Adobe stellt PhoneGap ein: Drama oder Chance?

PhoneGap war der einstige Vorreiter der sogenannten Hybrid-Apps. Einmal entwickelte Webanwendungen können damit für diverse mobile Betriebssysteme verpackt werden. Nun stellt Adobe das Produkt ein. Betroffene Entwickler sollten auf andere Systeme umsteigen.

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Von
  • Christian Liebel

Mithilfe von PhoneGap konnten Entwickler seit 2008 hybride Apps für mobile Betriebssysteme schreiben: Einmal entwickelte Webanwendungen werden dabei in Anwendungscontainer verpackt, die Zugriff auf Schnittstellen der nativen Plattform gewähren. Nun stellt Adobe das Produkt ein. Betroffene Entwickler sollten auf andere Systeme umsteigen.

In seinem Update for Customers Using PhoneGap und PhoneGap Build hat Adobe angekündigt, sein Produkt PhoneGap einzustellen. Zum 1. Oktober 2020 wird auch der Dienst PhoneGap Build abgeschaltet, der App-Pakete für verschiedene Betriebssysteme komfortabel in der Cloud kompiliert hat. Gleichzeitig beendet das Softwareunternehmen seine Unterstützung für Apache Cordova, den Open-Source-Fork von PhoneGap. Adobe begründet seine Entscheidung unter anderem mit dem Erstarken der Progressive Web Apps (PWA), die die Lücke zwischen Web und Native zunehmend schließen, ohne Containerlösungen zu bedürfen.

Das quelloffene Projekt Apache Cordova wird auch weiterhin von der Community getragen. Adobe empfiehlt betroffenen Entwicklern, von PhoneGap auf Cordova umzusteigen. Eine weitere Alternative wird von Ionic zur Verfügung gestellt: Dieses Unternehmen bietet ein umfassendes Ökosystem zur Entwicklung webbasierter Cross-Platform-Apps, das deutlich moderner und in Teilen umfangreicher ist als die Cordova- und PhoneGap-Welt. Ionics Open-Source-Tool Capacitor ist kompatibel zu PhoneGap und Cordova und kann diese komplett ersetzen.

Nutzer von PhoneGap Build müssen ihre Daten bis zum 30. September 2020 sichern. Mit Ionic Appflow steht ein vergleichbarer kommerzieller Service zur Verfügung, zu dem Entwickler ihre PhoneGap-Build-Projekte übertragen können. Adobe arbeitete mit Ionic zusammen, um eine reibungslose Migration zu ermöglichen. Die einzelnen Schritte finden sich in der Ionic-Dokumentation zum Thema Migrating from PhoneGap Build to Ionic Appflow.

Bereits in den vergangenen Jahren zeichnete sich Adobes schwindendes Interesse an PhoneGap ab: Viele Plug-ins zur Kommunikation mit den nativen Schnittstellen des Betriebssystems sind in die Jahre gekommen. Mit PhoneGap Build erstellte iOS-App-Pakete konnten aufgrund einer veralteten iOS-SDK-Version auf dem Cloud-Buildserver nicht mehr in den App Store hochgeladen werden. Ob die Community alleine Apache Cordova in einem stabilen Zustand erhalten kann, wird sich zeigen.

Doch das Ende von PhoneGap ist mehr Chance denn Drama: Plattformübergreifend einsetzbare Webanwendungen werden heute ohnehin am besten in Form einer Progressive Web App entwickelt. Dieses Anwendungsmodell setzt nicht zwingend native Container voraus. Nur für Deployments über Apples App Store sowie den Zugriff auf APIs, die noch nicht im Web verfügbar sind, braucht es einen Wrapper-Ansatz. In diesem Fall finden Entwickler bei Ionic ein umfassendes Ökosystem vor; der Umstieg dürfte sich einfach gestalten. Auch die Zukunftsaussichten sind gut: Denn Ionics Geschäftsmodell ist – im Gegensatz zu Adobes – komplett auf die Entwicklung plattformübergreifender Anwendungen auf Basis von Webtechnologien ausgerichtet.

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