Der große Kleine

Vor 60 Jahren kam der Mini. Er wurde 41 Jahre gebaut

Als 1956 eine weltweite Ölkrise ausbrach, beauftragte der britische Fahrzeughersteller BMC den Ingenieur Alec Issigonis einen sparsamen Kleinwagen mit Platz für vier Personen zu entwerfen. Heraus kam der legendäre Mini. Er sollte 41 Jahre lang gebaut werden

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Es ist erstaunlich, wie aus einem Problem eine Erfolgsstory erwachsen kann. Als 1956 wegen der Schließung des Suezkanals durch Ägypten eine weltweite Ölkrise ausbrach, beauftragte der britische Fahrzeughersteller BMC den Ingenieur Alec Issigonis einen sparsamen Kleinwagen mit Platz für vier Personen zu entwerfen. Heraus kam ein radikales Konzept – der Mini. Der heute legendäre Kleinstwagen sollte 41 Jahre lang gebaut werden und es auf eine Produktionszahl von 5,4 Millionen Stück bringen.

Als im Zuge der weltweiten Ölkrise in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre die Spritpreise an den Zapfsäulen in die Höhe schossen, brachen die Verkaufszahlen der Autohersteller ein, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam wieder erholt hatten. Lediglich Minimobile wie etwa der Messerschmitt Kabinenroller oder Kleinstwagen zwischen Fiat 500 und Citroën 2CV konnten sich über mangelnden Absatz nicht beklagen. Der damalige BMC-Chef Leonard Lord ordnete deshalb die Entwicklung eines britischen Kleinstwagens an. Er legte fest, dass das zukünftige Auto in eine Kiste mit den Seitenlängen von 10 x 4 x 4 Fuß (entsprechend 328 x 131 x 131 Zentimeter) passen musste, davon sollten die Passagiere 180 Zentimeter nutzen können. Als Motor musste aus Kostengründen ein bereits existierender gewählt werden.

80 Prozent der Länge ist Innenraum

Die Vorgaben stellten den Ingenieur Issigonis (er wurde 1969 für seine Verdienste von der Queen geadelt und durfte sich fortan „Sir Alec“ nennen) vor nicht geringe Probleme, aber er löste sie mit Bravour durch eine geniale Idee: Er baute den Motor quer ein und flanschte das Getriebe unter den BMC-A-Serien-Vierzylinder, der die Vorderräder antrieb, sodass 80 Prozent der Länge des Autos für die Passagiere und das Gepäck zur Verfügung standen. So etwas hatte es bislang nicht gegeben und der Quermotor mit Frontantrieb (allerdings ohne das darunter liegende Getriebe) sollte wegweisend werden – zunächst für Kleinwagen, heute setzt sich das Konzept bis in die obere Mittelklasse durch.

Der leitende Fahrwerks-Ingenieur im Entwicklungsteam, Jack Daniels (der Mann hatte nichts mit der Whisky-Marke zu tun), wählte aus Platzgründen kegelförmige Gummielemente statt Stahlfedern. Der Mini rollte auf winzigen 10-Zoll-Rädern, deren Reifen von Dunlop eigens entwickelt worden waren, und zusammen mit seiner ausgeklügelten Vor- und Nachspur ergab sich eine extreme Wendigkeit und ausgezeichnete Straßenlage für das kleine Auto. Der BMC-A-Serien-Motor hatte 848 cm3 Hubraum und trieb mit 33 PS den nur 580 Kilogramm leichten Mini an. Er erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und verbrauchte vor allem wenig Benzin. Die Klappe des kleinen Kofferraums war unten angeschlagen, um sie für sperriges Gepäck notfalls offen lassen zu können. Es passten tatsächlich vier Personen in das zweitürige Auto, allerdings war der Zugang zur Rückbank mühsam und es herrschte dort drangvolle Enge.

Marken- und Namensvielfalt

BMC stellte den Mini im April 1959 vor, der Verkauf begann am 26. August 1959. Er wurde über die beiden BMC-Marken Austin und Morris vertrieben. Je nach Exportland wurde der Kleinwagen unter verschiedenen Modellnamen angeboten, etwa als Morris Mini Minor oder Morris 850, Austin 850, Austin Mini oder Austin Seven. Die Nachfrage nach dem nur 305 Zentimeter langen Mini erfüllte die Erwartungen, auch wenn überraschenderweise die eher einkommensschwache Arbeiterklasse, für die der Wagen gedacht war, kaum zugriff – sie misstraute zunächst dem neuen Konzept des quer eingebauten Motors mit Frontantrieb und winzigen Rädern.