Groß kaum verändert

Vorstellung: Mercedes V-Klasse 2019

Nach fünf Jahren aktualisiert Mercedes die V-Klasse ein wenig. Die Gestaltung bleibt innen wie außen nahezu unverändert. Den größten Fortschritt gibt es bei den Motoren, denn Mercedes stellt nun auch hier auf den OM654 um

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Die V-Klasse vereint gleich mehrere Besonderheiten. Da ist zum Beispiel die Zielgruppe. Die sei die jüngste, rund 75 Prozent der Kunden seien jünger als 55 Jahre, so Marketingchefin Marion Friese. Sollte das stimmen, woran kaum Zweifel besteht, habe zumindest ich die A-Klasse-Kunden viel jünger eingeschätzt. Das ist bemerkenswert, wenngleich der Anteil der privaten Zulassungen 2018 bei nur etwas mehr als 20 Prozent lag. Doch wenn man diese Zahl einmal grob umdreht, konnte Mercedes im vergangenen Jahr etwas mehr als 4000 V-Klasse-Neuwagen an private Käufer ausliefern. Manch ein Importeur wäre froh, in diesem Segment insgesamt auf eine solche Zahl käme. 204.000 V-Klassen hat Mercedes eigenen Angaben zufolge seit 2014, dem Jahr der Einführung des aktuellen Modells, verkauft. Nach nun fast fünf Jahren gibt es ein kleines Update, dessen Tiefe den einen oder anderen Interessenten enttäuschen dürfte.

Ganz der Alte

Äußerlich gibt es eine leicht veränderte Front mit einem neu geformten Stoßfänger. Die AMG-Line bekommt den von anderen Modellen bekannten Diamantgrill mit Chrompins. Dazu ein paar neue Farben und Felgen – das war es dann auch schon. Es bleibt beim bisherigen LED-Licht, was ja keineswegs schlecht war. Die Umstellung auf die „Multibeam“ getauften Scheinwerfer, die beispielsweise die überarbeitete C-Klasse vor einem Jahr bekam, spart sich Mercedes. Doch erstmals gibt es in der V-Klasse ein Matrixlicht, das andere Verkehrsteilnehmer in der Schatten setzen kann – gerade auf finsteren Landstraßen ein echter Sicherheitsgewinn.

Im Innenraum gibt es ein paar neue Farben und Zierelemente, am auffälligsten sind wohl noch die aus der A-Klasse übernommenen Lüftungsdüsen. Wer mag und kräftig zuzahlt, bekommt nun auch hinten eine Massagefunktion, vorn gar mit Belüftung. Wichtiger wäre manch einem Kunden wohl eine Auffrischung im Bereich der Unterhaltungselektronik gewesen, doch der ansonsten um kein Wort verlegene Beipackzettel ist in dieser Hinsicht geradezu auffällig still. Offenbar verbaut Mercedes nicht einmal das kleine Update, das die C-Klasse vor einem Jahr bekam, vom MBUX ganz zu schweigen. Letzteres ist verständlich, hätte es doch einen tiefen Eingriff in die Fahrzeugelektronik erforderlich gemacht. Doch zumindest das größere Display und einen Bildschirm als Kombiinstrument hätte man erwarten können. Doch auch hier: Fehlanzeige.

Umstellung auf OM654

Immerhin bei den Motoren tut sich etwas. Vorläufig besteht das Angebot aus zwei Dieselmotoren aus der intern OM654 genannten Reihe. Der seit 2009 gebaute OM651 hat damit auch hier ausgedient. Der neue Diesel wird seit 2016 in diverse Mercedes-Modelle eingebaut. Zwei Dinge standen damals im Lastenheft des OM654 recht weit oben: Ein deutlich angenehmeres Laufgeräusch und eine geringere Stickoxid-Emission – beides bezogen auf den Vorgänger. Ersteres war nicht so schwer, denn der alte OM651 war ein echtes Raubein. Der zweite Punkt war nicht ganz so einfach umzusetzen, ist aber gelungen. In zahlreichen Tests, auch auf der Straße, fiel die Maschine mit vergleichsweise wenig NOx im Abgas auf.

In der V-Klasse wird der OM654 mit 190 (V 250d) und mit 239 PS (V 300d) angeboten. Das maximale Drehmoment liegt bei 440 bzw. 500 Nm. Die Wandlerautomatik hat nun auch hier neun Gänge, im stärkeren Motor ist sie serienmäßig. Gegen Aufpreis gibt auch weiterhin Allradantrieb. Als Verbrauch nennt Mercedes für beide zwischen 5,9 und 6,3 Liter im WLTP. Alle Motorisierungen halten die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 6d-Temp ein. In A- und B-Klasse ist Mercedes bei einigen Versionen schon weiter, sie gehören zu den ersten Autos überhaupt, welche die Euro 6d erfüllen. Ganz nebenbei hat Mercedes angekündigt, an einer Großraum-Limousine mit E-Motor zu arbeiten. Eine entsprechende Studie will Mercedes auf dem Genfer Autosalon zeigen. Konkreter will man dazu aktuell aber noch nicht werden.

Teurer?

Bislang kostete ein V 250d (Test) unverhandelt mindestens 48.766 Euro (Preisliste September 2018). Dabei wird es vermutlich nicht bleiben, denn Mercedes wird die Chance auf eine kleine Anhebung kaum ungenutzt lassen. Interessenten, die sich für ein Auslaufmodell interessieren haben bei Preisverhandlungen aktuell wahrscheinlich gute Karten, sollten aber bedenken, dass die Modelle vor der Modellpflege nur die Abgasnorm Euro 6c einhalten. Noch spielt das bei der Wahl eines Ziels keine Rolle, eine Garantie, dass dies auch künftig so bleibt, gibt einem momentan aber keiner.