwei Liter große Turbovierzylinder mit 238 PS und 350 Nm bleibt allerdings außen vor.

Der Basispreis des mäßig ausgestatteten Toyota Camry Hybrid liegt bei rund 27.000 Dollar. Damit liegt der hybride Fronttriebler auf Augenhöhe mit den Hauptkonkurrenten Ford Fusion Hybrid und Hyundai Sonata Hybrid. Immerhin gibt es auch für die Basisversionen nunmehr ein einfaches Navigationssystem, Abstandstempomat, Spurhalteassistent und Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung. Optional sind unter anderem ein Totwinkelassistent, LED-Scheinwerfer, 360-Grad-Kamera oder ein Head-Up-Display erhältlich.

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  [1] https://www.heise.de/autos/artikel/Modellpflege-fuer-den-Ford-F-150-3591117.html
  [2] https://www.heise.de/autos/artikel/Toyota-will-seine-Antriebspalette-modernisieren-3566699.html