Ohrenkühler

Studie: BMW Vision DC Roadster

BMW zeigt eine Designstudie für ein Elektrokrad. Das Naked Bike mit dem Namen Vision DC Roadster soll sich auf das Erscheinungsbild der seit über 90 Jahren gebauten Boxermodelle beziehen und auf den BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen vom 5. bis 7. Juli in Garmisch gezeigt werden

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  • Florian Pillau

BMW zeigt eine Designstudie für ein Elektrokrad. Das Naked Bike mit dem Namen Vision DC Roadster soll sich auf das Erscheinungsbild der seit über 90 Jahren gebauten Boxermodelle beziehen. Als funktionsfähige Studie soll sie auf den BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen vom 5. bis 7. Juli in Garmisch gezeigt werden.

Um den Rückbezug zu den Boxermodellen formal hinzubekommen, wurde die Batterie hochkant gestellt und der Elektromotor längs eingebaut. Letzteres hat nicht vor allem einen optischen Grund – vielmehr kann der Motor so das Hinterrad über die für BMW typische Kardanwelle antreiben. Batterie und Motor werden von einem tief verrippten Aluminiumgehäuse umschlossen, das bei gutem Willen entfernt an die Deckelkombination der Boxermotoren erinnern kann. Darüber spannt sich der Rahmen. Die Gestalter haben sich zum Glück nicht lang mit so etwas wie einer Tankattrappe aufgehalten. Der optische Gag für die Erkennung aus der Ferne sind zwei an den Gehäuseflanken angebrachte Seitenkühler.

BMW zeigt Designstudie zum Elektro-Roadster (Quelle: BMW)

Das Krad spitzt aufmerksam die Ohren

Diese beiden Kühlelemente sind vorn an einem Scharnier befestigt und stellen sich beim Einschalten der „Zündung” seitlich etwas aus, als spitze das Krad aufmerksam seine Ohren, bevor es losgeht. Andere Details sind die Duolever-Gabel oder die wie früher freiliegende Kardanwelle. Insgesamt ist die Studie extrem keilförmig, und zwar nach vorn abfallend. Die frühen Boxermodelle hingegen hatten eine bewusst stark nach vorn ansteigende Form, wie sie auch die Studie BMW R18 aufgreift. Kaum vorstellbar, dass das in dieser extremen Ausprägung in Serie praktikabel sein kann.

Das bestätigt man bei BMW indirekt. Es handele sich um eine reine Konzeptstudie für ein elektrisches Naked-Bike. Zudem sei es zu früh, über konkrete Werte bei Reichweite, Speicherkapazität oder Ladezeiten zu sprechen, da sich die Batteriezellentechnologie zu rapid weiterentwickele.

Die neue Antriebstechnik fordert die Gestalter

Der Antrieb aus dem seit 2014 gebauten Großroller C Evolution (Test) wird es sicher nicht werden, dafür könnte man sich den Motor aus dem BMW i3 (Test) vorstellen, wenn auch nicht mit dessen Leistung. Die Ingenieure sind in dieser Hinsicht bei der E-Mobilität viel freier. Die BMW-Studie lässt vor allem erkennen, wie sehr die neue Antriebstechnik die Gestalter fordert. Mehr noch als beim Auto, wo die Aerodynamik der Karosserie sehr viel vorgibt, wird zur Zeit bei den E-Krädern experimentiert. So kombiniert Zeros neue ZF eine Tankattrappe mit einem sichtbar ausgestellten Akkupaket.

Die Art der Gestaltung hat sich aber bei aller Lust am Experiment stark gewandelt. So waren die frühen BMW-Motorräder, auf die sich die Studie ja explizit bezieht, deshalb so faszinierend, weil sie eine reine Funktionsform haben. Jedes Teil ist in seinem Zusammenhang erkennbar und auch nicht mehr als nötig „gestaltet”. Heute versucht man den Teilen Formen zu geben, die nicht mehr ihrem reinen Zweck entsprechen. Nach herkömmlichen Kriterien ist das aber das Gegenteil von gutem Design. Wenn man sich bemüht auf Vergangenes bezieht und sich dabei in Details verkämpft statt Mut zur jetzt eigentlich angebrachten völlig neuen Funktionsform aufzubringen, wirkt das zumindest etwas verkrampft.