Zwergenaufstand

Vergleichstest: KTM Duke 390 vs. Kawasaki Ninja 400

Für Freude am Fahren braucht es mitunter nicht viel. Dies zeigen KTM Duke 390 und die neue Kawasaki Ninja 400 eindrücklich. Beide bereiten mit guten Motoren und feinen Fahrwerken reichlich Spaß. Unterschiede im Detail gibt es dennoch

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  • Michael Praschak
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Dank der 2013 eingeführten A2-Regel kommt richtig Bewegung in das untere Ende der Nahrungskette: Yamaha, Kawasaki, KTM und Co. haben inzwischen kleinmotorige Maschinen im Programm. Die leisten zwar nicht mit den vollen 48 PS, die in A2 erlaubt wären. Aber beim Leistungsgewicht liegen sie teilweise sehr nahe an den maximal zulässigen 0,2 kW pro Kilogramm Leermasse (nicht Trockengewicht!). Zwei besonders drahtige Sportler sind die KTM Duke 390 und die neue Ninja 400, die die A2-Regelung fast bis aufs Gramm ausreizen. Ein guter Grund, sich die beiden Leichtgewichte einmal genauer anzuschauen.

Kawasaki setzt schon lange auf vollwertige und sportliche Motorräder mit kleinem Hubraum, um Führerschein-Neulinge und 125er Umsteiger mit dem Supersport-Virus zu infizieren. 1989 brachten sie mit der ZXR 400 eine geschrumpfte Version des 750er Supersportlers, 2008 folgte dann mit der Ninja 250R der erste 250-cm3-Viertakter mit Vollverkleidung im Sportler-Look. Nachdem die Einsteiger-Ninja seit 2013 von einem 300-cm3-Zweizylinder befeuert wurde, machte Kawasaki zur Saison 2018 die 400 cm3 wieder voll und präsentiert mit der Ninja 400 ein von Grund auf überarbeitetes Motorrad.

Mehr Raum

Die Neue hat mit der bisherigen Dreihunderter wirklich kaum mehr etwas gemein. Wie umfangreich die Änderungen ausfallen, sieht man sofort. Die Designer der Ninja 400 ließen sich von der hauseigenen Modellpalette inspirieren und bedienten sich nicht nur bei der Gestaltung der Verkleidung an bereits bekannten Kawasaki-Stilelementen, sondern auch bei den Anbauteilen. So erinnert der LED-Doppelscheinwerfer der Neuen an die ZX-10R, das Cockpit ist der Ninja 650 entlehnt und die Verkleidungslippen an der Front sowie das Design des Hecks wurden von der H2 inspiriert. Abgerundet wird das ganze durch den Endtopf, der an den der Z900 erinnert. In Summe ist das Design nicht nur gelungen, die kleine Ninja wirkt optisch nun auch deutlich erwachsener.

Im Vergleich zur Vorgängerin leistet der neue Motor ganze sechs PS mehr. Bei 10.000/min sind es nun 45 PS. Das maximale Drehmoment von 38 Nm steht bereits bei 8000/min an. Keine Urkräfte, aber der Ninja kommen weitere Änderungen zugute. Auch an einer Gewichtsreduzierung wurde gearbeitet. Dank des neuen Trellis-Stahl-Gitterrohrrahmens, der den Motor als tragendes Element mit aufnimmt, des leichteren Motors sowie weiterer Einsparungen an Tank, Sitzbank, Felgen und Gabelbrücke ist die Ninja 400 mit 168 Kilogramm fahrfertig sechs Kilogramm leicht als ihr Vorgängerin – und das trotz des nun verbauten ABS und der Euro-4-Auspuffanlage. Damit reizt sie die A2-Regelung mit 45 PS fast, beim Leistungsgewicht sogar annähernd vollständig aus. Ist die Ninja damit die neue A2-Königin?

Orange Power

Bereits 2017 schickte KTM eine überarbeitete Version der 390 Duke ins Rennen. Auch die Österreicher setzten alles daran, das Maximum für die Einsteiger aus dem orangenen Einzylinder herauszuholen. Wobei Markenname und Farbe hier ein wenig über die Herkunft der Duke hinwegtäuschen. Das Motorrad wird in Indien gebaut.

Auch für die Duke 390 stand das Flaggschiff der sportlichen Produktpalette Modell, hier sind die Ähnlichkeiten aber noch deutlicher ausgeprägter. Wurden bei der Ninja an der Front nur Stilelemente von H2 und ZX-10R übernommen, trägt die Duke fast eins zu eins das Gesicht der großen Super Duke. Und auch sonst sind die Ähnlichkeiten deutlich. Egal, ob Tank oder Seitenverkleidung, WP-Gabel oder Gitterrohrrahmen, alles wirkt fast so, als wäre es direkt von der großen Schwester übernommen worden. Nur einen Tick kleiner.

Bei den Innereien sieht die Welt natürlich anders aus. Der 373 cm3 große Einzylinder bewegt sich leistungsmäßig zwar mit der Ninja 400 auf Augenhöhe, mit seinen 43,5 PS und den 37 Nm Drehmoment liegt aber weit von der brutalen Super Duke (177PS / 141 Nm!) entfernt. Sehr weit sogar. Das trifft aber zum Glück auch auf das Gewicht zu. Mit ihren 149 Kilogramm Trockengewicht zählt die Duke zu den absoluten Leichtgewichten und dürfte tatsächlich kein Kilogramm leichter sein, da man sie für den A2-Führerschein sonst tatsächlich noch drosseln müsste.