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Test TomTom Rider 450

Den Rider 400 konnte man den meisten Motorradfahrern empfehlen, denn er hatte zwar seine Macken, war dafür aber auch etwas günstiger als die Konkurrenz bei Garmin. Die Macken blieben, es kam kaum Neues

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  • Clemens Gleich

TomToms neue Navi-Lösungen ab dem Rider 400 für Motorräder empfehle ich häufig, weil man zwar Besseres kaufen kann fürs Motorrad, dafür aber so viel mehr zahlt, dass es sich nur für wenige Fahrer lohnt. Erfahrene Tourenfahrer greifen zum Beispiel häufig lieber zu Garmins Zumo 595. Ich bin selber über 20.000 km auf dem Rider 400 gefahren, das meiste davon überland. Jetzt gibt es ein Update für den Rider, den TomToms Agentur so groß ankündigte, dass man dachte, jetzt haben sie einen großen Sprung gewagt. Dem ist nicht so, es gibt nur kleine Änderungen.

Empfindlichkeiten

Am auffälligsten sind die stilgebenden Aluspangen. Sie sind jetzt nicht mehr silber, sondern spacegrau, um es im Apple-Terminologie auszudrücken. Hauptsächlich spendierte TomTom eine Einstellung zur Touch-Empfindlichkeit. Der Nutzer kann nun zwischen dickeren und dünneren Handschuhen wählen. Die empfindlichere Einstellung (dickere Handschuhe) funktioniert tatsächlich besser bei dünnen Sommerhandschuhen. Sie erhöht allerdings auch die Empfindlichkeit gegenüber Regen. Regentropfen bedienen bei TomToms Rider gern das Gerät. Im Rider 410 versuchte TomTom, das mit einem weniger empfindlichen Display zu lösen, das dann mit Handschuhen noch schlechter bedienbar war. Jetzt gibt es die Auswahl.

Mit Winterhandschuhen lässt sich das Gerät auch weiterhin gar nicht bedienen. Man muss seine gesamte Fingerfläche benutzen, also eine mehrere Quadratzentimeter große Fläche zur Bedienung von Knöpfen verwenden, die meistens unter einem Viertel Quadratzentimeter groß sind. Ich ziehe winters die Handschuhe immer aus. Bei nassem Display lässt sich der Rider weiterhin auch ohne Handschuhe sehr schlecht bedienen. TomToms Werbeversprechen "Dieses Display reagiert sogar bei Regen schneller und genauer auf Berührungen" wirkt da schon etwas dreist. Es reagiert bei starkem Regen nämlich oft gar nicht mehr auf die Finger.

Man kann die Empfindlichkeit jetzt hochstellen für die Handschuhbedienung. Dann steigt aber auch die Regenempfindlichkeit.

TomTom wollte einfach über alle Geräte kapazitive Touchscreens, die bleiben ein großer Nachteil für Motorradfahrer. Es gibt schon einen Grund, warum Garmin im Zumo 590 bzw. 595 einen resistiven Touchscreen auf einem transflexiven, hintergrundbeleuchteten Display anbietet: teuer, aber funktional auch mit Winterhandschuhen. Die maximale Helligkeit des TomTom-Displays macht es in direkter Sonne gerade noch ablesbar. Hier keine Änderung. Neu ist eine Helligkeitsregelung, vorher gab es nur ein Abdunkeln der Lampe beim Umschalten auf die Nachtfarben.

Nichts wirklich Nützliches

Neu sind auch mehr Points of Interest, die teilweise schon auf der Übersichtskarte gezeigt werden. Dazu gehören Einstiegs-Marker für schöne Motorradstrecken, die allerdings viel zu selten sind. Im getesteten Schwarzwald müsste da viel mehr markiert sein. Der Rest sind Kooperationen: MoHo, Bikerbetten, Tourenfahrer-Hotels (Unterkünfte), Tourenfahrer-Treffpunkte, Tourenfahrer-Museen. Die Tourenfahrer-Pässe schlugen im Mittelgebirge noch nicht aus. Freie Wahl bei dieser Anzeige gibt es nicht, nur die genannten Optionen. Und schließlich sind einige Rundrouten vorinstalliert (für den gesamten Schwarzwald genau eine). Insgesamt nichts wirklich Nützliches dabei.

Beim Kern, dem Routing, hat sich außer einer Warnung vor Unfallschwerpunkten oder Stau-Enden leider nichts getan, auch nicht bei der vielbenutzten Funktion "spannende Route" (sucht kurvige Strecken, je nach Einstellung bevorzugt über Höhenunterschiede). Sie findet dieselbe Mischung wie vorher: Meist recht umständliche Wege, manchmal eine tolle Teilstrecke, auf die man selber nicht gekommen wäre. Damit bleibt der Rider das Gerät der Wahl für alle, die ein robustes Krad-Navi suchen und mit einigen Mankos leben können. Wer einen Vorgänger hat, behält ihn am besten, denn er findet hier nichts, das einen Neukauf (ab 400 Euro) wert wäre. (cgl)