Faktor Sechs

Zero Motorcycles 2018

Zero aus Santa Cruz in Kalifornien hat für die 2018er-Generation angekündigt, dass ihre Motorräder nicht nur über eine größere Reichweite verfügen, sondern sich auch bis zu sechsmal schneller laden lassen als bisher

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Nicht nur die Autoindustrie, sondern auch die Motorradbranche kommt in Sachen Elektromobilität immer besser voran. Eine der führenden Marken auf dem Sektor ist Zero, die bereits vor zehn Jahren ihr erstes E-Motorrad auf den Markt brachte. Die Firma aus Santa Cruz in Kalifornien hat für die 2018er-Generation angekündigt, dass ihre Motorräder nicht nur über eine größere Reichweite verfügen, sondern sich auch bis zu sechsmal schneller laden lassen als bisher.

Kräftiges Drehmoment

Immer noch kämpfen die Elektromotorräder im Vergleich zu den Krafträdern mit Verbrennungsmotoren mit drei großen Problemen: lange Ladezeiten, geringe Reichweite und hohe Anschaffungskosten. Gegen die ersten beiden Punkte kämpft Zero kontinuierlich an. Während eines Tests mit der Zero DS im Jahr 2016 hatte der leere 12,5-kWh-Akku knapp über acht Stunden gebraucht, um wieder 100 Prozent Ladezustand anzuzeigen.

Immerhin brauchte man kein klobiges zusätzliches Ladegerät, das war bei Zero im Bike verbaut, so dass man per Stromkabel an jeder beliebigen Steckdose die Batterie aufladen konnte. Wer sie abends in der Garage an den Strom schloss, fand die Batterie morgens komplett gefüllt. Es gab jedoch schon damals ein Schnellladekabel von Zero, das die Ladezeit auf eineinhalb Stunden verkürzte, allerdings kostete das Teil mit dem Namen seiner Schnittstelle „CHAdeMO” satte 1899,99 Euro. In Deutschland gibt es gegenwärtig knapp 700 geeignete Ladepunkte und rund 4000 in Europa.

Design eines herkömmlichen Motorrads

Rein optisch unterscheiden sich die neuen Modelle der Zero S / SR, Zero DS / DSR, Zero FX und Zero FXS nicht von ihren Vorgängern. Sie sehen auf den ersten Blick für den Laien aus wie herkömmliche Motorräder mit Verbrennungsmotor, was durch den Wegfall vieler Bauteile – angefangen vom Tank bis hin zum Auspuff – eigentlich gar nicht nötig wäre. Dennoch scheut Zero davor, seine Kunden mit einem zu gewagten Design zu vergraulen. Über den soliden Aluminium-Rahmenrohren wölbt sich eine Tankattrappe, die Sitzbank und das Heck könnten auch genauso gut von einem konventionellen Motorrad stammen.

Beim Fahrwerk hingegen gelten für das Elektromotorrad die selben physikalischen Gesetzte, ergo greift Zero hier zu einer voll einstellbaren Upside-down-Gabel, einem ebenfalls einstellbaren Mono-Federbein und einer zweiarmiger Leichtmetallschwinge. Der trapezförmige Scheinwerfer zeigt sich modern und die Felgen filigran. Zero belässt es bei einer Bremsscheibe vorne, die misst jedoch 320 mm im Durchmesser und wird von einem Vierkolbensattel in die Zange genommen. Als Antrieb wählte Zero einen Zahnriemen, weil er leise und wartungsarm ist. Wie bisher können die Leistungsprofile der Batterie mittels Handy-App in diversen Parametern eingestellt werden, wie im Topspeed und Drehmoment.

Noch mehr Leistung

Für 2018 führt Zero eine neue Akku-Generation ein, die es wahlweise auf 7,2 oder 14,4 kWh bringt, bisher waren es 6,5 und 13 kWh. Die kräftigere Batterie steht jedoch nur den Modellen S und SR sowie DS und DSR zur Verfügung. Wobei die SR und DSR noch zusätzlich Power bieten: Statt 60 PS und 110 Nm, bringen sie es auf 69 PS und eindrucksvolle 146 Nm Drehmoment. Zum Vergleich: Die als extrem kraftvoll geltende KTM 1290 Super Duke R mit 1,3 Liter Hubraum und 177 PS leistet mit 141 Nm drei weniger als die Zero SR und DSR. Deshalb fällt es auch so schwer, Elektromotoren mit Verbrennungsmotoren zu vergleichen. Die SR und DSR erreichen nun 164 km/h Topspeed – 11 km/h mehr als bislang.

Interessanterweise gibt Zero für beide ZF14,4 kWh-Batterien identische Reichweiten an. In der Stadt sollen es 288 km sein, auf der Autobahn 145 km und kombiniert ergeben sich 193 km. Hierzu sei angemerkt, dass die Reichweitenangaben der Hersteller in der Realität kaum erreicht werden, selbst bei wenig Verkehr und gutem Wetter. Wer der Ausdauer der Zero misstraut, kann ab sofort den Power-Tank ordern – für happige 3495 Euro. Er wird auf die Tankattrappe montiert und ist nichts anderes als eine Zusatzbatterie von 3,6 kWh.