Microsoft bündelt seine Automotive-Software in einem Produkt

Windows Embedded Automotive 7

Microsoft bot seine Infotainment-Embedded-Software bisher in zwei Versionen an: als Microsoft Auto oder Windows Automotive. Jetzt werden die beiden Produkte in Windows Embedded Automotive 7 zusammengeführt

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Hannover, 26. Oktober 2010 – Auch in den USA prescht die Renault/Nissan-Allianz mit Elektroautos voran. 2011 soll dort der Nissan Leaf auf den Markt kommen, das erste Elektroauto, bei dem ernsthaft von einer Großserie die Rede sein kann. Und vergangene Woche verkündete Microsoft, dass der Leaf ein Fahrer­infor­ma­tions­system erhält, dessen technische Grundlage Windows Embedded Automotive sei. Fast zeitgleich stellte Microsoft die Version 7 des Embedded-Betriebssystems auf der SAE Convergence vor, der führenden nordamerikanischen Konferenz für Automobilelektronik.

Den Autoherstellern die Hoheit

Zwei Neuigkeiten in einer Pressemeldung also, doch wie hängen sie zusammen? Auf Nachfrage bei Microsoft Deutschland erfuhren wir zunächst einmal, dass der Nissan Leaf für Microsoft keine größere Bedeutung hat als jedes konventionelle Auto auch. Zwar muss ein Informationssystem in einem Elektroauto mehr leisten: Der "Leaf Information Hub" soll zum Beispiel eine Standortbestimmung für Ladestationen bieten, oder eine Anzeige des Stromverbrauchs, um einzelne Verbraucher zu drosseln oder auszuschalten – es geht also um Energiemanagement im Auto.

Doch grundlegend Neues braucht das MS-basierte System dafür im Leaf nicht zu können, warum auch? Nach wie vor betont Microsoft, dass die Software zwar Daten aus dem Fahrzeug auslesen kann, Schreibzugriffe in die Fahrzeugelektronik aber ausgeschlossen sind. "Das würde kein Automobilhersteller zulassen", sagt Carmelo Morgano, der den globalen Vertrieb der MS-Automotive-Produkte verantwortet. Insofern macht sich der Nissan Leaf im Zusammenhang mit einem neuen Windows Embedded Automotive zwar gut, doch Infotainment funktioniert eben hier wie dort auf gleiche Weise.

Mehr Software im Auto

Das Bild der Autofahrer von Microsoft könnte der Leaf aber sehr wohl ändern: Dass die Funktionen von ehemals getrennten Funktionen wie Radio, Telefon, CD-Player und dessen Nachfolgern zentral über Software verwaltet werden, war bisher – von Ausnahmen abgesehen – nicht notwendigerweise sichtbar. Wenn nun Funktionen wie Energiemonitor, Ladestationssuche etc. hinzukommen, wird vielleicht auch weniger interessierten Autofahrern klar, dass immer mehr Infotainment-Funktionen im Auto eigentlich Software sind.

Diese Erkenntnis wird Microsoft bei aller gebotenen Bescheidenheit nicht unrecht sein. Denn ein breiteres Verständnis dafür, was Software im Auto leisten kann, erhöht die Bereitschaft von Autofahrern, sie als Bereicherung zu akzeptieren – sofern nicht ergonomische Erwägungen dagegen sprechen.