Der zweite VW Touran mit dem kleinen 1.6 TDI im Test

Spielfrei

Für Familien scheint ein Auto wie der Touran wie die Quadratur des Kreises: Außen gerade noch kompakt, innen riesig, dabei nicht vollkommen überteuert und mit dem kleinen Diesel potenziell sparsam. Bleibt die Fahrfreude bei soviel Vernunft auf der Strecke?

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 58 Beiträge
28 Bilder
Von
Inhaltsverzeichnis

München, 15. April 2016 – Am Anfang eines Autofahrerlebens scheint die Zeit unendlich zu sein. Jene Zeit, in der Sprüche wie „das Leben ist zu kurz für Autos mit Frontantrieb“ ebenso nah sind wie Gedanken an einen „Pampersbomber“ fern. Die Prioritäten ändern sich mitunter ziemlich plötzlich, was nicht nur eine Frage des Alters ist. Mit mehr als einem Kind mitten in einer Großstadt wird das Verhältnis von äußeren Abmessungen und Platzangebot zu einem wichtigen Kriterium. Schließlich wird man froh über jeden Zentimeter sein, für den man abends keine Parklücke suchen muss. Seit dem Ende von Frontlenker-Minibussen wie dem deutlich kürzeren Mitsubishi L300 beantwortet keine Fahrzeuggattung diese Frage so überzeugend wie ein Minivan. Trotz insgesamt rückläufiger Zulassungszahlen ist ein kleiner Van für Familien noch immer erste Wahl. Marktführer ist seit vielen Jahren der VW Touran, obwohl er dieses Vertrauen gerade in den ersten Jahren nicht Qualität und Zuverlässigkeit gerechtfertigt hat. Im vergangenen Jahr wurde er erstmals auf eine neue Plattform gestellt. Damit hat sich VW reichlich Zeit gelassen, schließlich stammt der Kern des ersten Tourans aus dem Jahr 2003. In der automobilen Zeitrechnung ist das unglaublich lange, was vermuten lässt, dass sich eine Menge verändert hat. In unserem Test bestätigte sich diese Annahme aber nur zum Teil.

Keine Herzensangelegenheit

Aus optischen Gründen dürfte wohl kaum jemand einen Touran kaufen. Der Vorgänger war pragmatisch gestaltet, der Neue ist es auch. Die Form ordnet sich komplett der Funktion unter, was zu einem Auto dieser Klasse passt. Dem Wagen den Charme einer leeren Wäscheleine vorzuwerfen, klingt ziemlich ungerecht, eine Herzensangelegenheit wird er aber optisch wohl nie werden. Dabei hat die Kastenform durchaus Vorteile: Da sie nie modisch war, altert sie optisch auch nicht ganz so schnell. Zudem bietet der Touran mehr Platz als vergleichbar lange Kombis – viel mehr Platz.

Mehr Platz

Der zweite Touran ist rund 11 cm länger als sein Vorgänger. Dieser Zuwachs wurde nahezu komplett in einen längeren Radstand investiert. Schon im Vorgänger herrschte wahrlich kein Platzmangel, und der Neue übertrifft ihn diesbezüglich noch einmal deutlich. Menschen mit langen Beinen werden registrieren, dass sie die Vordersitze ein paar Zentimeter weiter nach hinten schieben lassen. Ein Kollege von mir hat sich einen der letzten alten Touran gesichert, der Unterschied ist deutlich zu merken: Dort finde ich keine Sitzposition, die mich dauerhaft glücklich macht. Im Neuen ist das kein Problem. Die hinteren Sitze lassen sich ebenfalls in einem weiten Bereich verstellen. Mehr Platz bietet in dieser Klasse keiner, für ein deutlich größeres Raumangebot müsste man zu einem Bus wie dem T6 greifen.