Statt Sauerkraut

Test: Hyundai Nexo

Der Nexo ist ein Elektroauto für Menschen, die Platz brauchen und weite Distanzen stressfrei bewältigen wollen. Er ist ein Beweis des Innovationswillens. Und er ist, bitte entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, Kimchi statt Sauerkraut: Schärfer und konsequenter als die Konkurrenz

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(Bild: Schwarzer)

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Liefern statt ankündigen: Während Mercedes zaghaft anfängt, den GLC F-Cell mit Brennstoffzelle an ausgewählte Kunden wie Bundesministerien zu vermieten, verkauft Hyundai den Nexo an jeden. Der Nexo ist ein Elektroauto für Menschen, die Platz brauchen und weite Distanzen stressfrei bewältigen wollen. Er ist ein Beweis des Innovationswillens des südkoreanischen Herstellers. Und er ist, bitte entschuldigen Sie die Ausdrucksweise, Kimchi statt Sauerkraut: Schärfer und konsequenter als die Konkurrenz.

Park-Show

Ein Beispiel für das Weiterdenken bei Hyundai ist der serienmäßige Einparkassistent. Parklücke suchen, Blinker setzen, aussteigen – und zusehen. Der Nexo rangiert und lenkt von alleine. Vorausgesetzt, der Fahrer hält einen Knopf auf dem Schlüssel gedrückt. Das fasziniert auch automobile Laien und sei „schon ziemlich cool“, heißt es von Umstehenden. Das eigentlich Interessante aber ist der Antrieb.

Der Hyundai Nexo ist ein Elektroauto, das den Strom aus einer mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle bekommt. Der herausragende Pluspunkt dieses Konzepts ist die flexible Nutzbarkeit: Der Alltag ähnelt dem mit einem ganz normalen Auto. Nur, dass hier kein in dieser Klasse üblicher Dieselmotor unter der Haube rumpelt, sondern ein geräusch- und ruckfreier Elektromotor. Das ist wirklich maximaler Komfort.

Befreiend flexibel

Der Nexo ist entspannend, weil er im Kontrast zu Batterieautos die Idee der automobilen Freiheit verkörpert: Fahren, tanken, weiterfahren. Kein Gedanke ans abendliche Einstöpseln des Steckers, an zugeparkte Ladesäulen, an Identifikationssysteme, ans Reichweitenkopfrechnen, an überhitzte Batterien oder unterkühlte Ladegeräte, die beide zu noch längeren Zwangspausen führen. Keine Angst vor den Ärgernissen der Batterietechnik. Einfach nur Fahren.

Der Hyundai Nexo könnte fürs Brennstoffzellen-Auto das sein, was das Tesla Model S (Test) fürs Batterieauto war: Ein ideeller Durchbruch aufgrund eines attraktiven und in sich stimmigen Gesamtkonzepts. Der Feinschliff, den die südkoreanische Marke inzwischen in jeder Hinsicht erreicht hat, ist beachtlich. Hier ist eben nicht ein Elektroauto entstanden, bei dem man eventuelle Abstriche als Preis für den neuen Antrieb hinnimmt, sondern ein unabhängig von der Fortschrittstechnik sehr gutes Auto.

Die Verarbeitungsqualität ist top. Das Raumangebot ist für alle Mitreisenden großzügig. Die Rekuperation ist über Wippen bis aufs Null-Segeln verstellbar. Die Fahrassistenzsysteme regeln fein und auf dem Niveau einer Mercedes E-Klasse (Test). Besonders erwähnenswert ist die „Monitoranzeige für den Totwinkelassistenten“: Wird der Blinker gesetzt, erscheint im Zentraldisplay die Aufnahme der jeweiligen Kamera unter dem Seitenspiegel. Man fragt sich, warum noch niemand auf dieses Sicherheitsfeature gekommen ist.

Entleert sich auf anstößige Weise

Allerdings muss dieser Sicherheitsgewinn im Paket mit dem Around-View-Monitor, 245er Reifen auf 19-Zollfelgen, Glasschiebedach, Krell-Soundsystem, beheizten hinteren und belüfteten vorderen Sitzen mit 3500 Euro bezahlt werden. Dieses Paket ist neben der Möglichkeit, den Nexo in mattgrau zu bestellen (600 Euro), das einzige und zugleich empfehlenswerte Extra. Dazu addieren sich 69.900 Euro Grundpreis. Das ist, je nach Sichtweise, viel, wenig oder angemessen – dazu später mehr.