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VW Golf Facelift

Viele Neuerungen bringt die Überarbeitung des VW Golf 7 nicht, was angesichts des weiteren Fahrplans nicht verwundert: Schon im Herbst 2018 dürfte der Nachfolger auf den Markt kommen. Vorerst müssen neue Motoren und Unterhaltungselektronik sowie etwas Schminke reichen

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(Bild: VW)

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  • Christoph M. Schwarzer
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Ein Facelifting ist gelungen, wenn der Patient frischer wirkt, in seiner Identität aber unverändert ist. Überträgt man diesen menschlichen Maßstab aufs Auto, verdient Volkswagen für die Aktualisierung des Golfs eine Bestnote bei der Wiedererkennbarkeit. Ironie off: Selbst Kenner sehen kaum Unterschiede. Radikale Schritte wären ohnehin nur das Zeichen eines schwachen Grunddesigns, mögen Befürworter dieser nur zaghaften Veränderungen argumentieren.

Die Formensprache ist für Volkswagen ohnehin zweitrangig, die Pressestelle nennt die Modellpflege ein „Update”. Dieser Begriff aus der Softwaresprache soll – quasi als Golf digital – den Fokus auf die Assistenz- und Infotainmentsysteme lenken. Das Wort Update erinnert aber auch an die bitteren Probleme bei der Einhaltung von Abgasnormen auf und abseits der Homologationsprüfstände.

Optisch beschränken sich die Abweichungen im neuen Verkaufsjahr auf kleine Änderungen an den Stoßfängern. Alle Versionen des Golfs haben ab sofort LED-Rückleuchten. Vorne sind neue Halogenscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht serienmäßig, und gegen Aufpreis ersetzen Voll-LED-Scheinwerfer die aussterbende Xenon-Technik. Im Innenraum gibt es neue Stoffe, für den Lack andere Farben. Das Übliche. Um diesen Golf zu verstehen, ist ein Blick auf die Bredouille wichtig, in der Volkswagen sich befindet.

Volkswagen unter Druck

Seit seiner Vorstellung Ende 2012 ist der Golf VII ein voller Erfolg. Europas meistverkauftes Auto ist kein aufregendes, aber eines mit nur wenigen Schwächen. So war es in der Golf-Geschichte schon öfter, und VW ist damit gut gefahren. Dazu kommt: Obwohl die Rendite bei Volkswagen relativ niedrig ist, wird mit dem Golf Geld verdient. Never change a running system.

Nach Dieselgate aber, dem Bekanntwerden der Manipulationen bei TDI-Motoren, ist in Wolfsburg alles anders. Die Milliardenkosten für die US-Kunden, die gigantische Rückrufaktion in Europa und die ausstehenden Klagen von Aktionären sind eine schwere Last. Gleichzeitig steigt der Entwicklungsaufwand. Mit der Scharfschaltung des Straßentests Real Driving Emissions (RDE) ab September 2017 („Stufe 1“, erlaubter Abweichungsfaktor 2,1) sowie der Abgasnorm Euro 6c (für neu zugelassene Kfz ab 1. September 2018 gültig) kommen zwei gesetzliche Hürden auf den Golf zu. Hier werden sich die Ingenieure keine Blöße geben können.