Demonstrationsobjekt

Test Porsche Panamera 4 E-hybrid Sport Turismo

Der Panamera mit Kombiheck und Plug-in-Hybridantrieb mit 462 PS Systemleistung macht in jeder Hinsicht auf dicke Hose. Nur Volumen und Variabilität des Kofferraums enttäuschen angesichts der schieren Größe. Ist er mehr als Hedonismus mit pseudogrünem Anstrich?

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(Bild: Pillau)

Von
  • Christian Lorenz
Inhaltsverzeichnis

Der Panamera ist ein Demonstrationsobjekt. Schon von Weitem signalisiert der Porsche Panamera 4 E-Hybrid Sport Turismo physisch, dass er mit normalen automobilen Maßstäben nicht gemessen werden will. Der Sportkombi ragt in jeder Richtung aus der Standardparklücke heraus. Ein gewiss nicht kleines T-Modell einer Mercedes E-Klasse überragt der Panamera um 116 mm in der Länge und 76 mm in der Breite. Hier will einer seine dicke Hose zeigen und gleichzeitig zeitgemäß sparsam sein, ohne die Traditionen der Marke zu verraten. Kann das gutgehen?

Vollfettstufe

Von der Größe her kann man diesen Sportwagen also nur mit einem Oberklassekombi der Vollfettstufe vergleichen. Der Sport Turismo ist aber die erste Kombivariante von Porsche. Mit seinem Steilheck gibt er eine Art Panamera Variant neben dem Coupé. Für gut 3000 Euro Aufpreis will der Sport Turismo aber nicht vernünftiger, sondern exklusiver positioniert sein. Tatsächlich ist man erst mal erstaunt, wie wenig Platz man auf so viel umbauten Raum unterbringt. Vier Personen sitzen zwar recht ordentlich im Familienporsche, aber ein Gepäckraumvolumen von 425 Litern ist für diese Größe geradezu kümmerlich. Zumal im Hybridfahrzeug die riesige Tasche mit den Ladekabeln den dürftigen Raum empfindlich beschneidet. Auf Knopfdruck vom Kofferraum aus fällt die Sitzlehne automatisch um. Das ist praktisch, aber 1295 Liter maximaler Kofferraum sind für diese Fahrzeuggröße ein Witz. Ein Seat Arona hat Kleinwagenformat und bringt es bereits auf 1280 Liter.

Granturismo-Zugang verschlingt Raum

Aber Benzinköpfe haben möglicherweise einen ganz anderen Zugang. Schließlich ist der Panamera ein Reisesportwagen. Es handelt sich um einen Granturismo klassischen Zuschnitts. Vergleichbar sind vom Layout her allenfalls ein Ferrari GTC4 Lusso oder eine Aston Martin Rapide. Diese Fahrzeuge haben im Lastenheft ganz oben Performance, Traktion und Demonstration des fahrphysisch Machbaren stehen, Platzangebot dürfte dort nur in der Hinsicht vorkommen, dass die Reisequalitäten nicht über Gebühr eingeschränkt werden sollen. Setzt man sich diese Brille auf, zeigt sich im Panamera Sport Turismo nichts weniger als die absolute Perfektion. In keinem Supersportwagen reist man bequemer, keiner ist praktischer. Zu breit? Das hat bei Ferrari 812 Superfast, bei Lamborghini Aventator und Konsorten auch niemanden zu stören. So ein Supersportwagen ist ein Demonstrationsobjekt. Der soll niemandem das Rangieren im Parkhaus erleichtern.

Teure, aber nicht makellose Sitze

In die elektrisch verstellbaren Sportsitze müsste man inkl. Lederbezug und Sitzlüftung knapp 9000 Euro investieren. Das ist nur ein Vorgeschmack auf die umfangreiche Porsche-Preisliste. Trotz seines hohen Preises passt der Sportsitz nicht hundertprozentig. Er zwickt am breiten Rücken des Redakteurs, der zugegebenermaßen nicht wirklich gut in Form ist. Ein Auto dieser Preisklasse sollte den Fahrer auf die eigenen Unzulänglichkeiten aber dezenter hinweisen. Wenn der die Luft der Seitenwangen ablässt, wird es etwas besser. Aber andere Hersteller schaffen es für einen Bruchteil des Geldes, wirklich adaptive Sportsitze mit verstellbaren Seitenwangen anzubieten, wie beispielsweise die Giulia Super von Alfa Romeo.

Hervorragende Verarbeitung

Die Cockpitlandschaft strahlt geradezu vor hochwertigen Materialien und exzellenter Verarbeitung. Dieses Finish ist auch in der absoluten Oberklasse keineswegs selbstverständlich. Der große Touchscreen ist gestochen scharf und wohltuend konservativ in das Cockpit integriert. Die Mittelkonsole ist in Black-Panel-Technologie ausgeführt. Bei ausgeschalteter Zündung wirkt sie wie ein riesiges glanzschwarzes Zierteil. Erst unter Strom werden die vielfachen Aufschriften für die Schalterflächen sichtbar. Drückt man auf die jeweilige Aufschrift, spürt man haptisch tatsächlich so eine Rückmeldung, als würde man einen Taster bedienen. Man kann sich jetzt darüber streiten, ob das toll aussieht. Haben wir auch gemacht, meinen Kollegen Martin überzeugt die Black-Panel-Optik nicht. Ich finde das technisch und optisch faszinierend gemacht.

Tückische Bedienung

In einer Sache sind wir uns aber einig. Bedienen will man sowas nicht während der Fahrt. Da es keine physischen Schalter gibt, ist man gezwungen, die Augen vom Verkehr abzuwenden. Ohnehin ist die ganze Bedienung am Panamera eine Herausforderung. Allein der Tempomat lädt mit seinen drei Programmen, die mit einem Taster vorne am Lenkstockhebel gewechselt werden, förmlich zu Fehlbedienungen ein. Mir ist es zunächst nicht gelungen, das Radio auszuschalten. Man muss auf die Walze für die Lautstärkenverstellung drücken. Bei ausgeschalteter Zündung läuft zwar das Radio noch, lässt sich aber nicht mehr in der Lautstärke verstellen.

Nach eingängigem Studium der Bedienungsanleitung und täglicher Nutzung kann man mit dem Panamera vielleicht auch ganz gut zurechtkommen. Intuition führt hier aber gar nicht weiter. Für das Fahrwerk hat Porsche Walter Röhrl, der die Fahrzeuge mit einer unglaublichen Kombination aus Querdynamik und Fahrbarkeit ausstattet. So jemanden brauchen sie in Zuffenhausen und Weissach unbedingt auch für die Bedienung. Ein BMW M550d zeigte trotz mehr Funktionen, wie es intuitiver geht. Beim Porsche sah ich mich durch die Bedienung ständig vom Fahren abgelenkt. Das ist schlecht für die Fahrsicherheit und nervt.