Was kostet ein E-Auto?

Hauptmann Mumms Stiefel, Ehrlichkeit

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Persönlicher Einzelfall: Bei meinen geringen Fahrleistungen lohnt sich ein E-Up nie. Vergleichs-Ups kosten 3000 Euro, es gibt keine E-Ups in dieser Gegend unter 12.000 Euro. E-Fans legten statt Zweitwagenkauf nahe, den alten Benz durch einen Tesla 3 zu ersetzen, weil wir damit ja dann so viel Geld sparen durch die höhere Laufleistung. Das zeigt ein bisschen, worin die Missverständnisse in dieser Diskussion bestehen. Der Benz hat 3500 Euro gekostet. Er fährt derzeit 8000 bis 10.000 km / Jahr. Ein Model 3 kostet ab 44.390 Euro. Es steht als günstigstes Modell Standard Range mit 733 Euro pro Monat in der Kostenliste des ADAC – wie gesagt: das Meiste davon Wertverlust. So ein Vergleich kann nur hinken, und so wenig wie die Autos zueinander passen dann auch die Argumentationen. Man redet kilometerweit aneinander vorbei.

Hauptmann Mumms Stiefel

Davon abgesehen gibt es einen großen Anteil an Menschen, die sich schlicht keinen Neuwagen leisten können. Für die ist auch der aktuelle E-Gebrauchtmarkt zu jung, zu klein, zu dominiert von den Unwägbarkeiten des technischen und politischen Wandels. Es kann durchaus Fälle geben, in denen ein vergleichsweise neues E-Auto über 10 Jahre billiger würde als ein Gebraucht-Schnapper (zum Beispiel bei geschenktem Strom auf Arbeit), in denen der Interessent aber schlicht nicht genug flüssiges Kapital (oder Kreditwürdigkeit) hat, um die höhere Erstinvestition zu stemmen. Der Heise-Leser kennt diese Zwickmühle aus Terry Pratchetts Scheibenwelt als „Captain Samuel Vimes ‚Boots‘ theory of socioeconomic unfairness“. Solche Schwellenkostendilemmas kann das E-Auto nicht lösen, dafür braucht es Öffi-Angebote.

Das E-Auto muss daher den Weg jeder neuen Technik gehen: Von der Avantgarde über die Interessierten, die es sich leisten können bis zu einer kritischen Masse und einem entsprechenden Gebrauchtmarkt. Die Politik konzentriert sich auf Geschenke für die Autohersteller mit ihrer Förderung. Das ist in unserem Autoland politisch gedacht nachvollziehbar, aber wahrscheinlich nicht der beste Weg. Ich habe es schon einmal gesagt und werde es wieder sagen: Wenn die Regierung jeden Euro, den sie für Neuwagenförderung ausgegeben hat, in günstige Fahrenergie investiert hätte, wären wir schon ein gutes Stück weiter. Sie hätte diese Idee nicht einmal selber haben müssen. Tesla hat sie groß und breit vorexerziert.

Sind wir mal ehrlich

Lassen wir ganz am Ende die eine große Selbstlüge fallen, die hinter allen Berechnungen für etwas steht, das wir haben wollen: Wir sind kein Homo Oeconomicus, wir entscheiden nicht allein nach Kennzahlen, nicht einmal hauptsächlich. Wir entscheiden aus dem Bauchgefallen und suchen uns dann so lange Zahlen, bis die zu dem passen, was wir eh schon wollen. Ja, ich weiß, Sie sind anders. Sie wissen das ganz genau. Sie sollten sich der Wissenschaft zur Verfügung stellen für die Studien, deren Ergebnisse derzeit das Gegenteil dieser Selbstwahrnehmung nahelegen.

Worauf ich hinauswill: Ich will einen VW E-Up. Wenn ich ehrlich zu mir selber und zu Ihnen bin, ist es mir egal, ob der ein bisschen mehr kostet oder weniger als der Benziner, denn den Benziner will ich nicht haben, Punkt, fertig. Aktuell kann ich mir angesichts der nötigen Hausrenovierungen den E-Up nicht leisten, aber diese Lage ändert sich vielleicht irgendwann, und dann werde ich in meinem kleinen weißen Elektro-Toaster herumfahren mit einem Grinsen wie der Prinz von Zamunda, und allen, die fragen, vorrechnen, wie geil das für den Geldbeutel ist. Ich weiß das, weil ich mir damals in einem ähnlich gelegenen Fall total gut ausgerechnet habe, wie sehr es sich für mich als Motorradschreiber lohnt, eine KTM 690 Duke R zu kaufen. Die Rechnung dazu ist der größte Schmarrn unterm Himmel, aber ich würde sie mit Blut und Leben aufs Messer verteidigen. Entspannen wir uns also alle mal ein bisschen und geben häufiger die schlichte Wahrheit zu: „Ich habe das gekauft, weil ich das wollte und konnte.“ (cgl)