Prinzip Baukasten

Test: Skoda Karoq 2.0 TDI

Der neue Skoda Karoq ist eine Mixtur bekannter Zutaten, die einigen Konkurrenten schwer zu schaffen machen wird. Das Kompakt-SUV überrascht an keiner Stelle und wird vielleicht gerade deshalb gefragt sein. Im Test die sicher beliebte Kombination 2.0 TDI, DSG und Allradantrieb

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(Bild: Florian Pillau)

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Erfahrene Propheten warten die Ereignisse ab, stellte Horace Walpole einst weise fest. Ich durchbreche diese kluge Erkenntnis an dieser Stelle einmal und sage voraus, dass der Volkswagen-Konzern in diesem und im kommenden Jahr den SUV-Markt aufrollen wird. Dabei hilft ihm seine Plattform-Strategie, also ähnliche Technik-Zutaten unter verschiedene Hüllen und Marken zu stecken, ganz enorm. Heraus kommen dabei zwar nicht unbedingt sonderlich kreative oder spannende Fahrzeuge, aber erfolgreiche - und das ist das, was für den Konzern letztlich zählt.

So wird es schlussendlich von allen großen Volkswagen-Marken, also Skoda, VW, Seat und Audi SUV-Setzlinge in verschiedenen Größen zwischen etwa 4,15 bis 4,7 Metern Außenlänge geben. Leichte Unterschiede bei Machart und Motoren verdecken dabei etwas den Umstand, dass sie alle auf dem Modularen Querbaukasten basieren. Im Fokus der Kunden stehen dabei aktuell besonders die kleinen Modelle bis etwa 4,2 Metern Länge und die Mittelklasse mit rund 4,4 Metern. Ein typischer Ableger der zweiten Kategorie ist der Skoda Karoq, der etwa so groß ist wie der Seat Ateca. Wir holten uns den Karoq mit dem bekannten Zweiliter-Diesel, Allradantrieb und DSG für einen Test in die Redaktion. Eine Kombination aus bekannten Zutaten, die sicher gefragt sein wird.

Kein Nachfolger für den Yeti

Vielfach ist inzwischen zu lesen, der Karoq sei der Nachfolger des Yeti. Doch ganz so einfach ist es nicht: Es ist ein SUV von Skoda auf dem Weg in die Serienfertigung, was den Abmessungen des Yeti viel näher ist als der deutlich größere Karoq. Der spielt mit 4,38 Metern Länge eine Klasse oberhalb des Yeti. Abgesehen davon wirkt vieles am Karoq wie eine Kleinausgabe des voluminösen Skoda Kodiaq - innen wie außen. Ob man das nun mag oder nicht: Viel einfallsloser geht es in gestalterischer Hinsicht nicht. Als einen Lichtblick haben alle in der Redaktion die Farbe des Testwagens empfunden, was auch an der grau-schwarzen Bestückung unseres Büroparkplatzes liegen könnte. Das kräftige Rot hätte es verdient, öfter bestellt zu werden. Aktuell nicht mehr lieferbar sind die Alcantara-Bezüge der sehr bequemen Sitze. Hier gibt es aktuell offenbar einen Lieferengpass.

Interne Konkurrenz

In meinem dörflich geprägten Wohnumfeld steht, zumindest gefühlt, in jeder zweiten Auffahrt ein Octavia. Seine Argumente ziehen noch immer: Auf rund 4,67 Metern Außenlänge bringt er ein hervorragendes Platzangebot unter und ist, trotz eines in den vergangenen Jahren deutlich angehobenen Preisniveaus, noch halbwegs bezahlbar. Der Karoq dürfte ihm Konkurrenz machen, nicht nur wegen seines modischen Formats. Sein Radstand ist 48 mm kürzer, doch im Alltag muss sich eine Familie mit zwei Kindern kaum einschränken - dabei ist der Karoq fast 30 cm kürzer als ein Octavia. Das ähnlich gute Platzangebot liegt auch daran, dass der Abstand zwischen Fahrzeugboden und Sitzfläche im SUV etwas größer ist. Eine prinzipiell nette Idee sind die längs verstellbaren Rücksitze.

Variabel

Das Kofferraumvolumen gibt Skoda mit 521 Litern an, sofern die verschiebbaren Rücksitze nicht eingebaut sind. Andernfalls variiert das Volumen je nach Position der Sitze im Fond zwischen 479 und 588 Litern. Gemessen haben wir zwischen den Radhäusern 101 cm, in der Höhe 50 cm und in der Länge zwischen 85 und 100 cm.

Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut, nur zwei Kleinigkeiten sind uns aufgefallen. Zum einen schlug die mit Kunstleder bezogene Sitzwange auf der Fahrerseite leichte Falten. Zum anderen gab es auf der Beifahrerseite zwischen Polster und Verkleidung einen hässlichen Spalt - nicht ganz so dramatisch wie in der E-Klasse, aber es kostet sicher nicht viel mehr, das bündig abschließen zu lassen. Die unverkleidete Platte auf der Unterseite des Einlegebodens im Kofferraum sieht nicht gerade elegant aus. Der glänzende Kunststoff in der Mittelkonsole hatte im noch jungen Testwagen schon feine Kratzer. Etwas funzelig fand ich die Beleuchtung hinter den Sonnenblenden, und ein bißchen knauserig, dass es kein Stückchen Stoff an die Türverkleidung geschafft hat.