Gut verbunden

Test: Kia UVO Connect im e-Soul

Endlich bringt Kia im neuen Infotainment-System UVO Connect das, was es anderswo seit bald zehn Jahren gibt: eine App, die den Ladezustand zeigt und die Temperierung des Autos fernsteuert. Dazu kommen Live-Verkehrsdaten.

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Dieser Erfahrungsbericht besteht aus mehreren Teilen. Dieses ist der fünfte Teil.

Teil 1: Ein Auto, das in positiver Hinsicht vollkommen normal ist
Teil 2: Batteriehub und Reichweite
Teil 3: Vorschläge und Erfahrungen aus dem Gewirr von Ladekarten und Apps
Teil 4: Was verbraucht er auf der Autobahn?
Teil 6: Dauertest-Fazit

Wer Kias vorherige Infotainment-Systeme kennt, findet sich im aktuellen „UVO Connect“, wie im e-Soul verbaut, schnell zurecht. Die Bedienung hat sich nämlich wenig geändert, und der Aufbau bleibt logisch genug, dass man sich ohne Handbuch durch die Menüs suchen kann, um eine Funktion zu finden. UVO Connect wird wohl auch in kommenden Updates anderer Modelle der Koreaner zu finden sein. Von Spielereien wie dem Musik-abhängigen Mood-Lighting abgesehen, bringt das System folgende Änderungen:

  1. einen breiten 10-Zoll-Touchscreen
  2. damit einhergehend gibt es jetzt Startseite mit drei (belegbaren) Widgets statt 2
  3. Live-Verkehrsdaten (von TomTom) über eine eigene, integrierte SIM-Karte
  4. und seit Ende Juni auch die lange versprochene Smartphone App, die den Ladestand von Ferne abfragen kann, Routen ans Navi im Auto schickt und eine Fernsteuerung für die Standtemperierung enthält.

Start

Die Startseite zeigt standardmäßig eine kleine Navi-Ansicht links, Medien/Radio in der Mitte und Batteriedaten rechts. Diese Konfiguration ist die für fast alle Nutzer am sinnvollste, deshalb kann sie jederzeit per Knopfdruck wiederhergestellt werden. Ein Widget zeigt Infos der aktuellen Fahrt an, wenn man die nicht in der Tachoeinheit hinter dem Lenkrad sehen will. Die beiden restlichen Widgets (Wetter und größere Uhr) fand ich nutzlos. Das EV-Widget wird deshalb so wichtig, weil Kia auf der Tachoeinheit nur eine Balkenanzeige für den Ladezustand zeigt plus eine Reichweitenschätzung in Kilometern, mit der man, wie im Test besprochen, nicht planen kann.

Die Live-Verkehrsdaten funktionieren sehr gut. Im typischen Betrieb mit „schnellster Route“ wählt das System zwar im Detail leicht unterschiedliche Wege wie Google Maps, kommt damit aber auch nicht später Ziel an. Nur die Zeitschätzung schafft Google genauer. UVO verschätzt sich im Landstraßenverkehr erheblich. Im Autobahn- und Stadtbetrieb dagegen stimmen die Prognosen recht gut. Die Datenverbindung für diese Live-Daten bezahlt Kia 7 Jahre lang. Was danach passiert, lässt Kia wie so viele Autohersteller dieser Tage offen.

Kartenupdates sieht Kia zweimal jährlich vor. Sie können, zusammen mit System-Updates, laut Kia "nur durch eine Vertragswerkstatt" eingespielt werden. Da die Daten jedoch über USB-Stick oder SD ins System kommen, besteht Hoffnung, dass der Kunde das vielleicht doch irgendwann auch selber tun darf.

Laden

Wie wohl jedes Elektroauto-Infotainment-System zeigt auch das UVO Ladestationen an. Leider bringt das nur wenig. UVO bietet mir keine Filterung nach öffentlichen Ladesäulen an, zeigt also zum Beispiel eine öffentliche Ladesäule gleichberechtigt mit privaten Ladepunkten in Hotels an. Zudem zeigte es mir schon mehrfach eine Fahrrad-Leihstationen als Ladepunkte an, wahrscheinlich ein Fehler im POI-Material. Da helfen auch die „Live-Ladestationen“ wenig, die mit farbigen Punkten Verfügbarkeiten anzeigen.

Ich benutze aus diesen Gründen die Smartphone-App "Mobility+" zur Ladestationssuche. Sie filtert schon standardmäßig nach öffentlichen Ladesäulen und zeigt nichtöffentliche Lader nur auf Wunsch an. Im Kia-Routenplaner kann man Routen mit Ladestopps planen und das System schlägt solche vor, wenn das Ziel außerhalb der geschätzten Reichweite liegt. Da die Schätzung aber nicht stimmt, hilft diese Planung wenig. Vielleicht funktioniert die Ladestationssuche dereinst per Update besser, dann nutze ich sie. Bis dahin funktioniert für mich die Beta-Version des Online-Routenplaners von Goingelectric.de deutlich besser.

Smart

Die Fernbedienungs-App ist endlich fertig! Was Fahrer eines Nissan Leaf seit 2010 in Serie bekamen, vermissten Kia-Fahrer bisher: Akkuanzeige, Temperierung und Routenplanung vom Smartphone aus. Auf diese Funktionen obenauf legt Kia eine Routenübersicht, die jede Fahrt des Autos als Routenübersicht anzeigt, also mit Entfernung, Zeit, Schnitt und Höchstgeschwindigkeit. Vielleicht ließe sich das künftig mit GPS-Fahrdaten und Backend zum Eintragen weiterer Infos ausbauen zur vollwertigen, automatisierten Fahrtenbuch-Führung.

Sie finden die Funktionsdetails der App in der Bildergalerie als Screenshots. Besonders interessant der Registerreiter „Schedule“. Dort trägt der Nutzer seine nächste Abfahrtszeit an, an der die vorgegebene Temperatur und der vorgegebene Ladestand erreicht werden soll (man kann auch zum Beispiel 80 statt 100 Prozent einstellen). Hier gibt es auch die Möglichkeit, günstige Tarifzeiten zum Laden einzutragen. Noch gibt es solche Tarife nicht, doch wenn viel mehr Elektroautos benutzt werden, dürften sie bald folgen – wenn nicht ohnehin ein Smart Grid das Load Balancing des BEV-Ladens zwangsweise vorgibt statt per Kostenanreiz zu locken. Update: Es gibt offenbar doch schon solche Tarife, zum Beispiel beim Anbieter "Awattar".

Allgemein

Wie so vieles bei Kia sticht auch das UVO Connect nicht damit hervor, dass es in irgendeiner Richtung Avantgarde wäre, sondern mit problemloser Funktion. Die Live-Verkehrsdaten sind verlässlich mit einer geringen Fehlerrate. Das Sound-System von Harman Kardon klingt gut und neutral. Die Tachoeinheit könnte schlauer gelöst sein, stört aber auch nicht. Das HUD ist hochauflösend mit gutem Auto-Dimmer.

Kia rundet das System mit Android Auto und Apple Car Play ab und einem Ladeplatz direkt unter der Infotainment-Einheit. Dort stehen 2 USB-Buchsen, eine 12-V-Steckdose und ein induktiver Qi-Charger zur Verfügung. Die Infotainment-Einheit folgt also dem Konzept des Gesamtautos: Es gibt keine krassen „Woah!“-Effekte. Stattdessen gibt es bodenständige Funktion für den Alltagsbetrieb, die selten nervt. Auf lange Sicht macht das wahrscheinlich zufriedener als die modische Design-Lösung.