Volumen-Modell

Test: Land Rover Range Rover Velar

Der Range Rover Velar ist eine Mischung aus SUV und Geländewagen. Einerseits komt er, entsprechend ausgestattet, im Gelände weiter als die meisten SUV, andererseits ist er ein komfortables Reiseauto. Wie schlägt sich der Velar im Alltag?

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(Bild: Pillau)

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Was für ein Umstieg: Auf einen Dacia Duster folgte im Testfuhrpark ein Range Rover Velar. Beide trennen in getesteter Konfiguration rund 90.000 Euro. Dafür kann man allerhand erwarten, was sich an fast allen Stellen auch bestätigt. Im Test: Der Range Rover Velar mit dem 300-PS-Diesel.

Ein Riese

Die nackten Dimensionen beschreiben den Velar nur unzureichend. Mit 4,8 Metern Länge liegt er zwischen Modellen wie dem Volvo XC60 oder dem Audi Q5 (beide rund 4,7 m) und einem BMW X5 (4,92 m). Doch der erste Eindruck besagt: Der Velar liegt gefühlt viel dichter am X5 als an den kleineren Modellen. Ein VW Touran wirkt, aus dem Cockpit des Velar betrachtet, geradezu erschreckend kompakt. Das liegt zum einen an einer wirklich hohen Sitzposition und daran, dass der Brite mit 2,15 Metern Breite (inklusive Außenspiegeln) ziemlich wuchtig geraten ist.

Das merkt man nicht nur in der Stadt, sondern auch auf schmalen Landstraßen sehr schnell: Wo ein Seat Ibiza einfach durchflitzt, muss der Velar-Lenker schon aufmerksamer zielen. Die meisten Interessenten werden sich sicher gut überlegt haben, ob sie so einen Brocken durch ihren Alltag schieben wollen. Ich brauchte ein paar Tage, um mich daran zu gewöhnen und fand den anschließenden Umstieg in ein deutlich kompakteres Auto befreiend. SUV-Fans sollten sich davon nicht abschrecken lassen – ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe dieser Fahrzeuggattung. Wobei man mit dem Begriff SUV hier vorsichtig operieren sollte: Der Velar kann sicher mehr als nur eine feuchte Wiese mit Anstand verlassen. Grenzen dürften Reifen und deren Format setzen.

Klare Positionierung

Die Briten positionieren den Velar an anderer Stelle sehr klar. Der Testwagen war mit der Luftfederung und einem aktiven Sperrdifferenzial ausgestattet. Natürlich gibt es verschiedene Fahrmodi, mit denen sich der Charakter des Wagens ändern soll. Die Unterschiede zwischen Dynamik und Komfort sind stark ausgeprägt und deutlich spürbar. Dennoch zeigen sich die Grenzen des Versuchs, aus einem solchen Riesen mit Gewalt ein Chamäleon machen zu wollen. Ja, im Dynamik-Modus ist der Velar zu einem erstaunlichen Tempo in der Kurve fähig. Das Fahrwerk bietet in diesem Modus mehr Rückmeldung von der Straße, Lenkung und Gasannahme wirken gestrafft – im Vergleich zum Komfortmodus.

Charakter

Doch wie in der Mercedes C-Klasse spricht auch der Velar eine eindeutige Sprache, manch einer nennt das auch Charakter. Das SUV ist auf Komfort ausgelegt, was meines Erachtens genau der richtige Weg ist. Wer unbedingt über kurvige Landstraße hetzen muss, findet anderswo dafür Angebote, die besser geeignet sind als ein voluminöses Zwei-Tonnen-Gerät. Ich finde allein den Versuch einer Sport-Schminke meistens eher peinlich, auch wenn einige Hersteller mit viel Aufwand durchaus beeindruckende Resultate abliefern. Dem Fahrgefühl einer Alfa Romeo Giulia ist so aber noch keiner nahegekommen. Was diese lässig aus dem Handgelenk erledigt, bekommt niemand mit viel Elektronik nachgerüstet. Die meisten SUV-Kunden wissen nicht, was sie da verpassen und werden es wohl auch deshalb nicht vermissen.

Wer in den Komfort-Modus wechselt, innerlich wie im Auto, wird dem Velar viel eher gerecht. Die Federung ist dann flauschig-weich, die Lenkung behelligt den Fahrer nicht mit Informationen, die er bei dieser Gangart ohnehin nicht braucht. Das wirkt ziemlich entspannend, zumal die Geräuschdämmung ganz ausgezeichnet ist. Ein teures, aber auch sehr ordentlich tönendes Soundsystem und bequeme Sitze, die sich in einem großen Bereich verstellen lassen, vervollständigen den Eindruck eines Autos, das sich für lange Strecken empfiehlt. Wenn es unbedingt ein SUV sein muss, dann bitte mit dieser Ausrichtung.