Einfacher besser

Renault Triber 1.0 kurz gefahren

Was Volkswagen seit Jahren vergeblich versucht gelingt Renault schon länger: Erfolg auf dem indischen Markt. Es begann mit dem Renault Kwid, mit dem Triber verkauft Renault nun ein etwas größeres Modell.

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In Indien hat Renault mit dem kleinen Crossover Kwid im hart umkämpften Markt des Subkontinents einen langjährigen Bestseller. Das Erfolgsrezept ist einfach – im doppelten Wortsinn. Renault hat sich bei diesem Modell auf das Wesentliche konzentriert, ohne sich dabei in Detailversessenheit zu verlieren, die den Preis nach oben treibt und die Marge verkleinert. Der Renault Kwid kostet umgerechnet rund 3700 Euro. Dieses Modell funktioniert offenbar auch eine Nummer größer beim Renault Triber.

SUV-Stil ist angesagt wie in Europa und USA

Der Renault Triber ist ein Minivan in der angesagten Crossover-Optik. Der Fake-Unterschutz und eine durch Planken und dunkle Radläufe optisch erhöhte Bodenfreiheit vermitteln auch in den Augen der indischen Autofahrer Souveränität und Wertigkeit. Die vorgebliche Rustikalität funktioniert in Indien genauso gut wie in Europa oder den USA, wo der SUV-Boom ja schon länger grassiert.

Aufgrund der höheren Sitzposition hat man das Gewusel der Stufenhecklimousinen und Kleinstwagen gut im Blick. Beim Rangieren hilft die Rückfahrkamera. Mit einer Länge von 3,99 Metern kommt man in der Hektik der indischen Metropolen gut zurecht, gleichzeitig ist für Autos unter vier Metern Länge und weniger als 1200 ccm in Indien die Goods and Services Tax (GST) günstiger.

Drei Sitzreihen bei einer Länge von weniger als vier Metern? Da die Sitze der zweiten Reihe sich mit einem Handgriff nach vorne zusammenfalten lassen, ist der Einstieg für Erwachsene auf die Rückbank ohne Turnübung machbar. Dass dann noch ausgewachsene Mannsbilder jenseits der 1,85 m so viel Platz finden, dass Kurzstrecken erträglich sind, ist bemerkenswert. Dass die hinterste Reihe nicht nur eine maximal für Kinder geeignete Pseudo-Mitfahrgelegenheit ist, macht den Triber in Indien mehr als interessant. Hier herrscht akuter Beförderungsnotstand.

Stühle wie Yogamatten

Zaubern können sie freilich auch bei Renault nicht, der Kofferraum schrumpft bei Vollbestuhlung auf 84 Liter. Doch die Rücksitze sind ruckzuck herausnehmbar und dann werden 625 Liter daraus. Das liegt auch daran, dass die Lehnen eher Yogamatten gleichen als einem europäischen Sportsitz. Beim Anblick des Gestühls, auf dem Fahrer und Beifahrer Platz nehmen, würden die Vertreter der „Aktion Gesunder Rücken“ die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ja, die Auflage für die Oberschenke ist zu kurz und von Seitenhalt kann nicht wirklich die Rede sein. Immerhin im städtischen Stop-and-go Verkehr spielt das kaum eine Rolle.

Lebendiger Antrieb

Auf den Autobahnen wird selten schneller als 100 km/h gefahren. Dafür reicht der bei uns aus dem Dacia Sandero (Test) bekannte kräftig antretende und drehfreudige Dreizylinder-Ottomotor mit seinen 54 kW / 73 PS und seinem maximalen Drehmoment von 96 Nm vollkommen aus. Der Testwagen hatte ein manuelles Fünfganggetriebe mit exakter und leichtgängiger Schaltung. Kurz übersetzt vermittelt der Antrieb ein lebendiges Gefühl. Als Option ist ein DKG erhältlich. Bald soll eine aufgeladene Version dieses Motors und eine Automatik folgen, einen Diesel sucht man vergebens. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und schluckfreudig genug für die Schlaglöcher auf den indischen Rüttelstraßen.

Globale Renault-Technik mit kleinen Abstrichen

Im Interieur wird ebenfalls Konzentration auf das Wesentliche deutlich. Die Klimaanlage ist in Indien stark nachgefragt, dazu bietet der Triber eine gekühlte Ablage in der Mittelkonsole. Das Cockpit hat digitale Anzeigen und das Infotainment ermöglicht die Smartphone-Kopplung per Apple CarPlay und Android Auto. Bedient wird alles über einen acht Zoll Touchscreen. Klingt vertraut? Ist es auch. Im Triber werkelt globale Renault-Technik, wenn auch manchmal etwas abgespeckt.

Irgendwie muss die Rechnung bei einem Einstiegspreis von umgerechnet knapp 6400 Euro ja aufgehen. Im Lenkrad befindet sich statt Bedientasten Plastikblenden und unterschäumte Oberflächen sucht man vergebens. Hartplastik, wohin die Hand greift und (zum Beispiel in den Türablagen) blanke Schrauben. So bekommt man bei Renault viel Auto fürs Geld.