Rechnung mit Schlag

Was kostet ein E-Auto?

Es gibt sehr viele Ansichten darüber, ob sich ein E-Auto über die Haltezeit lohnt. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Antwort von den konkreten Parametern abhängt. Eine Aufdröselung nach Kosten.

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Inhaltsverzeichnis

In der Kolumne beleuchtete ich zuletzt meinen Fall, dass ein kleiner Zweitwagen sich als E-Auto für mich wahrscheinlich nicht lohnt. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Zweitwagen bei hohen Anschaffungskosten für die E-Variante geringe Kilometerleistungen fahren wird. Dazu kommen die Unwägbarkeiten des Gebrauchtmarkts. Ein E-Up erster Generation fängt hier in der Gegend bei über 13.000 Euro an, üblicher sind über 14.000 Euro. Ein neuer Seat Mii Electric (selber Antrieb) mit dem großen 32-kWh-Akku kostet nach Förderung ab 14.650 Euro, ein neuer E-Up mit demselben Akku ab 15.675.

Kaum jemand wird da die Gebrauchtmöhren kaufen. Diese Gefüge brauchen noch etwas Zeit, sich zu setzen. Viele Daten gibt es schlichtweg noch nicht in ausreichender Genauigkeit, weil die Zeit zu kurz ist und das Testfeld zu klein. Es gibt jedoch auch viele Kostenpunkte, die schon jetzt gut kalkulierbar sind. Wir haben (noch?) keinen eigenen Kostenrechner, Sie können mit den Zusatzinformationen aus diesem Artikel jedoch andere Kostenrechner korrigieren mit alltagsnäheren Werten – sofern der Rechner freiere Werteingaben anbietet.

Gleich zu Beginn das Wichtigste: Ein Elektroauto kann nicht dasselbe wie ein Verbrenner. Es kann manches besser und manches schlechter, und was das konkrete Modell kann oder nicht kann, lesen Sie am besten in unseren Tests. Das schlimmste, nutzloseste Gezeter entsteht, wenn jemand wieder einen Hammer kauft, um die Spiegel im Haus zu reinigen.

Anschaffungspreis

Der Anschaffungspreis des E-Autos liegt üblicherweise höher als für Verbrenner, und in guter Ausstattung sind dabei schon ein Teil der Mehrkosten versteckt. Sie erhalten zusätzlich bis zu 3000 Euro von der Gemeinschaft geschenkt zum Kauf eines Neuwagens. Die anderen 3000 Euro muss der Autohersteller nachlassen, was er vorher einkalkuliert. Die genauen Umstände der aktuellen Elektroautoförderung lesen Sie in diesem Artikel nach. Das verantwortliche Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mauert jedoch noch, denn Sie können die erhöhte Förderung noch nicht beantragen, obwohl sie beschlossen ist. Sowohl Händler als auch kaufinteressierte Kunden stehen derzeit deshalb etwas blöd da. Das Amt gab auch keine Informationen darüber, wann die Förderanträge eingereicht werden können. Renault und Kia haben daher angekündigt, Kunden die gesetzlich beschlossenen 6000 Euro schon einmal zu garantieren, damit die Händler Vorbestellungen abschließen können (die Lieferzeiten können bei Kia immer noch über ein Jahr betragen).

Staatliche Hilfen bei Unterhaltskosten

Ein neu zugelassenes Elektroauto ist zehn Jahre lang von der KFZ-Steuer befreit, wenn es bis 2020 zugelassen wird. Die Gesamtersparnis über 10 Jahre liegt typischerweise im Bereich einige hundert Euro, die Ersparnis gegenüber den höheren Steuern eines Verbrenners typischerweise bei über 1000 Euro. Der größere steuerliche Vorteil liegt jedoch in der Bemessungsgrundlage für Firmenwagen, deren Fahrer sie mit monatlich 1 Prozent ihres Kaufpreises (die Bemessungsgrundlage) als geldwerten Vorteil versteuern müssen. Beim Autogipfel November 2019 sank die Bemessungsgrundlage von vorher der Hälfte auf nun ein Viertel des Kaufpreises, wenn der Listenpreis unter 40.000 Euro liegt (also keine neuen Firmen-Teslas, keine neuen Firmen-Jaguars in dieser Regel) und die Fahrzeuge nach (inklusive) dem 1. Januar 2019 angeschafft wurden.

Für Fahrtkosten vom Wohnort zum Arbeitsplatz gilt ebenfalls die geviertelte Bemessungsgrundlage. Anders als bei Privatkäufern spricht das aktualisierte Gesetz von „Anschaffung“ statt von „Neuzulassung“. Also sind auch Gebrauchtfahrzeuge möglich, wenn sie im Gültigkeitszeitraum des neuen Gesetzes als Firmenfahrzeug angeschafft werden. Die Bemessungsgrundlage ist dann der bezahlte Gebrauchtmarktpreis (also ein Ja für den gebrauchten Firmen-Tesla).

Seit 2017 müssen Arbeitnehmer den vom Arbeitgeber geschenkten Strom am Arbeitsplatz auch nicht mehr als geldwerten Vorteil versteuern. Der Arbeitgeber kann sogar auf seine Kosten eine Wallbox mit Zähler beim Arbeitnehmer installieren und den dort gezogenen Strom steuerfrei rückvergüten. Alternativ sind steuerfreie Pauschalen möglich. Ein solches Arrangement kann also aufgrund der hohen Strompreise sehr lohnend werden für den Beschenkten. Auch kleine Elektro-NFZ erhalten steuerliche Vorteile gegenüber Verbrennern, zum Beispiel sehr günstige Abschreibungen.

Großzügige Förderung

Sie können die weiteren Bedingungen, Geltungsfristen, Beträge und Regeln für Firmenförderung hier nachlesen (inklusive Links auf die kompletten Gesetzesentwürfe und deren Änderung). Kurz zusammengefasst: Im Firmenfuhrpark können Sie eindeutige Vorteile holen durch ein wenig Planung und Rechnung. Der Grund für die großzügige staatliche Förderung ist einfach: Die Regierung weiß, dass die weitaus meisten Neuzulassungen Firmenwagen sind, die später für Privatkunden auf dem Gebrauchtmarkt landen. Wenn die Steuererleichterungen den E-Anteil an Firmen-KFZ signifikant erhöhen, fallen am Ende der Leasing-Laufzeiten wie bei Verbrennern die jungen Gebrauchten heraus, die Privatkunden normalerweise kaufen.