Schleichreiz

Test: BMW 330e

Im BMW 330e ist erstmals ein Plug-in-Hybrid eingebaut. Mit einer Systemleistung von 252 PS beherrscht er das Kapitel Attacke ausgezeichnet. Doch dieser Dreier fügt den Talenten dieser Baureihe eine weiteres hinzu: Den Reiz des Langsamfahrens. Ein Test

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"Zwei Seelen wohnen, ach! - in seiner Brust". Die Diskussionen in Foren rund um den Plug-in-Hybrid lassen sich recht gut in zwei Schubladen verfrachten. Für die einen vereint ein Hybrid, der sich an einer Steckdose für eine gewisse Strecke aufladen lässt, das Beste aus zwei Welten. Für die anderen ist es ein technisches Monster, das alle Nachteile beider Antriebsarten verheiratet. Wer hat nun recht? Beide, wie der Test eines BMW 330e zeigt.

Bessere Chance als der Vorgänger

BMW war mit dem 3er Active Hybrid nicht gerade erfolgreich. Auch wenn sich die Verantwortlichen stets bemüht haben zu betonen, die eigenen Ziele erreicht zu haben – allzu hoch scheinen diese nicht gewesen zu sein. Vielleicht erschien vielen die Idee, einem 306-PS-Sechszylinder mit einem 40-kW-E-Motor auf die Sprünge helfen zu müssen, doch nicht so nachvollziehbar.

Anders als sein Vorgänger ist der 330e als Plug-in-Hybrid ausgelegt. Die Kombination aus Benziner und E-Motor wurde hier also um eine Batterie mit soviel Kapazität ergänzt, dass man eine gewisse Strecke rein elektrisch zurücklegen kann. Wie lang diese ist, hängt von vielen Faktoren ab. Die Temperaturen sind einer: Im Test lagen sie zwischen morgendlichen Minus 5 Grad und rund 8 Grad. Allein das lässt die versprochene Reichweite zwischen 23 und 33 km schwanken. Der Wunsch nach Wärme reduziert die rein elektrische Reichweite weiter und führt einem wieder vor Augen, wie sehr wir uns an dieses Abfallprodukt des Verbrennungsmotors gewöhnt haben.

Fast völlige Stille

An etwas anderes gewöhnt man sich dagegen sehr schnell: Die fast völlige Stille des elektrischen Fahrens. Zwar sind Wind- und Abrollgeräusche natürlich trotzdem präsent, doch das fast vollständige Fehlen von Antriebsgeräuschen ist sehr angenehm. Das alles fühlt sich nach einer Zukunft an, die doch bitte bald beginnen möge, was eigentlicher jeder in der Redaktion auch so sah, der dieses Auto gefahren ist. Mit anderen Worten: So könnte es weitergehen. Doch selbst bei der nicht allzu üppigen Werksangabe von 40 km würde das Treiben ein viel zu frühes Ende haben. In der Praxis ist natürlich schon davor Feierabend. Was dann akustisch folgt, ist ordentlich gedämmt. Was auch ganz gut so ist, denn was auch immer man dieser Verbrennerbasis nachsagen kann: Euphonie gehört nicht dazu. Ein Kollege unterstellte ihm gar einen “grauenhaften” Klang.

Szenario entscheidet Rentabilität

Die Kreativabteilung des Herstellers argumentiert, dass mit der versprochenen Reichweite die täglichen Fahr-Bedürfnisse der meisten Menschen abgedeckt wären. Nun ist es ein grober Fehler, von den eigenen Verhältnissen auf die Allgemeinheit zu schließen. In meinem täglichen Szenario siehe die Rechnung folgendermaßen aus: Im Idealfall könnte ich 3/4 meiner täglichen Pendelei elektrisch fahren, für den Rest wird der Benziner angeworfen. Der würde dann im Max-e-Modus gerade seine Betriebstemperatur erreichen, bis ich ihn vor dem Büro ausmache. Aber: Wessen Alltagsfahrerei aus Kurzstrecken bis 20 km, langen Pausen und Lademöglichkeiten besteht, fährt unter Umständen unter der Woche komplett elektrisch – ein Gedanke, der wie beschrieben schon aus akustischen Gründen sehr verlockend erscheint.