Overboost

Premiere Porsche Taycan

Rasant auf der Straße, sauschnell beim Laden und dann noch vergleichsweise günstig. Der Porsche Taycan hat das Zeug, selbst Kunden zum elektrischen Fahren zu führen, die bisher kaum darüber nachgedacht haben

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Porsche Taycan 9 Bilder

(Bild: Porsche)

Von
  • Christoph M. Schwarzer

Festhalten, bitte! „Dieser Tag markiert den Beginn einer neuen Ära“, sagt Vorstandvorsitzender Oliver Blume über den Porsche Taycan. Eine Sprechblase, die ausnahmsweise den Kern trifft: Der Taycan Turbo S kommt auf 560 kW (761 PS) und 1050 Nm Drehmoment im Overboost. Mit Launch-Control beschleunigt der allradgetriebene, batterieelektrische Sportwagen in 2,8 Sekunden auf 100 km/h. Die Basisversion Taycan Turbo bringt es auf maximal 500 kW (680 PS) und 850 Nm, was für 3,2 Sekunden im Standardsprint ausreicht. Schluss ist in beiden Fällen bei 260 km/h. Verrückt.

Begriffe aus der alten Welt

„Overboost“ und „Turbo“? Moment. Begriffe aus der Welt der fossil Angetriebenen für ein E-Auto? Bei dieser Art des Marketingsprechs ging vor einigen Jahren Tesla etwas subtiler vor, als er seine Hochleistungsladesäulen als „Supercharger“ bezeichnete. Das war bis dahin die Bezeichnung für einen Lader an einem Verbrennungsmotor, ging aber dank Doppeldeutigkeit auch als „Über-Ladegerät“ für eine Stromsäule durch. Was uns gleich zu einem der Hauptthemen des Taycan bringt:

Seine Kraft zieht der Taycan – korrekt ausgesprochen: Thai-Kahn – aus einer 93,4 kWh fassenden Batterie. Porsche gibt die Reichweite dankenswerterweise im neuen Messzyklus WLTP an: Es sind 412 km für den Turbo S und 450 km für den Turbo, laut Porsche liegen die Verbräuche bei 26,9 kWh/100 km respektive 26,0 kWh.

Der Clou aber ist die Spannung der Batterie, die auf 800 statt wie üblich auf 400 Volt ausgelegt ist. Sie ermöglicht einen Spitzenwert bei der Rekuperationsleistung über die Elektromotoren beim Bremsen: Sie beträgt 265 kW und somit nach Aussage von Porsche deutlich mehr als beim Wettbewerb. Zudem erreicht der Taycan dank der Hochvolt-Technik eine maximale Ladeleistung (DC-seitig) von 270 kW. Für 100 km Reichweite sind also nur gut fünf Minuten nötig.

Laden (fast) wie Tanken

Die optimale Ladezeit beträgt von einem SoC (für State of Charge, deutsch: Batterieladestand) von fünf auf 80 Prozent 22,5 Minuten. Vorausgesetzt, es ist eine 350 kW-Ladesäule in der Nähe, wie sie unter anderem von Ionity europaweit aufgebaut wird. Zudem stellt Porsche ein eigenes Netz auf, zunächst in den Porsche Zentren. Zu Hause an der Wallbox (AC, dreiphasig) sind elf kW möglich. Über Nacht ist der elektrochemische Speicher voll.

An Vorder- und Hinterachse arbeitet je ein Synchron-Elektromotor. E-Maschine, Getriebe und Pulswechselrichter sind kompakt in einem Modul zusammengefasst und haben laut Porsche die höchste Leistungsdichte (in Kilowatt pro Liter Bauraum) aller heute auf dem Markt angebotenen Elektroantriebe.

Mit Automatikgetriebe

An der Hinterachse ist im Taycan ein Zwei-Gang-Getriebe verbaut: Kurz übersetzt liegt mehr Raddrehmoment an – gut für die Beschleunigung. Lang übersetzt verbrauchen auch Elektromotoren (etwas) weniger und erreichen ihre Grenzdrehzahl später. Zwei Stufen sind also besser als eine fixe Übersetzung, der Ingenieursdienstleister Graziano schlägt daher sogar noch zwei Gänge mehr vor. Im Zusammenhang mit der für ein E-Fahrzeug sehr hohen möglichen Endgeschwindigkeit erwähnenswert ist der niedrige Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,22. Ab 90 km/h wird die Karosserie zudem noch um 10 mm abgesenkt, ab 180 km/h sind es insgesamt 22.

Die Modelle Taycan Turbo und Taycan Turbo S haben eine adaptive Luftfederung mit Dreikammer-Technologie inklusive elektronischer Dämpferregelung, elektromechanischer Wankstabilisierung und Porsche Torque Vectoring Plus. Die kompakte Anordnung der Motoren und die Unterflurlage der Batterie ermöglicht zwei Kofferräume: 366 Liter hinten und 81 Liter vorn – ähnlich, wie es Porsche-Kunden schon vom Heckmittelmotormodell Cayman gewohnt sind.

Günstig im Vergleich

Der Preis ist gemessen an dem, was Porsche für andere Modelle verlangt, geradezu ein Sonderangebot: Der Taycan Turbo ist ab 152.136 Euro zu haben, der Turbo S kostet mindestens 185.456 Euro. Zum Vergleich: Der Panamera Turbo S E-Hybrid mit einer Systemleistung von 500 kW (680 PS) ist ab 190.355 Euro zu haben – das sind 38.219 Euro mehr als beim gleich starken Taycan Turbo. Ab Ende des Jahres wird der Taycan ausgeliefert, zunächst in den USA. ()