Versportungs-Versuch

Test: BMW X2 20d xDrive

Der neue BMW X2 soll der sportliche Coupé-Ableger des BMW X1 sein. Formal lässt sich darüber trefflich streiten. Unterwegs trennen die beiden eher feine Unterschiede, die eher durch die Wahl bestimmter Extras deutlich werden, wie ein Test zeigt

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(Bild: Pillau)

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Wir haben es vielerorts versucht – und sind gescheitert: Niemandem, den wir in den 14 Tagen mit dem BMW X2 getroffen haben, fand die Kombination aus Form und Farbe des Testwagens so richtig gut. Das freundlichste, was ich gehörte habe, war der Begriff „eigenwillig“, die uncharmanteste Einlassung zu wiederholen, verbietet mir meine Kinderstube. Ein Coupé soll er sein, der X2, und sich damit vom X1 absetzen. Ob das formal gelungen ist, mag jeder allein entscheiden. Im Test zeigte sich, dass es feine Unterschiede im Detail gibt.

Ein Coupé?

Warum der X2 ein Coupé sein soll erschließt sich ebenso wenig wie einst beim letzten VW Scirocco. Ein etwas flacher verlaufendes und minimal kürzeres Dach als beim X1 macht aus diesem noch keinen Sportler, so sehr sich die Strategen auch bemühen, ebendieses dem X2 anzudichten. Daran ändert auch das Emblem in der C-Säule nichts, das allen Ernstes an die ruhmreichen Coupés der BMW-Vergangenheit erinnern soll.

Schlechter Ausblick

Sei es drum, die Form wird sicher ihre Fans finden, die dann auch bereit sind, die damit verbundenen Nachteile hinzunehmen. Wir kritisieren häufig eine schlechte Rundumsicht, und schon der X1 gehört ganz bestimmt nicht zu den Vorbildern in dieser Hinsicht. Der X2 unterbietet ihn aber nochmals deutlich: Die breite C-Säule und eine ansteigende Seitenlinie mit sich nach hinten verjüngenden Fenstern in Verbund mit einer sehr kleinen Heckscheibe beschneiden die Rücksicht auf ein Maß, das im Stadtverkehr beim Spurwechsel schlicht nervt. Für Radfahrer ist dieser miese Ausblick kreuzgefährlich.

Ein Coupé bedeutet in der Regel ein eleganteres Design, für das man gewisse Einschränkungen akzeptiert. Dazu gehört normalerweise ein geringes Platzangebot. Der Radstand ist mit 2,67 Metern jedoch identisch mit dem X1, das Raumangebot damit weitgehend auch. Nur die Kopffreiheit hinten ist deutlich geringer. Etwas kleiner ist der Kofferraum, wobei 35 Liter weniger wohl kaum ein Ausschlusskriterium darstellen wird. Wie so viele Hersteller zählt auch BMW das Fach unter dem Ladeboden mit. Leider lässt sich der Boden selbst nicht in der Höhe verstellen, um den Platz bei Bedarf anders zu nutzen. Auch eine Längsverstellung der Rücksitze wäre einer bessere Variabilität zuträglich. Immerhin lassen sich die Lehnen in verschiedenen Winkeln arretieren.

Hochgerüstet

Aber der X2 wird ja nicht als optisches Blendwerk verkauft, sondern ganz ernsthaft als sportive Alternative zum X1. So viel vorweg: Das erscheint reichlich optimistisch. Der Testwagen war mit dem „Modell M Sport X“-Paket ausgerüstet – eine immerhin 6400 Euro teure Option. Darin sind drei Zutaten enthalten, die das Fahrgefühl ganz erheblich beeinflussen: Ein Sportfahrwerk inklusive Tieferlegung, 19-Zoll-Alufelgen mit einer 225/45 R19-Bereifung und eine Sportlenkung. Damit ist schon angedeutet, was sich in der Praxis überdeutlich zeigt. Der X2 spricht zwar fein auf kleine Unebenheiten an, doch der Fahrer wird stets komplett ins Bild darüber gesetzt, wie es um die Oberflächengüte der Straße bestellt ist. Wer also auch nur ansatzweise so etwas wie Federungskomfort sucht, wird hier gar nicht glücklich.

Interessanterweise unterscheidet er sich aber in einem Punkt vom BMW X1 mit adaptivem Fahrwerk, den wir im März 2016 hier hatten. Der war in der „Sport“-Stellung derart straff, dass er in schnell angegangenen Autobahnkurven schon mal versetzte – in „Comfort“ ging es schneller. Im X2 mit Sportfahrwerk gab es kaum ein Versetzen. Dennoch: Mit dem straffen Fahrwerks-Setup ist der X2 im Prinzip immer in Bewegung. Das muss man mögen, wenn man den Wagen derart bestellt.

Standard: Vorn statt hinten

Die „M Sportlenkung“ soll ein „direktes und agiles Fahrverhalten“ bieten, so verspricht es BMW. Die Ingenieure haben sich bei Abstimmung viel Mühe gegeben, immerhin mussten hier Antriebseinflüsse in der Lenkung herausgefiltert werden. Der Testwagen hatte zwar Allradantrieb, doch handelt es sich hier um einen Frontantrieb, der die hinteren Räder nur bei Bedarf hinzuholen darf – und nicht etwa umgedreht, wie es noch beim ersten X1 der Fall war.