Studie: Diesel-Nachrüstung nur von geringem Nutzen

Der Effekt von Hardware-Nachrüstungen bei älteren Diesel-Fahrzeugen fällt einer neuen Studie zufolge eher gering aus. Das Institut für Automobilwirtschaft geht davon aus, dass sich das NO2-Niveau bis Ende 2023 nur um 3,4 bis 3,6 Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren lässt

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(Bild: Skoda)

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Unter "alte Diesel" fallen zahlreiche Massenautos mit der Abgasnorm Euro 5 - wie der Skoda Octavia, der bis 2015 damit ausgeliefert wurde.

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Der Effekt von Hardware-Nachrüstungen bei älteren Diesel-Fahrzeugen fällt einer neuen Studie zufolge eher gering aus. Das Institut für Automobilwirtschaft geht davon aus, dass sich das Niveau der Stickstoffdioxid-Emissionen (NO2) bis Ende 2023 nur um 3,4 bis 3,6 Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren lässt. In den sogenannten Intensivstädten, die besonders stark mit Luftschadstoffen belastet sind, wären es immerhin 6,4 bis 7,1 Prozent, heißt es in der am Dienstag (19. November 2019) veröffentlichten Studie.

Verfügbarkeit und Skepsis

Als Grund geben die Experten eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Nachrüstsystemen einerseits und eine große Skepsis unter den Besitzern der betroffenen Euro-5-Diesel andererseits an. Theoretisch kämen deutschlandweit bis 2023 rund 2,2 Millionen Fahrzeuge für eine Nachrüstung in Betracht, haben sie errechnet. Das tatsächliche Marktpotenzial liege aus den genannten Gründen aber nur bei gut einem Drittel davon. Selbst eine Nachrüstung aller 2,2 Millionen Fahrzeuge würde der Rechnung zufolge nur eine NO2-Reduktion von bundesweit 15 Prozent bringen.

Letztlich müsse geprüft werden, ob das den wirtschaftlichen Aufwand und den Ressourceneinsatz für die Nachrüstung rechtfertige, schreibt Studienleiter Stefan Reindl. Brauchbare Effekte ließen sich wohl nur mit einer Nachrüstung aller Euro-5-Diesel in Deutschland erreichen. „Hierzu wäre aber eine großzügige Förderung durch Bund und Länder nötig, um einerseits die Fahrzeughalter zur Umrüstung und andererseits die Systemanbieter zu umfassenden Angeboten in ausreichender Stückzahl zu motivieren“, betonte Reindl.

Milliarden an Umsatz

Ähnlich sieht es auch der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes in Baden-Württemberg, der die Studie in Auftrag gegeben hatte. Die Förderung auf Intensivstädte zu beschränken und auf freiwillige Zahlungen der Hersteller zu setzen, funktioniere nicht. Für das Kfz-Gewerbe geht es bei Hardware-Nachrüstung auch um viel Geld. Laut Studie entgehen der Branche Milliarden an Umsatz, weil das Marktpotenzial nicht ausgeschöpft wird.

(dpa) / (mfz)