Unterwegs im spürbar verbesserten Toyota Yaris Hybrid

Knauserkaiser

Die Überarbeitung des Hybrid-Kleinwagens von Toyota nach nur zwei Jahren gibt erneut Gelegenheit, die üblichen Klischees bezüglich Toyota-Hybridautos und ihren Fahrern zu überprüfen. Dabei wird klar: Die Modellpflege hat viel gebracht. Steckte der Antrieb in einem VW Polo, würde er sich rasant verkaufen

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Hybridantrieb 15 Bilder
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  • Christoph M. Schwarzer
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Hamburg, 5. März 2015 – Hybridschleicher, elende! Die Fahrer vom Prius und dessen vielfältigen Derivaten blockieren mit 112 km/h die Mittelspur auf der Autobahn, lallen auf jeder Party von ihren Rekordverbräuchen, und wenn dann doch mal Gas gegeben wird, brüllen die Toyota-Motoren gequält auf. So viel zum Klischee. Wir stiegen in den überarbeiteten Yaris Hybrid ein, um zu prüfen, was von den 3,3 Litern Laborwert übrig bleibt, ob die Schwächen der ersten Generation beseitigt werden konnten – und ob die vorgefertigten Bilder im Kopf stimmen.

Das Feinste am Toyota Yaris Hybrid ist und bleibt der Antriebsstrang. Er hat die Note 1 verdient. Weil er sophisticated ist, wie die Briten sagen würden: Eine Mischung aus kultiviert, durchdacht, weltgewandt (oder besser: welterfolgreich) und für hohe Ansprüche geeignet. Nach dem Kaltstart in der Stadt läuft der Verbrennungsmotor auf etwa dem ersten Kilometer permanent. Bei den aktuellen Temperaturen, die im Testzeitraum zwischen minus zwei und plus elf Grad schwankten, macht der Vierzylinder-Saugmotor mit 1,5 Litern Hubraum zuerst sich selbst und den Innenraum warm. Danach beginnt das Vergnügen: Unterhalb von circa 65 km/h fährt der Yaris Hybrid immer dann rein elektrisch, wenn die Leistung des Elektromotors (ja, ja, es sind genau genommen mindestens zwei) und der Ladestand der Batterie ausreichen. Das ist häufig im Schiebebetrieb, also beim vom Gas gehen, sowie beim Bremsen der Fall. Aber auch, wenn sanft beschleunigt oder die Geschwindigkeit gehalten wird.

Simples, aber effizientes Prinzip

Das Grundprinzip der Toyota-Hybride ist bekannt und bewährt. Durch die Rekuperation, also die Bremsenergierückgewinnung, über die als Generator funktionierende E-Maschine wird die Pufferbatterie geladen. Der konservative Nickel-Metallhydrid-Akku passt ohne Kofferraumeinschränkung unter die Rücksitzbank. Seine Stärke ist die Dauerhaltbarkeit. Er treibt den 45 Kilowatt starken Elektromotor an, der einem landläufigen Irrtum nach den Benziner unterstützt. Betrachtet man den Aufbau des kupplungsfreien Planetengetriebes, wird schnell klar, dass es eigentlich umgekehrt ist. Denn der Elektromotor läuft immer, während es der Verbrenner nur manchmal tut. Und weil die Maximaldrehzahl der E-Maschine begrenzt ist, kann der Yaris Hybrid lediglich 165 km/h schnell fahren. Ähnliches gilt für den Prius; erst bei den schnellen Lexus-Varianten legt der Toyota-Konzern einen zweiten Gang für hohe Topspeed ein.