Raketenofen

Vorstellung: Triumph Rocket 3

Die neue Triumph Rocket 3 kann gleich zwei Superlative für sich verbuchen: größter Hubraum in einem Serienmotorrad und das höchste Drehmoment. Das Muscle Bike kommt mit Euro5-Motor wieder ins Programm. Auf britisches Understatement haben die Entwickler verzichtet

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Wohl auf kein anderes Motorrad trifft die Bezeichnung „Big Bike“ so passgenau zu wie auf die neue Triumph Rocket 3. Sie schwelgt in Superlativen: Sie ist das Serienmotorrad mit dem größten Hubraum und Drehmomentkönigin. Die Triumph beeindruckt mit 2458 cm3 Hubraum verteilt auf drei Zylinder. Die PS-Ausbeute fällt mit 167 PS bei 6000/min schon recht ansehnlich aus, doch mit einem Drehmoment von 221 Nm bei 4000/min schiebt die Triumph in Sachen Durchzug an wie kaum kein zweites Motorrad – hier wird der Name Rocket zum Programm.

Wieder da mit aktueller Norm

Schon als Triumph im Jahr 2004 die erste Rocket III (damals wurde die 3 noch mit römischen Ziffern geschrieben) mit 2,3 Litern Hubraum auf den Markt brachte, galt sie als brachiales Muscle-Bike, schleppte allerdings auch viel Gewicht mit sich herum und zeigte eher barocke Formen. 2017 musste die Produktion eingestellt werden, da der Dreizylindermotor nur die Euro-3-Norm erfüllte. Doch Triumph wollte nicht dauerhaft auf sein Rekord-Bike verzichten und konstruierte die Rakete für die Euro-5-Norm von Grund auf neu.

Den ersten Teaser gab es schon bei einer Präsentation zu Jahresbeginn in London, als neben der Triumph Thruxton TFC auch zur Überraschung des Publikums eine neue Rocket 3 TFC kommentarlos auf die Bühne geschoben wurde. Doch bei allen Anfragen der Journalisten bezüglich des neuen Serienmodells hüllte sich die Presseabteilung in Schweigen. Offensichtlich war aber, dass die neue Rocket-Generation noch näher an das Ideal eines Muscle-Bikes rücken würde.

Noch mehr Druck

Jetzt endlich sind die Fotos und Infos der Serienmodelle Rocket 3 R und Rocket 3 GT veröffentlicht worden samt den sehnsüchtig erwarteten technischen Daten. Wer je die alte Rocket III gefahren ist, hatte garantiert nie das Gefühl, untermotorisiert unterwegs zu sein, doch die Triumph-Entwickler legten noch einmal nach. Der längs eingebaute Dreizylinder basiert auf dem Vorgänger, wurde aber überarbeitet.

Zwar brachte es schon die bisherige Rocket III auf 221 Nm, doch jetzt wurde die Leistung um 19 PS und die Maximaldrehzahl auf 7000/min angehoben. Vor allem soll der Drehmomentverlauf optimiert worden sein, Triumph verspricht eine sehr flache Drehmomentkurve. Dabei behielten die Ingenieure stets die Waage im Auge, so wurden das Kurbelgehäuse, die Trockensumpfschmierung, der Öltank und die Ausgleichswellen erleichtert. Insgesamt wiegt der neue Motor 18 Kilogramm weniger.

Gewaltige Krümmer

Die drei gewaltigen Krümmer aus hydrogeformten Rohren sind natürlich ein Hingucker und münden auf der rechten Seite in zwei kurze, übereinander angeordnete Endschalldämpfer, auf der linken Seite in einen ultrakurzen. Damit entfallen die langen Ofenrohre der Vorgängerin. Fraglos wirkt das Design wesentlich leichter als bisher, wozu auch die Einarmschwinge mit inkludiertem Kardanantrieb und seitlich versetztem Federbein beiträgt.

In Kombination mit dem kurzen Heck, das unmittelbar hinter dem Soziussitz endet, gewährt zumindest die rechte Seite einen unverhüllten Blick auf den breiten 240er-Hinterreifen. Kein wulstiger Kotflügel mehr, stattdessen eine knappe Trägereinheit mit Rücklicht, Blinker und Nummernschild, die über einen Ausleger an der Hinterradnabe befestigt sind. Der Design-Gag ist zurzeit sehr in, hat aber den Nachtteil, dass bei Regen das Spritzwasser vom Reifen ungehindert den Rücken des Fahrers trifft.

Kleinerer Vorrat

Auch vorne sitzt nur noch ein relativ knapper Kotflügel über dem breiten 150er-Reifen, kein Vergleich mehr zu dem bombastisch geschwungenen Exemplar an der Vorgängerin. Ähnliches gilt für den längst nicht mehr so wuchtig gezeichneten Tank. Er fasst 18 Liter Sprit, was in Anbetracht des riesigen Hubraums auch nötig ist, allerdings sind das sechs Liter weniger als bisher. Dass der Kühler eigentlich recht groß ist, fällt bei den Dimensionen der Rocket 3 kaum auf. Die Frontpartie erscheint jetzt sportlicher, ein kleiner Flyscreen wirkt da Wunder. Den Doppelscheinwerfer wollten die Entwickler natürlich beibehalten, aber er verfügt nun über LEDs, genau wie die Tagfahrleuchten, das Rücklicht und die Blinker.