Unterwegs im Volkswagen Passat GTE

Länge läuft

Sind zwei Motoren in einem Auto wie dem Passat die Zukunft oder nur eine Brücke dorthin? Rund 1000 Kilometer beantworten diese Frage nicht vollständig, geben aber Hinweise darauf, wie massenkompatibel Plug-in-Hybrid sein können

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  • Christoph M. Schwarzer
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Hamburg, 18. März 2016 – Über Berlin scheint die Sonne. Bei neun Grad plus fließt der Strom aus der Ladesäule Veteranenstraße 25 in die Batterie des Volkswagen Passat Variant GTE. Das dauert hier gut zwei Stunden. Nach dem Start in Richtung Westen, einmal durch die ganze Stadt und bis zur Autobahn A2, fährt der GTE ohne Verbrennungsmotor. Das macht er automatisch, sobald Energie im Speicher ist. Erst hinterm Dreieck Nuthetal springt der Vierzylinder-TSI an. Nach 41,8 Kilometern. Immerhin, genug um in Deutschlands größter Stadt keine lokalen Abgase zu erzeugen. Aber kann das Konzept des Plug-In-Hybrids aufgehen in einem Auto, das eigentlich für die lange Reise gemacht ist? So viel vorweg: Auch der Passat GTE bringt alle Vor- und Nachteile dieser Antriebsmischwesen mit sich. Dennoch wirkt er in sich stimmiger und harmonischer als zum Beispiel der Golf GTE.

Für kühle Rechner ist der Wagen nichts. Mit einem Grundpreis von 45.250 Euro (Testwagenlistenpreis: 60.346 Euro) ist eine monetäre Amortisation gegenüber einem TDI beim aktuellen Dieselkurs nicht darstellbar. Denn die Realität hinterm Normverbrauch von 1,6 Litern ist ernüchternd: Der Benzinverbrauch lag – alle Werte in diesem Bericht sind jeweils auf 100 Kilometer hochgerechnet – bei durchschnittlich 7,2 Litern Super, und der Stromkonsum betrug inklusive Ladeverlusten im Mittel 26,5 Kilowattstunden (kWh). Das ist weniger als bei einem im Spätsommer gefahrenen Mercedes C350e, den der VW auch in der elektrischen Reichweite spürbar übertrifft, aber trotzdem schwach in Relation zu Autos, die entweder auf den Ladestecker verzichten (Toyota Prius Plus bei Spritmonitor: 5,6 Liter) oder ausschließlich Batterie-elektrisch unterwegs sind.

Die eingangs genannten 41,8 Kilometer waren im Test der beste Wert. Dieser wurde auf Winterreifen und grundsätzlich mit eingeschalteter Klimaautomatik (21 Grad) sowie ohne Verzicht auf andere Verbraucher gefahren. Die niedrigste elektrische Reichweite von 30,6 Kilometern war das Ergebnis einer bewussten Provokation: Der Passat GTE wurde nachts und bei null Grad auf der Straße geparkt; die Aufheizphase forderte so ihren Tribut.

Exzellenter Gesamtkomfort

Anders als beim Golf GTE fiel das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe im elektrischen Betrieb nicht durch unangenehme Schaltrucke auf. Auch im Hybridbetrieb, also beim häufigen Ein- und Ausschalten des TSI-Motors, waren die Übergänge sanft; hier hat Volkswagen – anders als beim Verbrauch – inzwischen mit den Toyota-Hybriden gleichgezogen, wobei die Geräuschdämmung des VWs den Japanern und auch dem Golf GTE überlegen ist.