Drive Pilot vs Autopilot

Teilautonom unterwegs in der E-Klasse

Mercedes hat mir einen fliegenden Teppich vor die Tür gestellt. E220d steht auf dem Kofferraumdeckel des Presseautos, mit dem ich bald 1000 entspannte Kilometer zurückgelegt habe. Fokus des Beitrags: Der Drive Pilot. Ein ähnlicher Begriff wie der Autopilot bei Tesla

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  • Christoph M. Schwarzer
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Hamburg, 25. Juli 2016 – Mercedes hat mir einen fliegenden Teppich vor die Tür gestellt. E220d steht auf dem Kofferraumdeckel des Presseautos, mit dem ich bald 1000 entspannte Kilometer zurückgelegt habe. Fokus des Beitrags: Der Drive Pilot. Ein ähnlicher Begriff wie der Autopilot bei Tesla. Aber so, wie sich die Worte einerseits ähneln und andererseits unterschiedlich wirken, grenzen sich auch die beiden Fahrautomatisierungssysteme voneinander ab. Das wird kein direkter Vergleich, aber doch ein Aufschrieb des heutigen Stands der Technik.

Der Drive Pilot fällt unter „teilautomatisiert“. Im internationalen Jargon manchmal „Level 2” genannt. Dazu sagt die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): „Das System übernimmt Quer- und Längsführung“. Also Lenken und Bremsen und wieder Gas geben. Und, ganz wichtig: „Der Fahrer muss das System dauerhaft überwachen […] und muss jederzeit zur vollständigen Übernahme der Fahrzeugführung bereit sein.“ Jawohl, bin ich!

Völlig abmelden kann ich mich auch gar nicht – jedenfalls nicht vom Lenkrad: Die E-Klasse nötigt mich, immer mindestens eine Hand am Leder zu lassen. Das überwacht die Hands-off-detection, die den so genannten vorhersehbaren Fehlgebrauch verhindern soll. Allerdings sind beim Drive Pilot die Karenzzeiten gegenüber der bisherigen „Distronic Plus mit Lenkassistent“ ausgeweitet worden.

So mahnt die Hands-off-detection auf der Autobahn nach spätestens rund 30 Sekunden optisch und nach weiteren etwa 30 Sekunden auch akustisch zum Selbstlenken. „Rund“ und „etwa“, weil die Regelung nicht starr, sondern adaptiv ausgelegt ist. Reagiere ich nicht, piept das Auto weiter, die Warnblinkanlage schaltet sich ein, und die E-Klasse bremst innerhalb der Spur bis zum Stillstand. Das ist die Vorstufe zum „risikominimalen Zustand“, der die Voll- von der Hochautomatisierung trennen wird. Noch ist das Zukunftsmusik.

Keep your hands upon the wheel

Nun könnte ich erzählen, wie ich mit der Stoppuhr durch Deutschland gefahren bin, um die Karenzzeiten der Hands-off-detection zu messen. Aber das ist Unsinn, denn die Botschaft ist klar: Die E-Klasse lässt es nicht zu, dass ich einschlafe oder Pokémons jage. Oder, wie die kalifornische Band The Doors im Roadhouse Blues sang: Keep your eyes on the road your hands upon the wheel. Die Werbebotschaft auf der Webseite von Mercedes-Benz bringt es auf den Punkt: „Unterstützt, entlastet, schützt.“ Komfort, Komfort, Sicherheit.