Vorschlag der EU-Kommission: WLTP ab 2017

Die EU-Kommission will den den neuen Zyklus zur Verbrauchermittlung WLTP ab September 2017 in der gesamten EU einführen. Der Vorstoß von Experten der EU-Staaten dürfte auch auf die gerade festgestellten Abweichungen bei den Verbrauchsangaben zurückgehen

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Die EU-Kommission will den den neuen Zyklus zur Verbrauchermittlung WLTP (Worldwide harmonised Light Vehicle Test Procedure) ab September 2017 in der gesamten EU einführen. Der Vorstoß von Experten der EU-Staaten, die sich sich am Mittwoch in Brüssel verständigten, dürfte auch auf die gerade festgestellten Abweichungen bei den Verbrauchsangaben zurückgehen. Dabei steht die Vermutung im Raum, dass die Hersteller nicht nur Lücken im gesetzlichen Anforderungskatalog genutzt haben, sondern beim Test betrogen haben. Der neue Zyklus WLTP soll zunächst nur für neu homologierte Autos gelten, für alle erstmals zugelassenen Autos ein Jahr später.

Mit dem WLTP steigen nach Ansicht einiger Experten die Verbrauchsangaben gegenüber dem bisher verbindlichen NEFZ um etwa 20 Prozent.

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Ziel ist, die hohen Abweichungen zwischen Labor und den Werten, die viele Autofahrer im Alltag erzielen, zu reduzieren. Der bisher geltende NEFZ (Neuer europäischer Fahrzyklus) wurde Mitte der 1990er-Jahre eingeführt und hatte zahlreiche Lücken im Anforderungskatalog. Die Hersteller haben in den vergangenen Jahren diese Lücken unterschiedlich intensiv genutzt, was mindestens zwei gravierende Nachteile mit sich brachte. Zum einen wurden die Abweichungen zu realen Werten immer größer, zum Teil liegen zwischen Praxis und Labor 40 Prozent Unterschied. Dem Bund, der seit dem Sommer 2009 die Einnahmen aus der Kfz-Steuer bekommt, entgehen so beträchtliche Einnahmen.

Zum anderen ging mit dem individuellen Ausnutzen der Lücken im NEFZ genau das verloren, was eine Verbrauchsmessung in einem Labor eigentlich sicherstellen soll, nämlich eine absolute Vergleichbarkeit zwischen allen Autos. Schon im Sinne einer Steuergerechtigkeit ist die aber wichtig. Genau diese notwendige Vergleichbarkeit ist es auch, die eine Labormessung unumgänglich macht. Bei einer von vermeintlichen Experten immer wieder mal geforderten Verbrauchsmessung auf der Straße kommen Umweltfaktoren hinzu, die eine Vergleichbarkeit der ermittelten Werte ausschließen. Beim RDE (Real Driving Emissions) ist ein Straßentest dagegen sinnvoll. Bei ihm geht es nicht um Vergleichbarkeit, sondern darum, wie effektiv die Abgasentgiftung funktioniert. Mit der Abgasnorm Euro 6c kommen in dieser Hisicht neue Herausforderungen auf die Hersteller zu.

Mit dem WLTP wird nicht alles besser, doch einige Schlupflöcher werden geschlossen. Der Geschäftsführer des VDA (Verband der Automobilindustrie) Eichhorn äußert im November 2015 in einem Interview mit der Automobil Produktion, dass er mit rund 20 Prozent höheren Werten im WLTP gegenüber dem NEFZ rechne. Das liegt unter anderem daran, dass im neuen Zyklus höhere Geschwindigkeiten gefahren werden.

Der Vorschlag der EU-Kommission soll nun dem Europaparlament und den EU-Staaten vorgelegt werden. Stimmen diese zu, könnten die neuen Regelungen könnten ab September 2017 schrittweise eingeführt werden.

(mfz)