Maß der Mitte

Test: Kia Ceed 1.4 T-GDI

Der neue Kia Ceed beansprucht nicht die Führung in seiner Klasse. Der Verzicht auf technische Spielereien bringt durchaus Vorteile mit sich, denn im längeren Gebrauch nervt im Ceed kaum etwas nachhaltig. Ein Test

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(Bild: Pillau)

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Autohersteller zeigen vor wichtigen Premieren gern, wie umfangreich sie Prototypen unter härtesten Bedingungen testen. Extreme Kälte, erdrückende Hitze, bucklige Pisten – das Programm ist lang, und bis heute lässt sich nicht alles davon am Rechner simulieren. Angesichts dieses Aufwandes erstaunt es hin und wieder, wie strikt Controller bei Kleinigkeiten Ingenieuren die Hände binden. So ist beispielsweise eine Rückfahrkamera eine feine Sache, zumal Karosserien nicht mehr so übersichtlich sind wie in grauer Vorzeit. Doch wenn eine solche nicht vor Verschmutzung geschützt wird, liefert sie am Ende einer Fahrt bei Schmuddelwetter kein brauchbares Bild. Der neue Kia Ceed gleicht in diesem Punkt dem Opel Astra (Test), VW macht es im Golf sehr viel besser. 14 Tage mit dem Ceed zeigen, dass Kia an einigen Stellen spart – was nicht immer ein Nachteil sein muss.

Kurze Optionsliste

Das Kia mit dem aktuellen Ceed keinen Führungsanspruch erhebt, merkt man an Nebensächlichkeiten. Die schlüssellose Türöffnung funktioniert nur über die vorderen Türen, Sensoren in den hinteren Pforten hat sich Kia gespart. Gleiches gilt für die Beleuchtung der Griffe, die es ebenfalls nur vorn gibt. Wäre es da nicht konsequenter, den Quatsch gleich ganz zu lassen? Für ein brandneues Auto ist auch die Technik-Optionsliste kurz: Head-up-Display, Matrixlicht oder ein Display als Kombiinstrument gibt es auch gegen Aufpreis nicht. Einen Abstandtempomaten bekommt nur, wer das Doppelkupplungsgetriebe ordert.

Wichtiger erscheint mir jedoch, dass das, was Kia verbaut, zufriedenstellend arbeitet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Spurhalteassistent. Ich habe den nicht abgeschaltet, wie sonst oft. Er beginnt sanft, um dann zunehmend kräftiger einzugreifen – aber nicht zu bestimmend. So bietet er das richtige Maß an Hinweischarakter und unterscheidet sich damit wohltuend von Systemen, die mit häufigen Fehlalarmen nerven. In dieser Hinsicht ist der Ceed geschickter aufgestellt als eine Mercedes A-Klasse oder ein Skoda Octavia (Test). Wenn Kia beim nächsten Update noch den Tempomat so programmiert, dass er nicht nach jedem Start wieder erst eingeschaltet werden muss, gibt es in diesem Bereich nichts zu meckern.

Einfache Bedienung

Die Lenkradheizung wärmt den ganzen Kranz und nicht nur den Bereich, den der Hersteller für erwärmenswert definiert hat. Die Bedienung ist insgesamt weitgehend selbsterklärend, die Instrumente stets einwandfrei ablesbar, was bei vielen Displays an dieser Stelle nicht der Fall ist. Einzige Ausnahme ist die dunkelrote Beleuchtung der Klimaautomatik, die tagsüber nur schwer abzulesen ist. Bordcomputer und Navigationssystem sind nicht überfüllt mit Funktionen, deren Vorhandensein zwar vielfach gelobt, in der Praxis aber nicht genutzt werden. Auch das tut der einfachen Bedienung gut. Online-Verkehrsdaten gibt es über einen Hotspot vom Smartphone – in dieser Klasse ist das okay, meine ich. Mit 890 Euro inklusive eines ordentlich tönenden Soundsystems von JBL ist es vergleichsweise fair bepreist.

An anderer Stelle wäre mir etwas mehr Sparsamkeit lieber: Das an alte Windows-Zeiten erinnernde Gedudel bei Start und Abschalten nervt ebenso wie das Gebimmel bei offener Tür. Florian meinte, wenn es sein Auto wäre, würde er eine Abschaltung forcieren. Die Naht oben auf dem Armaturenbrett soll vermutlich andeuten, dass hier feines Leder verarbeitet wurde, was ein bisschen arg bemüht wirkt. Dabei hat der Ceed so eine vordergründige Show gar nicht nötig. Alles wirkt ordentlich zusammengesetzt. Nachbessern könnte Kia für meinen Geschmack die Sitze, die sich ein wenig nach einer Schaumstoffmatratze anfühlen. Die Lordosenstütze ist nicht höhenvariabel. In diesem Bereich bietet beispielsweise Opel mit seinen optionalen AGR-Sitzen eklatant mehr Komfort.

Etwas zäher

Auf einen größeren Aufwand verzichtet Kia auch beim Motor. Single-Scroll-Turbolader, zwei phasenverstellbare Nockenwellen, Direkteinspritzung – das war es an technischen Highlights im 1.4 T-GDI. Eine inhomogene Gemischbildung, Hochdruckeinspritzung, variabler Ventilhub, verstellbare Leitschaufeln im Turbolader oder eine Zylinderabschaltung gibt es hier nicht. Das kann man positiv sehen, denn so ist auch weniger da, was kaputtgehen kann. Die Maschine leistet 140 PS und bietet zwischen 1500 und 3200/min ein Drehmoment von 242 Nm.