Nach detaillierter Untersuchung ist Toyota rehabilitiert – zu einem hohen Preis

Teure Genugtuung: NASA-Gutachten entlastet Toyota

Eine von der US-Verkehrs­sicher­heits­behörde in Auftrag gegebene Studie der NASA entlastet Toyota: Nicht elektronische Fehler waren am "ungewollten Beschleunigen" schuld, sondern Mensch und Mechanik

Lesezeit: 7 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 58 Beiträge
3 Bilder
Von
  • ggo
Inhaltsverzeichnis

Detroit/Tokio, 9. Februar 2011 – Eine Untersuchung der NASA, in Auftrag gegeben von der US-Behörde NHTSA, entlastet Toyota von dem Vorwurf, die "ungewollte Beschleunigung" einiger ihrer Fahrzeuge hätte mit Mängeln in der Elektronik zu tun. Verkehrsminister Ray LaHood hatte die "anspruchsvollste Untersuchung einer Fahr­zeug­elektronik, die jemals ein Regierungsbehörde durchgeführt hat", im März 2010 in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Nur ein Unfall kann definitiv auf ein verklemmtes Gaspedal zurückgeführt werden und nicht ein einziger auf ein elektronisches Versagen.

Keine elektronischen Fehlfunktionen

Experten der NASA, die in den USA einen exzellenten Ruf genießen, sollten herausfinden, ob das E-Gas bei Toyota-Fahrzeugen irgendwelche Schwächen aufweist, die ein ungewolltes Beschleunigen herbeiführen können. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte der NASA-Ingenieur Michael Kirsch: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich bei den Untersuchungen der NASA keine Beweise für elektronische Fehlfunktionen finden ließen, die ein starkes ungewolltes Beschleunigen hätten hervorrufen können, wie dies von Autofahrern beschrieben wurde".

Der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA wurden seit 2004 etwa 3000 Fälle so genannter "unintended accelerations" gemeldet. Laut Ray LaHood gab es dabei ganze fünf Fälle, bei denen eine Fehlfunktion nachzuweisen ist, die allerdings durch verrutschte Fußmatten und klemmende Pedale verursacht wurden, also rein mechanische Fehler waren. Zwischen 2009 und 2010 hatte Toyota weltweit mehr als 16 Millionen Fahrzeuge wegen dieser Mängel zurückrufen müssen. In den USA musste Toyota Strafen von fast 50 Millionen Dollar zahlen, weil der Autobauer die Probleme nach Meinung von Ray LaHood nicht rechtzeitig gemeldet hatte, schreibt die dpa.

Das falsche Pedal erwischt

Der Report des NHTSA legt nahe, dass in vielen Fällen die Autofahrer selbst die ungewollte Beschleunigung herbeigeführt haben. In den meisten untersuchten Fällen habe sich ergeben, dass das ungewollte Beschleunigen aus dem Stand heraus oder bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten erfolgte, und zwar bei kräftig betätigtem Gaspedal. Mit anderen Worten: Viele Autofahrer haben herzhaft Gas gegeben, anstatt wie beabsichtigt auf die Bremse zu treten. Der NHTSA-Report gibt zudem Hinweise darauf, dass die öffentliche Diskussion die Wahrnehmung von Mängeln durch Autofahrer überhaupt erst befeuert hat, ein Umstand, den die Washington Post übrigens als politisch verursachte Hysterie bezeichnet, weil zum Beispiel die Anhörungen von Toyota-Präsident Akio Toyoda vor dem Kongress mehr auf Schlagzeilen als auf Aufklärung abgezielt hätten.