Nach dem erfolgreich absolvierten XPrize beginnt jetzt die Serienentwicklung

TW4XP: Wie sich ein Auto fährt, das keines sein will

Nach dem erfolgreich absolvierten Spar-Wettbewerb Automotive XPrize wird jetzt die Serienversion des Elektromobils TW4XP entwickelt. Doch zuvor haben wir noch einmal das Renngerät erlebt

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Hannover, 3. November 2010 – Martin Möscheid ist ein Ingenieur aus Passion. Warum sollte er auch sonst mit bescheidenen Mitteln versuchen, ein Fahrzeug in Serie zu bringen, das sich radikal von allem unterscheidet, was wir gemeinhin als Auto bezeichnen? Gerade das macht das Elektrodreirad TW4XP aber interessant: Im Unterschied zu vielen Entwürfen aus der Automobilindustrie orientiert sich das Gefährt nicht an konventionellen Pkw, sondern löst sich völlig von gewohnten Konzepten. Auch beim Fahren sorgt der moderne große Bruder des Twike für manche Überraschung.

"1-Liter-Äquivalent-Auto"

Bisher wurde das TW4XP vor allem als Wettbewerbsfahrzeug für den Automotive XPrize wahrgenommen, wo es bemerkenswert erfolgreich abschnitt: In der Disziplin Side-by-Side belegte es den dritten Platz und erzielte dabei mit einem Verbrauchsäquivalent von 1,7 Litern pro 100 Kilometer sogar das beste Ergebnis. Für den Wettbewerb musste das Fahrzeug einige Anpassungen über sich ergehen lassen, die auch ein Gewicht von rund 675 kg nach sich zogen. Die Batterie für den Wettbewerb zum Beispiel wäre im Alltag überdimensioniert. Für die zivile Version ist ein Gewichtsziel von 500 Kilogramm angepeilt, das Verbrauchsäquivalent soll dann sogar auf etwa einen Liter sinken.

Schwungvoller Einstieg

Das TW4XP, in dem wir auf den Landstraßen um das hessische Rosenthal mitfahren konnten, ist noch ein gutes Stück von der Serienreife entfernt. Auf der Hannover-Messe 2011 soll das serienreife Chassis vorgestellt werden, voraussichtlich 2012 dann das Serienfahrzeug. Doch selbst das aktuelle Sportgerät vermittelt schon einen recht guten Eindruck, was uns dann erwarten wird.

Beim Einsteigen wird schnell klar, dass man sich nicht den erhabenen Einstieg eines SUVs erhoffen darf. Den ersten Versuch unterschlage ich mal, der zweite war schon ganz respektabel: Mit der Hand an der zentralen Stange unter dem Dach festhalten, dynamisch seitwärts einschwingen, in die Recaro-Sitze fallen lassen, vorsichtig umschauen und hoffen, dass es keiner gesehen hat. Das TW4XP ist kein Fahrzeug, das einen Wohlstandsbauch verzeiht. Ändern könnte sich das ein wenig, wenn sich die Konstrukteure für eine endgültige Dachkonstruktion entschieden haben, die das derzeitige Stoffdach ersetzt – sie wird voraussichtlich einen aufrechteren Einstieg ermöglichen.